Anna-Lena’s Single-Geschichten: Aber der Kaffee war echt gut!

Single-Geschichten: Aber der Kaffee war echt gut!

Single-Geschichten: Aber der Kaffee war echt gut! Endlich Feierabend und es ist gleich schon neun Uhr abends, für Freitag ist das eigentlich noch früh, manchmal sitze ich hier bis um zehn, wegen irgendwelchen Änderungen. Kunden und Chefs haben kein Gespür für Design und die Informatiker erst recht nicht. Aber heute kein Krieg der Pixel oder das Imperium schlägt zurück und ich kann den Rechner endlich herunterfahren.
Draußen weht mir ein leichter Sommerwind durch das Haar und es ist immer noch warm. Auf dem Weg zum Auto, als wenn es mein Handy genau wissen würde, dass ich wieder erreichbar bin, klingelt es.

„Na, alles gut?“
„Oh, Till, Du bist so ein Idiot, wie kannst du einfach meine Nummer weiter geben…?“
„Wieso nicht, ihr hattet Sex!“
„Ja, aber er ist zwanzig!“
„Joa, das waren wir alle schon einmal, bei dir ist es ganze zehn Jahre her!“
“Danke, ich wusste nicht mehr, wie alt ich bin!“
„Zu alt!“ und sein fieses Gelächter hallt in meinem Ohr.
„Hä, hä, hä, sehr witzig!“
„Und hat er sich gemeldet?“
„Ja!“

„Anni, du bist aber heute sehr gesprächig und seht ihr Euch wieder?“
„Ich denke das bleibt eine einmalige Sache!“
„Ach so, denn solch junge Kerle haben auch ihre Vorteile!“
„Ach ja und die wären, Ausdauer, jugendlicher Leichtsinn und Naivität?“
„Zum einen und wenn ihr essen geht, kann er den Kinderteller bestellen, vielleicht bekommst Du ja schon Seniorenrabatt!“, er kann sich sein Lachen nicht verkneifen.
„Sehr witzig!“ und schüttle leicht den Kopf.

„Und wenn ihr zu Ikea geht, kann man ihn vielleicht im Smalland abgeben oder ihr genießt zusammen ein romantisches Bad im Bälleparadies!“
„Du bist echt doof und was machen deine Küken oder ist eins noch gar nicht geschlüpft?“
„Anni, seit wann denn so sarkastisch, mit Alex läuft es gut, sie hat vier Gänge zurück geschaltet, wir sehen uns einmal in der Woche das reicht!“
“Ach und die anderen Tage, wer ist dafür zuständig?“
„Du wirst es nicht glauben, aber ich lebe zur Zeit monogam!“
„Das ist wirklich schwer zu glauben, aber schön zu hören!“

„Stefan war gestern bei mir, wie geht es Tabi?“
„Wie soll es ihr schon nach der Trennung gehen, nicht gut, sie weint jeden
Tag und jede Nacht, wie geht es Stefan?“
„Naja, er redet nicht, aber so ganz einfach ist es für ihn auch nicht, was machst du heute noch?“
„Ich bin verabredet!“
„Ach, mit Tabi!“
„Ja, lass uns morgen noch einmal telefonieren, ich bin jetzt da!“
„Ok, Grüß sie von mir!“
„Jo, bis morgen!“

Kurz nachdem ich geklingelt habe, geht die Tür auf, kurze Begrüßung und ich schreite schnellen Schrittes den Flur entlang. „Hey, wo willst du hin?“ „Nach unten in dein Zimmer!“ „Aber es gibt doch noch Essen!“ „Essen?“ „Ich dachte, wenn du noch so lange arbeitest, hast du bestimmt Hunger, oder?“ „Äh, ja!“ Ich habe in der Tat Hunger, aber damit habe ich jetzt nicht gerechnet. „Du bist mir ja eine.“ „Ok und was gibt es, Miracoli, Spiegeleier, Pfannkuchen oder Tiefkühlpizza!“ „Oho, da hat ja jemand ganz große Erwartungen, was meine Kochkünste angehen!“ und zwinkert mir neckisch zu. „Komm!“ Wir verlassen den Flur Richtung Küche zum Esszimmer.

Nee, in welchem Parallel-Universum bin ich denn gelandet, auf dem Esszimmertisch stehen zwei Gedecke, liebevoll angerichtet und Kerzen! Kerzen!!! Ich bin wie erstarrt und weiß gar nicht was ich sagen soll, naja die Bravo-Zeit liegt ja noch nicht so lange zurück „Damit hast du jetzt nicht gerechnet!“ Gedanklich klopft er sich gerade selber auf die Schulter. „Du hast gekocht?“ „Klar!“ Ich glaube es nicht, ich bin mit dem Gedanken hierher gefahren, Sex und wieder weg und jetzt das. „Woran denkst du?“ Oh, man, an diese niederträchtigen Gedanken, die nur auf das Eine aus waren, werde ich ihn jetzt nicht teilnehmen lassen. „Was gibt es denn?“ „Erst gibt es einen kleinen Salat und zur Hauptspeise: Mozarella-Hähnchen in Basilikum-Sahnesauce dazu Reis und zum Dessert…“ Kurze Anmerkung, ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der Dessert so verführerisch sagt, dass mir ganz heiß wird, „gibt es den Himbeer-Traum.“ Mozarella Hähnchen, Himbeer-Traum, ich glaube ich träume. Adonis kann kochen. „Setz dich schon einmal hin, ich bin gleich fertig!“

Als er wieder reinkommt, hat er sich lässig ein Handtuch über die Schulter geworfen, passend zu seiner zu tiefsitzenden Hose, das schwarze T-Shirt mit etwas größerem V-Ausschnit formt sich seinem athletischen Körper an und er serviert den Salat. „Guten Appetit!“ „Danke!“ und es ist auf einmal so still, völlig untypisch für mich, aber ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll, das alles ist total süß und anstatt dass ich mich zurück lehne und es genieße, verkrampfe ich immer mehr zu einem Stockfisch. Zudem ist es auch noch echt lecker. Ich beobachte, wie er isst, mit Messer und Gabel, ganz manierlich, zwischendurch treffen sich unsere Blicke und er lächelt mir verschmitzt zu. Mir wird wieder heiß und ich denke, ja, jetzt hier, sofort, auf dem Tisch.

Nach seiner letzen Sms, von wegen, das ganze Wochenende Sturmfrei, Lust zu kommen, wer hätte da ein romantisches Dinner im Kerzenschein vermutet, ich nicht. Er schenkt mir ein weiteres Glas Wein ein. Nach dem Essen gehen wir runter, in den Keller, in sein Zimmer, als ich das letzte mal hier war, hatte ich den Raum in einem desolaten Zustand zurück gelassen und à la Aschenputtel das Schloss verlassen, der Schuh, war dieses Mal Till. Aber sämtliche Spuren wurden beseitigt und das Zimmer sieht sehr aufgeräumt aus. „Wir können ja einen Film gucken, hast du einen Wunsch?“ Wir wissen ja was gemeint ist, wenn jemand sagt, lass uns einen Fi(lm gu)cken, von daher ist es völlig irrelevant, welchen man aussucht, man bekommt ja meistens eh nicht viel von der Handlung mit. „Oblivion, habe ich noch nicht gesehen!“Ich meine, ich stehe ja nun nicht wirklich darauf, wenn Tom Cruise wieder einmal die Welt rettet, aber der war als erstes aufgelistet und viel werde ich auch nicht mitbekommen.

So, wir befinden uns jetzt bei der 117. Minute und ich bin noch nicht nackt, liege in seinem Arm und außer ein paar Küssen ist nichts gewesen. Ich kann es selbst nicht glauben, aber ich frage mich gerade, ob etwas mit mir nicht stimmt. Ich habe heute morgen geduscht, also stinken kann ich nicht und meine Nase wandert mein Shirt entlang. Es kommt mir vor, als wenn wir die Rollen getauscht hätten und ich bin jetzt der Mann, zumindest vom Gedankengang. Wir gucken echt den Film, ich weiß sogar worum es geht und wie es aussieht, erfahre ich sogar das Ende. Als Single bin ich ja einiges gewöhnt und wenn ich zu jemandem nach Hause gehe, weiß ich worauf ich mich einlasse. Komm nackt, bring Bier mit! Wie oft rege ich mich über diese Typen auf, die immer nur das Eine im Sinn haben und sobald eine Frau ihre Schwelle betritt, hat sie auch schon nichts mehr an. Tja, und jetzt bin ich diejenige die sich fragt, wann er endlich über mich herfällt. Ich habe echt einen Schaden, anscheinend haben mich meine Erfahrungen ziemlich schmerzfrei gemacht.

Tom Cruise ist tot, zumindest einer von ihnen und der Film hat sein glorreiches Ende genommen und ich warte auf meines. Anni, du hast echt einen Knall, genieße es doch einfach mal, nicht nur als Lustobjekt gesehen zu werden, aber was mache ich dann hier! „Der Film war irgendwie strange oder?“ „Mmm, ja!“ Ich komme mir immer noch vor, als wenn ich im falschen Film bin. „Wollen wir noch einen sehen?“ Jaha, dieses Mal sollte ich mir wohl mehr Gedanken zur Auswahl machen, ok, DVD-Abend mal anders oder so, wie er eigentlich sein sollte? Meine Theorie – nur Pärchen schauen sich Filme bis zum Ende an, gerät ganz schön ins Wanken. „Django Unchained?“ Das letzte Mal hatte ich nämlich nicht viel gesehen, warum wohl… ich war nach 10 Minuten nackt. „Kenne ich zwar schon, aber alles habe ich nicht mitbekommen!“ Aha, er also auch nicht, dann gucken wir jetzt 165 Minuten gemeinsam auf den Fernseher.

Jetzt liege ich neben ihm und er schläft, sein Arm umfasst mich und seine Hand hält meine. Schön oder! Nachdem Django alle erschossen hatte und mir schon die Augen zugefallen waren, wurde ich ins Bett getragen und dieses Mal war alles anders, schon hemmungslos und wild, aber irgendwie anders. Er hält mich ganz fest, wirklich genießen kann ich es nicht, denn eigentlich bin ich ein Alleinschläfer und extreme Nähe raubt mir den Schlaf. Meine zwei Versuche mich zu befreien, haben mich nur noch näher an ihn gebracht. Also Augen zu und durch.

„Du bist süß!“ und sein Finger stupst auf meine Nase, Arm in Arm liegen wir in seinem Bett. Irgendwie mag ich das Gefühl neben ihm zu liegen und er immer wieder leicht über meinen Arm streicht, aber es ist Zeit aufzustehen und zu gehen. „Du kannst duschen und ich mache Frühstück.“ Frühstück… das letzte Frühstück, welches ich bei einem Mann hatte, ist Monate her und bestand aus einem labberigen Toast. Als erstes vorm Badezimmerspiegel gibt es den Knutschfleck-Check und dieses Mal sehe ich nicht aus, als wenn ich mit einem Vampir um mein Leben gekämpft hätte. Aua, ich bin also wach und begutachte das Stück Haut, wo ich gerade rein gekniffen habe. Langsam tropft das warme Wasser auf mein Haar, denn er hat sogar Shampoo. Die Tropfen prasseln auf meinen Körper und ich spüre wie von hinten eine Hand zum Duschgel greift. „Ich brauche nicht lang!“ Und, oh, ihr erinnert euch an die Coca Cola Werbung mit dem Bauarbeiter, das ist gar nichts dagegen, was ich hier gerade geboten bekomme. Erwischt! „Hehe, nicht gucken!“ und gibt mir ein Kuss auf die Stirn, so schnell wie er da war, ist er auch wieder weg.

Nachdem ich mich gestern ja schon an seine verborgenen Talente, wie Tisch decken und Kochen, gewöhnen konnte, verschlägt es mir nicht ganz die Sprache. Es gibt Kaffee und Tee, Orangensaft, Brötchen, Aufschnitt, Marmelade, Nutella, Tomaten und Rührei. Das ist schon ein ziemlich intimer Moment, mit jemandem zu frühstücken. Auch lustig, wenn man sich den Körper teilt, sollte das doch einen eher verunsichern, als so ein Frühstück! Eine leichte Beziehungsatmosphäre schlägt mir entgegen. „Hast du heute noch etwas vor?“ „Ich muss nach Hause mich umziehen!“ er lächelt nur. „Wieso?“ „Nur so!“ „Ach so! Und hast du noch etwas vor?“ „Nichts Konkretes, wieso?“ „Nur so!“ „Ach so!“ und wir beide fangen fürchterlich an zu lachen.

Es geht doch nichts über eine sinnvolle Unterhaltung, was die Tagesplanung angeht. Etwas zögerlich „Also, wenn du magst, kannst du auch hier bleiben!“ Hier bleiben! „Ich fahre nach Hause!“ Nachdem Aschenputtel die Mitternachtsgrenze bei weitem überschritten hat, ist es an der Zeit die Party zu verlassen. Er bringt mich zu Tür und dieses Mal verabschiede ich mich richtig und flüstere ihm ins Ohr „Der Kaffee war aber echt gut!“ ein Kuss auf die Wange und ich gehe zum Auto. Kurzer Handycheck, eine Nachricht: „Wo warst du, bei Tabi, jedenfalls nicht, heute abend los?“ Und noch eine Nachricht: „War schön mit dir :)“ Ja, das war es, aber was war das?

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena

Weiter geht es mit: Ein Werwolf zu Mitternacht!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

 

Was kann mir schon geschehn? Glaub‘ mir ich liebe das Leben …

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begleitet mich auf meiner Reise durchs (Single)Leben 😉

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