ACHTUNG: Taschendiebe!

Es ist dunkel, die Läden füllen sich, Menschen strömen von den Straßen in die Clubs, ja, das ist die Hamburger Reeperbahn bei Nacht. Endlich Wochenende, die Stimmung ist vorzüglich, das Wetter eher ungemütlich, weißer Puder bedeckt den Asphalt und es ist bitter kalt. Der Wind weht durch mein blondes Haar, gegenüber von mir stehen meine zwei Freundinnen, wir unterhalten uns, in der Hand, meiner Meinung nach, die beste Pizza von St. Pauli, frisch zubereitet und im Steinofen gebacken, mhm, lecker. Auf dem Hans-Albers-Platz herrscht buntes Treiben, das Partyvolk ist auf der Jagd, nach dem nächsten Bier, fesche Deern oder ‘nen heißen Jung’, amüsiert und ins Gespräch vertieft, viel mehr auf uns konzentriert, verschwimmt die Kulisse der Hamburger Spaßmeile.

Wir haben es Viertel nach zwei und nachdem ich meine Pizza verputzt habe, wird es Zeit meinen Lippenstift nachzuziehen. Ich greife in meine Handtasche und oh Schreck, mein Handy ist weg, ich weiß ganz genau, dass es eben noch da war und durchwühle den Beutel, nein, es ist nicht zu finden. Sofort überkommt mich ein kalter Schauer, das Herz wird schneller, alles wird heraus genommen, nein, es ist wirklich nicht da. Die letzte Hoffnung, der Boden wird akribisch abgesucht, jedoch alle Mühe ist vergebens, der Gedanke, welchen ich bis jetzt in die hinterste Ecke meines Gehirns verdrängt habe, rückt nun wie ein blinkendes Leuchtschild in den Vordergrund: DU WURDEST BEKLAUT!!! Die gute Stimmung nimmt rapide ab und nähert sich mit Vollgas dem Tiefpunkt. Verdammt, alle Nummern, Fotos und weitere gespeicherte Erinnerungen weg. Ja, so hätte sich der Abend wohl abgespielt, wenn ich vorher nicht einige Vormaßnahmen getroffen hätte…

In der Vergangenheit wurde ich in den letzten drei Jahren, drei Mal auf dem Hamburger Kiez beklaut. Gerade als Single, ist man des Öfteren unterwegs und nicht alleine auf der Jagd. Richtig, die Taschendiebe, meist sehr gut organisiert, unscheinbar, lautlos, mischen sie sich unter das Partyvolk und stibitzen mit ihren langen Fingern, aus Mantel-, Hosen-, oder Handtaschen, unbemerkt die Geldbörse oder Handy. Für das Opfer ist das sehr ärgerlich, denn nicht nur das Bargeld ist weg, sondern etliche Behördengänge stehen nun an, um Ausweis, Führerschein und neue Karten zu beantragen.

Beim ersten Mal tat es weh, in einer Tanzbar, im dichtem Gedränge, wurde aus meiner Handtasche, mein kleines Lederpartyportemonnaie entwendet. SCHADEN: 50 € und mein Personalausweis. Seitdem habe ich mein Geld nur noch in der Seitentasche. Zweites Mal tat es nicht so weh, während des Schlagermoves: SCHADEN: Budniregencape für 1 € und mein so gut, wie leerer Chanel Lipgloss. Drittes Mal tat es sehr weh, andere Tanzbar, gleicher Ablauf: SCHADEN: Mein Handy. Anscheinend bin ich das prädestinierte Opfer und erfülle deren Beuteschema, meine Freundin meinte zu mir, ja, es liegt an deiner Schnute… Aha… ich sehe so nett aus, so lieb und unschuldig! Grrr, nein, nicht mehr mit mir und habe es mir von da an zur Aufgabe gemacht, diesen Biestern die Stirn zu bieten.

Wir haben es Viertel nach zwei und die Unterhaltung mit meinen Freundinnen findet ein abruptes Ende, als ich ein Zerren an der rechten Mantelseite verspüre. Mein erster Gedanke, hat sich jemand in meiner Tasche verheddert, wie eine Maus, die ahnungslos in die Falle tappt und starr vor Schreck ist, wenn sie zuschnappt, blicke ich in das vorzeitig gealterte Gesicht einer Frau, viel wichtiger jedoch ist, was sie in ihren Händen hält, mein HANDY! Keiner hat es bemerkt, weder meine Freundinnen, die mir gegenüber standen, noch ich, die ihre Handtasche vorne hatte. Nein, wir waren nicht betrunken. Lautlos, pirschte sie sich zu uns, tarnte sich mit der wartenden Schlange vorm Pizzastand, wartete bis ihr ahnungsloses Opfer (ich), abgelenkt war und drehte langsam die Tasche erst zur Seite, bis sie perfekt positioniert war (auf meinem Rücken) und öffnete den Reißverschluss, um nach etwas Wertvollem zu fischen.

Ihre flinken Finger wurden schnell fündig. Die Wahl traf auf mein neues Handy, welches in einem schwarzen Etui mit goldenen Nieten verwahrt wird, ich hatte mir extra eins mit Band gekauft. Sie griff zu und wollte so schnell verschwinden, wie sie gekommen war, allerdings nahm sie mich gleich mit, denn das Etui, war fest mit einem Ring in dem Reißverschluss meiner Innentasche verankert. Ja, dieses Mal war ich schlauer und richtig sauer, von wegen ich sei lieb, nett und niedlich, diese Seite blieb der Frau verborgen. Nein, zähnefletschend verteidigte ich mein Hab und Gut, worauf sie mit Ausreden in Englisch reagierte, sie beschimpfte mich und natürlich war sie es nicht! Ja, nee, ist klar, wahrscheinlich ist ihr mein Handy in die Hände gesprungen, mehr Beweise gibt es nicht und immer mehr Leute wurden auf uns aufmerksam. Ich war richtig in Rage, allerdings mein damals verfasster Plan, den Dieb niederzustrecken und überführen, schlug fehl, es reichte für ein wütendes “Geh, arbeiten Bitch!”, als meine Freundin mit der Polizei drohte, verschwand die Frau natürlich.

Ärgerlich, ich hätte sie so gerne einem Schutzmann übergeben. Stattdessen musste ich mich mit einer genauen Täterbeschreibung zufrieden geben. Der Polizist rät auch vor Zivilcourage ab, denn man weiß nicht wie der Täter reagiert oder ob er bewaffnet ist.

Mein Plan, mein Hab und Gut zu schützen ist aufgegangen, den Täter zu schnappen überlasse ich den Profis. Leichter wird es für die bei mir nicht werden, denn als Nächstes werden meine Mädels und ich, einen Kaktus in die Handtasche legen, eine von uns wird es schon treffen und dann tut es denen mal weh, wenn ihre langen Finger, in die Taschen greifen.

taschendieb1

Eine kleine Vorsichtsmaßnahme, leider gibt es keine Garantie, aber man sollte es diesen Biestern nicht zu leicht machen 😉 Etui, Portemonnaie mit Band an einem Schlüsselring befestigen und den an einem Reißverschluss in der Innentasche fest machen. Eine Hürde mehr, die es zu überwinden gibt. Am besten gar kein Portemonnaie mitnehmen, das Geld gleich in die Reißverschluss-Innentasche und den Reißverschluss gut zumachen.

Habt ihr auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, wo und was wurde geklaut, ich freue mich über Eure Kommentare 😉

Liebe Grüße Eure Julia 😉

2 Comments

  • Ich wurde zum Glück noch nie bestohlen, weil ich meine Tasche auch immer (also wirklich immer – selbst auf der Tanzfläche oder im betrunken Zustand) festklammere, als gäbe es kein morgen mehr. Man ist dann zwar in seiner Agilität etwas eingeschränkt, dafür moppst aber niemand etwas. Ich gebe allerdings zu, dass deine Variante durchaus praktibler und angenehmer ist. Probier ich mal aus. Und die Handtasche immer mit dem Henkel um den Fuß zwischen die Beine stellen, wenn man sitzt, dann kann nicht so schnell etwas unbemerkt passieren. 😉

    LG, Bine

  • Super Idee und natürlich umso erfreulicher, wenn es auch geklappt hat! Ich wurde, ein Glück!!, noch nie braubt… aber wenn man sich unsicher ist, dann weiß ich jetzt, was ich machen kann!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.