Digitale Männlichkeit!

ACHTUNG: Fortsetzung von Krawall und Remmidemmi!

Heute ist der Abend. Voller Vorfreude sehe ich diesem Tag, seit Mitte der Woche, wo ich rein flirttechnisch gar nichts auf die Reihe bekommen habe, entgegen. Ja, ich weiß, das war wirklich keine Glanzleistung von mir, aber vielleicht sehe ich ihn ja heute wieder. Es ist Samstag, ich habe keinen Auftrag, den ich übers Wochenende bearbeiten muss, Mia ist bei ihrem Daddy und ich erhalte tatkräftige Unterstützung von meinen Mädels, durch die Hamburger Bars zu ziehen und eventuell treffe ich so ganz rein zufällig auf Fabian. Das ist zumindest der Plan.

Irgendwie will heute jeder mit, mein Wohnzimmertisch musste schon der Tanzfläche weichen und man hört die Korken knallen. Das letzte Mal ist unser Mädelsabend ja mehr in eine Selbsthilfegruppe ausgeartet. Ganz besonders Tabi hatte da ihren absoluten Tiefpunkt, nach der damaligen Trennung, erreicht. Dazwischen liegen Welten, heute strahlt sie, wie die Sonne, bewegen tut sie sich mehr wie Kapitän Ahab, von Mobby Dick, denn der gestrige Zusammenstoß mit dem Tisch hat seine Spuren hinterlassen. Marisol zieht sie immer wieder damit auf und wäre nur zu gerne dabei gewesen. Selbstverständlich kann unser Moralapostel es nicht unterlassen, Tabi zwischendurch die Werte: Ehrlichkeit und korrektes Verhalten unter die Nase zu reiben. Mit von der Partie, meine Nachbarsküken, die blonde Elfe Sabrina schüttelt ausgelassen, heute mit rosa Strähnen, ihr Haar zu Pink und Natascha unser Schneewittchen, ganz in schwarz gekleidet, widmet sich mehr der digitalen Unterhaltung mit ihrem Freund, wie immer. „Aua!“ und Tabi kommt in die Küche gehumpelt. „Und du willst heute wirklich mit?“ sie öffnet den Kühlschrank und nimmt sich ein Bier. „Klar, den Schmerz habe ich bald vergessen!“ nippt an der Flasche und humpelt zurück ins Wohnzimmer auf die Couch, wo ich mich noch kurz dazu setze, bevor es endlich losgeht.

„Ich glaube dein Handy hat vibriert.“ Sofort greift Tabi zu ihrem Mobiltelefon. „Erwartest du etwa eine Nachricht, doch nicht immer noch von diesem Typ, der sich nicht mehr meldet?“ bohre ich nach. „Man weiß ja nie!“ Voller Vorfreude öffnet sie WhatsApp und erschrickt, worauf mir ein kurzer aber lauter Schrei entfleucht. Mit großen Augen schaut sie zu mir und dann wieder etwas fassungslos auf ihr Display und wieder zu mir. „Ist das Stephan?“ Entsetzt „Um Himmels willen, das habe ich geklärt!“ „Ok, aber nicht der andere oder?“ Sie schüttelt vehement den Kopf. „Wie noch einen?“ Beschämter Blick zum Display. „Tabi, du bist mir ja eine.“ und versuche mir das Lachen zu verkneifen. Den anderen Mädels ist unser Auswärtsspiel nicht entgangen und versuchen einen Blick auf die Ursache zu werfen, weswegen ich mich gerade so amüsiere, Tabi versucht noch schützend ihre Hände davor zu halten, aber die Neugier der anderen siegt und jeder darf das Bild sehen.

Die Reaktionen sind verschieden, während Marisol die Worte, „Ihhhh“ und „Respektlos!“ gebraucht, kommt aus Nataschas Mund nur ein „Mhm“ und die Feststellung, dass er nicht sonderlich attraktiv, noch antörnend ist, während Sabrina den Nagel auf den Kopf trifft „Was habt ihr denn, das ist doch nur ein Schwanz!“ „Jaaaa!“ alle im Chor und das große „ABER“ bricht aus. Nicht dass wir noch nie einen gesehen hätten, aber unaufgefordert seine „Männlichkeit“ digital via Foto zu versenden hat selten den erwünschten Erfolg von purer Geilheit auf der anderen Seite, wenn das dann noch mit dem Satz wie „Gefällt er dir?“ ergänzt wird, hat das schon den Beigeschmack von fishing for compliments… und hat man das wirklich nötig? „Der ist ja nicht einmal richtig erregt!“ tönt es aus Sabrina und präsentiert uns prompt ihre Sammlung der gesammelten „guten“ Stücke. Zwischen Urlaubsfotos und Alltagsbildern, blicken uns hin und wieder nackte männliche Tatsachen an.

An dieser Stelle, nein, wir gucken uns die nicht lüsternd, sondern mehr amüsierend an, keines dieser Glieder sorgt für ein Zucken in Richtung Süden, aber dafür in unseren Mundwinkeln, also es sollte gut überlegt sein, wem man welche Fotos schickt, denn, nein, wir sind nicht immer diskret und fängt eine erst einmal damit an, hat es eventuell einen Dominoeffekt. „Sagt bloß ihr habt nie solche Bilder bekommen? Fragend blickt Sabrina in die Runde, Marisol versucht teilnahmslos auf den Boden zu starren, sie und Marc sind schon so lange zusammen und beide wissen, dass diese Bilder nie an die Öffentlichkeit geraten werden und heute natürlich auch nicht. „Anni!“ und Tabi zeigt auf mich. „Das ist aber schon Jahre her und das nach dem Aufstehen, auf nüchternen Magen, guten Morgen sag ich dazu nur, aber seitdem auch nie wieder, zum Glück und nein…, das Bild habe ich gelöscht!“ Enttäuschte Blicke. „Ja, das tue ich jetzt auch.“ und das heikle Bildchen wandert direkt in den Papierkorb. „Also dafür bin ich zu alt.“ höre ich sie sagen, wobei der erste Schuh geschnürt wird. Emma Peel mit Jeans, Charme und T-Shirt will los und ich kann es kaum noch erwarten in die Nacht zu starten.

Es geht los, nächste Station Reeperbahn! Massen strömen mit uns aus der Bahn, alle auf dem Weg zu Hamburgs sündiger Meile, amüsierst du dich, denn das findet sich auf der Reeperbahn nachts um halb eins, kurzer Blick auf meine Armbanduhr, oder kurz vor zwölf. Ich lasse mich die Treppe hoch treiben und vorne am Ausgang steht mein Prinz, gekleidet in Jeans und Winterjacke mit Fellkapuze!

Weiter geht es mit: Wenn Frau zum Jäger wird!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

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