Anna-Lena’s Single-Geschichten: Ein Werwolf zu Mitternacht!

Single-Geschichten: Ein Werwolf zu Mitternacht!

Wenn einem das Herz gebrochen wird, dann bleibt es erst einmal für eine Weile stehen, bis man wieder anfängt zu leben! Schneller als Gedacht ist Tabeas Herz wieder auferstanden, nachdem Stefan aufgrund des ewigen hin und her, die Beziehung beendet hatte. Tabi war natürlich am Boden zerstört und verbrachte die letzten Wochen in Trauer. Donnerstag, gestern hat sie sich dazu entschlossen, wieder nach vorne zu sehen. “Sag mal, wer schreibt dir eigentlich die ganze Zeit?” und Tabi wuselt in ihrem Kleiderschrank. “Ach, nur so ein Typ!”, wenn die wüsste, denn ich habe eine Beziehung, eine Sms-Beziehung, die Handys kommunizieren mehr miteinander, als das wir telefonieren oder uns treffen. Morgens, mittags, abends und nachts, schicken wir uns digitale Nachrichten hin und her.

Ich muss dazu sagen, dass ich bis vor kurzem, nicht viel von diesem sinnlosen Buchstabentransfer gehalten habe. Aber jetzt ertappe ich mich dabei morgens als erstes auf mein Handy zu schauen. Eine Nachricht und der Tag fängt super an, tja und wenn nicht, ist man schon leicht verunsichert, bis die erlösende Sms kommt. SCHWACHSINN, sage ich mir dann jedes Mal, ich mache mich sms-abhängig, von ihm, ICH…, unglaublich. Das ist wie ein Junkie der seinen Stoff braucht. “Seht ihr euch auch mal, oder schreibt ihr nur?” “Wir, sehen uns auch!” und lächle zu ihr hoch.

“Hola, die Waldfee, Tabi, was hast du denn heute noch vor?” Wer Tabi kennt, weiß, dass sie am liebsten Jeans mit T-Shirt und Chucks trägt.  “Wow”, heute ist sie eher vampy und trägt ein kurzes, enges schwarzes Kleid, mit Ledereinsätzen an der Seite, ihre blonden langen Haare, hat sie zu einer wallenden Mähne aufgelockert, dagegen sehe ich in meinem kurzen kobaltblauen Tubekleid, richtig fromm aus. “Haben wir heute Abend noch etwas bestimmtes vor? “Ach, ich dachte, eine Typ-Veränderung schadet nicht, außerdem bin ich Single und brauche Ablenkung!”

Aha, sie will sich heute ein Trostpflaster klar machen, damit man die Wunde nicht mehr sieht und an den Schmerz erinnert wird, kommt ein Pflaster drauf. “Na, dann hoffen wir mal, dass das Pflaster sich nicht in dich verliebt und an dir kleben bleiben möchte!” Tabi ist zwar Single, aber ihre Gefühlswelt ähnelt eher der einer Witwe. “Guck mal, wie findest du die?” und hält mir triumphierend ein Paar knallrote Peeptoes hin. Tabi hat alle klassischen Rituale als Neu-Single hinter sich, sie hat sich in einem Fitnessclub angemeldet, neue Frisur, Garderobe und Schuhe – sie erfindet sich gerade völlig neu. “Schick, du hast dich ja richtig in Unkosten gestürzt!”  “Ja, aber ich habe bei weitem nicht so viele Schuhe wie du!”

“Männer sind Jäger und wollen jagen. Frauen sind Sammler und ich will Schuhe!” Anna-Lena

“Das erklärt natürlich einiges Anni” und zwängt sich in ihre neue Errungenschaft. “So, wir können los!” und macht noch einen letzten Spiegel-Check. Im Taxi sind wir beide sehr mit uns selbst, dem Handy beschäftigt, das moderne Zeitalter der digitalen Kommunikation, hat auch endlich mich erreicht, verdammt. “Sag  mal, ist das Stefans Profil auf dem du gerade bist?” Sichtlich ertappt, kappt Tabi vor lauter Schreck die ganze Internetverbindung, ihre lapidare Antwort, sie wäre nur ausversehen darauf gelandet, glaube ich ihr nicht wirklich. Heute geht es ins Moondoo einen Club auf der Reeperbahn, da ich eigentlich eher auf Micki, als Schicki stehe, bin ich hier nicht oft zu Gast und Tabi auch nicht. Aber sie ist der Meinung, dass man hier bessere Männer kennenlernen kann, also die Jagd ist eröffnet.

Wie eine Löwin sucht sie sich erst einmal einen Platz, wo sie am Besten ihre Beute ausspähen kann. Ausgelassen tanzen wir in der Menge, Gruppenkuscheln, Tabi kippt sich einen kurzen Vodka nach den nächsten rein. Oha, na das kann ja lustig werden und auch ich lasse meinen Blick umherschweifen und mir stockt der Atem, was macht Stefan hier, oh, nein, arme Tabi, da will sie sich ablenken und trifft auf ihren Ex. Allerdings sieht sie gar nicht so aus, als wenn es sie schockiert, nein, ihre Mundwinkel ziehen sich sogar nach oben, als wenn sie damit gerechnet hätte. Diese blöde Kuh, von wegen Pflasterphase, sie ist in der Ich-zeige-meinem-Ex-wie-gut-es-mir-ohne-ihn-geht-Phase. Deswegen das Kleid, die Schuhe und arg, bei Facebook konnte sie genau sehen, das er an dieser Veranstaltung teilnimmt. Und ich habe die Ich-gucke-wieder-nach-vorne-Geschichte geglaubt, nee, nee, meine Liebe, dass ist ein akuter Rückfall.

“Anni, alles ok?” Am liebsten würde ich sie jetzt gerne einmal schütteln, unter die kalte Dusche stellen und fragen, what the hell…, stattdessen, nüchtern: “Stefan ist auch hier!”, ihr Gesicht versucht eine Mimik der Überraschung aufzubauen funktioniert nicht wirklich. “Echt, der ist hier, so ein Zufall, aber das ist egal, mir geht es prima.” und prostet mir zu. Ich liebe es mir Lügen anzuhören, besonders wenn ich die Wahrheit kenne, dieses scheinheilige Miststück, aber deine Schmierenkomödie kannst du alleine durchziehen, ohne mich und nippe an meinem Drink. “Anni, ich werde mal eine Runde gehen, kommst du mit?” etwas kühl: “Nee, ich bleibe hier!”

Zum Affen kann sie sich alleine machen und bleibe allein an der Bar. Mir ist das echt zu blöd, hat sie denn gar nichts daraus gelernt, anscheinend nicht und mein Blick dreht erneut genervt die Runde, an dieser Stelle, bemerke ich, dass alle Typen uninteressant sind. Nein!!! Und mein Glas landet auf dem Boden, ich springe auf und bahne mir den Weg, mit schubsen und Ellenbogen, durch die Menge. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, Tabi das Glas welches sonst Richtung Stefan geflogen wäre, aus der Hand zu reißen.

Unsanft ziehe ich sie zur Seite, “Hast du sie noch alle?” und dränge Tabi Richtung Treppe, völlig von Sinnen, wehrt sie sich mit Händen und Füßen, “Ich, bringe ihn um!”, wie ein tollwütiger Hund steht sie vor mir, mit Schaum vorm Mund. Ihre Maske, der Glücklich-Verlassenen bröckelt und zum Vorschein kommt ein, von Hass getriebenes, Biest. “Komm!” und ziehe sie die Treppen hinunter, gar nicht so einfach, denn sie wehrt sich impulsiv dagegen. Ich brauche einen Ort, wo die Außenwelt vor ihr geschützt ist und sie wieder zur Besinnung finden kann!

Es verschlägt uns auf die Damentoilette, ganze drei qm sind jetzt für den Abend unser Aufenthaltsort, ich hatte mir das anders vorgestellt. Tabi, immer noch ein Wüterich, sträubt sich gegen mich und ich habe Schwierigkeiten sie zu bändigen. “Tabea Lenthe, es reicht!” schreie ich sie an und schüttle sie. Sie hat Probleme zu atmen und jault immer wieder Morddrohungen vor sich hin. “Beruhige dich!” mit energischen Ton, “Beruhige dich!” nun etwas ruhiger, “Beruhige dich!” leise und sanft. Ich sehe in ihre Augen und der Hass von eben, ist der unendlichen Traurigkeit gewichen. Ich nehme sie ganz fest in den Arm und ihr Schluchzen hallt in meinen Ohren, “Tabi, Süße, gehts!” und ihr wimmern wird etwas weniger. “Wie kann er nur?” und schaut mich fragend an. Als ich von der Bar aus sah, wie Stefan eine andere Frau küsste, war mir klar, dass das zu einem Eklat führt und Tabis Plan scheitern würde. An dieser Stelle rate ich jedem davon ab, da hinzugehen, wo der Ex sich aufhält, auch wenn man denkt man kommt damit klar, weiß man nicht, wie man reagiert, wenn man ihn sieht.

Herzrasen, unwohles Gefühl in der Magengegend und eine Hitze die einen überkommt, sind Anzeichen, dass man noch nicht soweit ist und schnellstens das Weite suchen sollte. Tja und jetzt sind wir hier. Ich streichle ihren Kopf, “Was hast du dir dabei gedacht, ein wenig sexy mit dem Po wackeln und dann…? Ich kann mich noch gut erinnern, dass du mich einweisen wolltest, aufgrund der Aktion mit Bene, auf die ich im nach hinein nicht stolz bin!”.

Betreten schaut sie auf den Boden und löst sich aus meiner Umarmung, “Ja, ich bin eben verrückt, warum ins Irrenhaus, wenn es zu mir viel kürzer ist!” ich fange an zu lachen, “Oh, man, du bist echt unverbesserlich!”. “Aber mir ging es doch gut, und ich dachte ich bin über ihn hinweg, bis ich ihn mit der anderen sah!” “Weißt du, woran du merkst, dass du über einen Typen hinweg bist! Wenn du ihn nicht mehr bei Facebook stalkst! “Aber, dass er so schnell eine Neue sucht, damit habe ich nicht gerechnet!” und heult wieder auf. “Ach, sie ist doch nur sein Pflaster, mehr nicht, kennst ihn doch, wenn er Kummer hat, will er getröstet werden, dass was du mir heute auch weismachen wolltest, echt und jetzt das!” “Und du meinst sie ist wirklich nur ein Pflaster?” Na, toll und schon tut sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf. Nachdem, die Klofrau nun schon zum dritten Mal angeklopft hat, entschließen wir uns diesen heiligen Ort zu verlassen.

“Hat Stefan eigentlich etwas mitbekommen?” “Du meinst deine Verwandlung vom aufreizenden Vamp zum Wertabi, nee, ich war schneller.” Schweigen. “Als ich ihn mit der anderen sah da…!” Schweigen. “Hat sich irgendetwas total ausgeschaltet, du weißt, dass ich nicht wirklich so bin, nur manchmal, aber ganz selten oder?” “Ach was Mr. Hide, zur Beruhigung du bist mehr Dr. Jekyll, und schwache Momente haben wir alle mal!” und stubse ihr in die Seite. Als wir oben ankommen, als wenn das Schiksal Tabi heute nicht genug getreten hätte, wobei sie ja dazu beigetragen hat, steht Stefan direkt vorm Ausgang und knutscht hemmungslos mit der unbekannten Frau. Sofort merke ich, wie Tabi meine Hand losläßt und direkt auf ihn zu stürmt, verdammt, dieses Mal war sie schneller.

Ich mache die Augen zu, atme tief durch um mich dieser Situation zu stellen. Augen auf und durch, aber Stefan knutscht nach wie vor und von Tabi ist nichts zu sehen. Ich gehe raus und stehe vorm Club, als ich nach rechts sehe, fallen mir knallrote Peeptoes ins Auge. Tabi kauert an der Wand und weint, ich geselle mich zu ihr. “Ich hasse ihn und es tut so weh!” Da ist sie wieder meine Tabi, “Ja, ich weiß, das braucht seine Zeit, da hilft kein Pflaster und erst recht nicht, so tun, als wenn es einem gut gehen würde!” Denn es bringt nichts jemanden etwas vorzuspielen, irgendwann fliegt man auf und dann mal gute Nacht… “Anni, ich will nach Hause, mir reicht es für heute, sonst werde ich wirklich noch verrückt!” Ja, die Liebe ist ein Arschloch, Timing ein Miststück und was ist dann bitte das Schiksal?

“Verrückt ist, wer immer wieder das gleiche tut und ein anderes Resultat erwartet!”

James Robbins (kanadischer Motivationsexperte)

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena

Weiter geht es mit: Inception

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

 

Was kann mir schon geschehn? Glaub‘ mir ich liebe das Leben …

1-facebook-link

begleitet mich auf meiner Reise durchs (Single)Leben

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.