Ex, Adieu = Hallo, neues Leben!

So gut wie jede Trennung hinterlässt ihre Spuren, die mentale Verfassung lädiert, das Herz wegen vorübergehender Renovierungsarbeiten geschlossen, das Selbstbewusstsein angeschlagen und die Fassade etwas mitgenommen, tja, manchmal braucht man einfach einen Neuanstrich, eine schicke Frisur und neue Klamotten im Schrank sind Balsam für die geschundene Seele. Den Schock erst einmal überwunden, das Gefühlschaos beseitigt und den Gedanken „Ich will ihn zurück!“ eliminiert, sind die besten Voraussetzungen für einen Neustart.

Gerade verletzte Gefühle brauchen den Abstand, um wieder nach vorne zu sehen, eher selten ist eine Trennung einvernehmlich und so viele Fragen bleiben offen. Warum, wieso, weshalb, ist eine andere Person im Spiel? Prinzipiell möchte der andere einen nicht weh tun, selten weiß der/die Ex-Partner/in einen Grund dafür, warum man sich trennt, außer “Ich liebe Dich nicht mehr!”. Das tut weh und um das zu verarbeiten ist Abstand dringend nötig. Aus den Augen, aus dem Sinn, ist die Devise, denn je weniger Nahrung man seinem Gehirn gibt, desto seltener denkt man darüber nach. Klar, die ersten Wochen sind am schlimmsten und es fällt einem schwer, den anderen aus dem Kopf zu bekommen. Nach mehreren Übungen und immer wieder neuen Erkenntnissen, bin ich mittlerweile schon ganz gut im Loslassen und weiß was mir gut tut und was nicht. Ich habe mal mein Regelwerk verfasst, welches ich nicht nur nach einem Beziehungsende, sondern auch nach einer Kennlernphase anwende und mir hilft mit jemandem abzuschließen. Also, wie werde ich sie/ihn los, leider nicht in zehn Tagen, das dauert etwas länger!

  • Nicht melden (nicht anrufen, keine SMS, E-Mail oder Nachrichten schreiben) am besten Nummer löschen und zwar überall, damit man nie in einem schwachen Moment (SMS von gestern Nacht!) in Versuchung kommt.
  • Auf die Frage: „Lass uns Freunde bleiben“ antworte ich mit nein, denn es ist ungefähr so, wie “dein Hund ist tot, aber du darfst ihn behalten”. Es hält mich nur auf, nach vorne zu sehen, in den seltensten Fällen sind beide Parteien ohne Gefühle. Auch wenn mir dieser Mensch noch etwas bedeutet und ich ihn nicht wirklich gehen lassen möchte, weiß ich, es ist besser ohne ihn weiterzumachen.
  • Keine Freundschaft bei Facebook, denn unfreiwillig erhalte ich Informationen über ihn. Da kann es dann schon passieren, dass Fotos gepostet werden, die einen so herunterziehen, dass das ganze Gefühlschaos von vorne beginnt. Hier gilt: aus den Augen aus dem Sinn und nichts ist schlimmer, als wenn man merkt, man wurde zuerst als „Freund“ entfernt. Nicht auf seine Seite auf FB gehen, (obwohl er gelöscht ist) und nachsehen, wer „neu“ in seiner Freundschaftsliste ist! Man muss sich ja nicht unnötig quälen… oder! Woran merke ich, dass ich über den Typen hinweg bin, wenn ich nicht mehr sein Profil stalke!
  • Nicht die Orte, Clubs und Bars aufsuchen, wo sich derjenige aufhalten könnte. Auch wenn man denkt man ist darüber hinweg, weiß man nicht, wie man reagiert, wenn man auf denjenigen trifft. Herzrasen, Heiß-Kalt-Gefühl, Unwohlsein im Magen und spätestens der Stich im Herz sind Anzeichen dafür, das ich schleunigst das Weite suchen sollte. Jemanden dabei zu sehen, wie er sich amüsiert und für einen selbst die Welt zusammenbricht, kann einem ganz schön das positive Karma versauen.
  • Aufräumen, denn je länger eine Beziehung hielt, desto mehr sammelt sich an, besonders in der eigenen Wohnung. Es sind oft die kleinen Dinge, die einem sofort Erinnerungen ins Gedächnis rufen. Meine Neuanfangsstimmung wurde mal von einem Kaffeebecher getrübt. Es war sein Becher und dieses Porzelangefäß hatte mir meinen ganzen Tag vermiest, böser Becher und wurde mit all dem anderen Kram in einer Kiste verstaut. Falls einem selbst das Mobilar auf die Seele drückt, einfach ein paar Möbel umstellen und die Deko austauschen, danach fühlt man sich gleich viel wohler.
  • Keine persönliche Übergabe der Sachen, bisher war das immer, als wenn ich den Knopf für den Rücklauf drücken würde und anschließend unfreiwillig wieder von vorne anfangen durfte. Nein, die Sachen werden vor die Tür gestellt, wo er sie zu einer bestimmten Uhrzeit abholen kann und ich stehe auch nicht mehr hinter der Gardine um ihm dabei zuzusehen, dass reißt nur die Wunde wieder auf.
  • Neue Hobbys, da wir ja ohne Partner wieder über ein größeres Zeitkontingent verfügen, nutze ich die mittlerweile effektiv für mich, ich mache Sport, auch mich hat das Zumbafieber gepackt, wem das Tanzen nicht liegt, macht einfach das, was ihm Spaß bringt.
  • Mit Freunden etwas unternehmen, da gibt es viele Varianten, Fußball gucken, Kickern, abends in eine Bar oder Club gehen, Bowlen, Billiard spielen, Spieleabend, gemeinsam kochen oder meine neue Leidenschaft Lasertag, einfach mal etwas Neues ausprobieren.

Auch wenn das Leben sich nicht immer von der Sonnenseite zeigt, ist es schön, denn ich bin dafür verantwortlich, also hatte ich mir mein Singleleben immer ein wenig bunter gestaltet. So eine Sanierung braucht ihre Zeit, das geht nicht von heute auf morgen, es kann Monate oder auch Jahre dauern. Allerdings habe ich festgestellt, je schneller ich jemanden loslasse, desto schneller bin ich wieder frei für eine neue Liebe. Und wenn man dann irgendwann, dem anderen wieder begegnet, keine Gefühle mehr für denjenigen hegt, ist man erstens stolz, dass man es ohne großes Drama überwunden hat und sieht sie/ihn mit ganz anderen Augen.

4 Comments

  • Ich kann mich da Marius nur anschliessen: Auch ich finde deine Vorschläge eher etwas trotzig-pubertär. Aus meiner Erfahrung – hab mit bald 40 immerhin ein paar Trennungen durchlebt – würde ich das Gegenteil empfehlen: Versuch mit dem Ex eine gute Beziehung aufrecht zuerhalten. Hier die Gründe:

    1. Eine Trennung ist immer schwer, egal ob man sich hin und wieder hört oder nicht. Jemand einfach überall zu löschen hilft nicht dabei zu verstehen, wieso etwas falsch gelaufen ist. Es hilft nicht einmal dabei, den Schmerz zu beseitigen. Denn es braucht einfach seine Zeit, um sich von jemandem zu lösen. Wichtig ist lediglich, dass man eine klare Linie fährt. Also nicht trennen, zusammenkommen, trennen und so weiter.

    2. Wenn du mit jemanden etwas aufgebaut hast, ist es doch ganz einfach schade, das alles wegzuwerfen. Ich treffe mich alle ein bisschen zwei Jahre mit meiner ersten Freundin – wir trennten uns 1999. Wenn wir zusammen etwas trinken, dann ist das eine unglaublich schöne Vertrautheit. Mir mögen uns. Trotzdem ist klar, dass wir nie wieder zusammenkommen werden – und wir wollen das beide auch nicht mehr.

    3. Indem du jemanden aus deinem Leben verbannst, baust du dir ein unrealstisches und verklärtes Bild der anderen Person auf. Wenn du dies hin und wieder mit der Realität vergleichen kannst, fällt es dir viel leichter eine vernünftige Distanz zur Person zu gewinnen. Nach der Trennung mit meiner ersten richtigen Freundin habe ich sie 2 Jahre nicht mehr gesehen. Wirklich über sie hinweg gekommen bin ich erst, als wir uns wieder zu sehen begannen. Ganz einfach, weil ich merkte, dass sie eben doch nicht so perfekt war, wie ich sie mir im Trennungsschmerz vorgestellt habe.

  • Puuuh – sorry, aber das ist ja wohl eher die Vogel-Strauß-Taktik für Amateure. Mit einer vernünftien Bewältigung hat das eher nichts zu tun und wirkt auf mich vor allem trotzig-pubertär. Wenn du tatsächlich “immer” so verfährst, bin ich fast geneigt, Mitleid mit dir zu haben.

    • Ich finde Kritik immer sehr erfrischend und regt mich zum Nachdenken an. Ich vertrete nach wie vor meine Meinung. Eine Trennung passiert ja nicht von heute auf morgen, es herrscht Gesprächsbedarf ohne Frage, es wird geredet, diskutiert und der Hormoncocktail macht es einem ganz schön schwierig realistisch zu bleiben. Oft möchte man die Tatsachen nicht wahr haben und benötigt etwas Zeit für sich, um das zu verstehen und zu akzeptieren. Wenn ich mich zurück ziehe, Abstand davon haben möchte und Sachen mache, die mir Spaß bringen, um mich wieder aufzubauen, wo ist das trotzig und ein pupertärendes Verhalten? Es ging in diesem Beitrag darum, dem Ex nicht so viel Raum zu geben, aber nicht darum eine Beziehung zu verarbeiten, das ist ein schleichender Prozeß und bekanntlich heilt Zeit alle Wunden.

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