Anna-Lena’s Single-Geschichten: Game over!

„Guten Morgen Schatz“, „Oh, bitte Till, lass das!“ „Schlecht geschlafen?“ „Mhm!“ „Tja, die Schnapsdrossel lebt eben gefährlich, wenn sie am Morgen mit einem Kater aufwacht, rrraw!“ zack, zieht er mir die Decke weg. „Süßer Arsch!“ und seine Handfläche landet auf meiner rechten blanken Pobacke. „Aua!“ und ziehe mir die Decke zurück, um mich vor dem perfiden Sonnenlicht zu schützen. „Ich gehe duschen, du… ja… ok, du bleibst liegen, kannst aber gerne Brötchen beim Bäcker holen!“ wortlos zeigt nur mein rechter Mittelfinger zur Tür. „Ok, keine Brötchen“ und verschwindet im Badezimmer. Das Plätschern nebenan prasselt wie tausend Nadelstiche in meinen Ohren, jeder einzelne Tropfen piekst sich durch meinen Kopf, nieeeee wieder Alkohol! Wie ich feststelle beherrschen ganz genau drei Gedanken meine morgendliche versiffte Katerstimmung: Dennis (Adonis), Jonas und Alex, wobei letztere nicht dem männlichen Geschlecht angehört, einem dennoch ganz schön Kopfzerbrechen bereiten kann. Heute Morgen ist es mir erfolgreich gelungen mich einfach in Luft aufzulösen, mein Handy war allerdings weiterhin erreichbar und ich traue mich nicht wirklich, die Konfrontation mit meinem Display aufzunehmen. Einfach abzuhauen ist nämlich nicht die feine englische Art und hinterlässt viele Fragen, die digital geklärt werden möchten.

„Oho, die Königin der Nacht hat sich erhoben!“ Mit seinen 1,83 und eher sportlichem Körperbau kommt Till zurück ins Zimmer, sein eher bubenhaftes Gesicht, wo viele Frauen denken, der kann einem ja gar nichts Böses, seine kurzen dunkelblonden Haare sind durch die Reibung des Handtuchs ziemlich aufgeplustert. Ein nackter Mann am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, leider gehört Till nicht dazu, da wir sexuell in keinerlei Kontakt stehen und er mich auch nicht wirklich antörnt, ich meine, er ist wie ein großer Bruder, wenn ich mit ihm schlafen wollen würde, wäre das für mich gefühlter Inzest. Er hätte damit keine Probleme, da ich der weiblichen humanen Spezies angehöre und wir nicht verwandt sind. „Oh, Till, ziehe dir bitte was an!“ und versinke vor Scham wieder unter der Decke, was ein sehr großer Fehler ist. Denn anstatt seinem Körper etwas Textil hinzuzufügen, steht er nun direkt neben mir und provoziert mich mit seinem morgendlichen Glockenspiel „Ding, Dong, Ding, Dong Zeit zum Aufstehen!“ ich vernehme das Hin-und-Her-Klatschen seiner Männlichkeit an seinen Oberschenkeln, welches mein Hirn natürlich sofort visualisiert, danke für diese Bilder!

„Oh Gott, wie siehst du denn aus?“ Welch nette Begrüßung am Esstisch, aber er hat recht, meine Denim-Jeans-Röhre benötigt ganz dringend eine Reinigung. „Oh, das ist eine lange Geschichte!“ er ist mit seinem Handy beschäftigt. „Ich höre!“ „Die dreckige Hose entstand durch eine lebensrettende Maßnahme eines älteren Herren, damit ich nicht von einem Taxi überfahren werde und für Kopfschmerzen sorgen Dennis und Jonas.“ Er blickt kurz hoch „Oh, aber du lebst noch!“ grinst und widmet sich wieder seinem Iphone. „Jonas, wer ist denn nun schon wieder Jonas?“ „Kein neuer, der alte.“ Ich erhalte nun ganze zehn Prozent mehr Aufmerksamkeit von ihm. „Oh, er ist wieder da und redet noch mit dir? Ich lasse mich auf einem Stuhl nieder, Hunger habe ich nicht wirklich, im Gegenteil, mein Magen zieht sich schon bei dem Gedanken zusammen, ich ziehe es vor die Nahrung langsam wieder aufzubauen, es lebe der Kamillentee. „Ja, nächste Woche ist er wieder weg!“ „Ahh!“ Nachdem ich ihm die Kurzversion der gestrigen Nacht erzählt habe, flaut sein Interesse vollkommen ab. Früher war es die Sonntagszeitung, heute ist es das Handy, weswegen menschliche Konversationen am Frühstückstisch auf der Strecke bleiben. Dann fange ich mal an, meinen Posteingang zu erkunden und mich bei jedem für meinen plötzlichen Abgang zu entschuldigen. Wenn ich erzählt hätte, dass Alex der Grund für mein eventuell frühzeitiges Ableben war, hätte ich wohl die hundert Prozent seiner Aufmerksamkeit, ich hasse es zu petzen.

Die Stille ist für mich ungewöhnlich, vielleicht schicke ich ihm einfach eine Nachricht, gesagt getan „Und was hast du gestern gemacht?“ versendet. Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten, nachdem er sie gelesen hat, schüttelt er den Kopf und lacht. „Ok, du willst reden, na gut, ich war mit ‘nem Kollegen aus Berlin unterwegs.“ „Hattest du nicht geschrieben, du seist mit Alex verabredet?“ er ist ein wenig irritiert. „Ja, aber ich habe sie gefragt ob es ok wäre, wenn ich mich mit meinem Kollegen treffe, aber ist doch egal, sie meinte passt schon!“ Wenn er wüsste, dass es eben nicht egal ist. „Oh, Till, wie lange kennst du mich, gerade du müsstest es wissen, dass wenn eine Frau „ist egal“ oder „passt schon“ sagt, dann hast du es richtig verbockt!“ „Ich glaube nicht, dass sie so denkt wie du!“ Tut sie, nur er weiß es nicht und jetzt wird mir auch so einiges klar. „Seit über einem halben Jahr läuft das jetzt mit euch, ich weiß nicht wie oft du andere Sachen ihr vorgezogen hast, ich habe irgendwann aufgehört zu zählen!“ „Anna-Lena du übertreibst, Alex ist da voll cool.“ Ja, so COOL, dass sie wahrscheinlich gerade einen anderen in ihrem Bett hat.

Vorhin war ich noch schockiert, nun, unter den neuen Aspekten kommt sogar Verständnis auf, vielleicht sollte ich es doch für mich behalten. Vor zwei Monaten war ich mir ziemlich sicher, nachdem die „taffe Alex“ zur „verzweifelten Alex“ mutiert war und die Spiele begonnen hatten, dass sie „Game over“ geht. Meine damalige Sms hat sie sich zwar zu Herzen genommen und den kompletten Rückzug gestartet, worauf Till sich plötzlich für sie entschied und sogar monogam wurde. Nur ließ sie sich wieder auf ihn ein. Die indirekte Eroberung seines Herzens ging in die zweite Runde.

„Seid ihr jetzt zusammen?“ Wow, diese Frage stelle ich Till zum ersten Mal, im Gegensatz zu meinen Mädels. „Wie kommst du darauf?“ „Ja, es ist völlig absurd nach einem halben Jahr zu denken es könnte etwas Ernsteres sein, wie komme ich nur auf die Idee! Sie hat nie irgendetwas gesagt?“ ich vermag ein gewisses Nachdenken anhand seiner Mimik zu erkennen. „Nein!“ und untermauert seine Aussage mit seinem Kopfschütteln. Oh, das kommt mir so bekannt vor, sie haben nie darüber gesprochen, also sind sie auch nicht zusammen, wer macht so etwas mit… ha, da kenne ich noch mehr, einschließlich mich vor einem halben Jahr, wo ich dachte es könnte etwas Festes werden, nach drei Monaten, ich Narr! „Sie meinte vor einer Woche, dass sie mich lieb hat!“ hat er sich gerade bei dem Wort „lieb“ auf die Lippe gebissen! „Ohh, und wie hast du reagiert?“

Ich ahne schon, dass er ihr höchstwahrscheinlich nicht die erwünschte Reaktion entgegengebracht hatte, die man auf so eine Entblößung seiner Gefühle hören würde. Er beißt sich wieder auf die Lippe, „Nichts und habe weiter den Film gesehen.“ Nicht sein Ernst. „Du hast sie ignoriert, oh Till, das machst du jedes Mal, sie schenkt dir ihr Herz und weil es für dich viel, viel zu heiß ist und dir nichts anderes einfällt, legst du es auf Eis, das tut weh! Ich möchte gar nicht wissen wie viele Herzen da jetzt lagern!“ Arme Alex, ich weiß genau wie sie sich gefühlt hatte, ich kann nichts dafür und würde manchmal so gerne wie Till denken, aber nein, bei mir kommen immer diese Gefühle dazwischen und wenn es anfängt weh zu tun oder es einem mehr schlecht als gut dabei geht, sollte man gehen, dann ist es nicht richtig für einen, zumindest fühlt es sich nicht so an. „Anni, wo hast du das denn schon wieder her, Herz auf Eis gelegt… du weißt das ich sie mag.“ „Ja, ich weiß das, aber sie nicht, wovor hast du Angst?“ „Ich habe doch keine Angst, außerdem weiß sie es auch, sonst würde ich mich ja wohl kaum mit ihr treffen.“ Ich glaube nicht, dass sie auch nur einen Hauch von Ahnung hat, hin und wieder versetzt er sie oder hat gar keine Zeit, wenn sie sich sehen, haben sie immer Sex, welches sich dann mehr wie eine Affäre anfühlt und mit seiner letzten Aktion hat er ihr mal wieder das Gefühl gegeben, dass alles andere wichtiger ist, ein Sack Reis, der in China umfällt, hätte noch mehr Priorität. Ich kenne das Gefühl, wenn man weiß, man ist nicht die Richtige und man hofft dennoch, dass man sich irrt, aber irgendwann ist es genug.

„Anni während du hier mal wieder so moralapostelst, was ist denn mit dir, ich finde Dennis und Jonas hören sich nicht gerade danach an, dass du fair spielst, wenn wir nach deinen Wertvorstellungen gehen! Und sage jetzt nicht, bei dir ist es etwas anderes!“ – und beißt demonstrativ in sein Stück Pizza vom Vortag. Kleverer Schachzug von ihm auf mich zu lenken, ich nippe an meinem Tee und finde schon, dass meine Situation nicht zu dem steht, in der er sich gerade befindet. „Ich hatte nichts mit Jonas!“ „Noch nicht, aber du würdest gerne, sonst hättest du das gestern ja wohl kaum gemacht!“ sehr selbstgefällig lehnt er sich in den Stuhl zurück, nimmt seinen Kaffeebecher und lächelt mir ins Gesicht. Ein großer Nachteil an besten Freunden, sie kennen dich besser, als du dich selbst. „Ich mag sie beide!” Es ist toll mit Dennis, ich muss mir überhaupt gar keine Gedanken machen, die Liebe leichter Flügel tragen mich und es ist schön, zur Abwechslung mal kein: „mag er mich oder mag er mich nicht Spiel“ zu spielen. Er gibt mir das Gefühl, dass er sich freut mich zu sehen und diese Zeit gerne mit mir verbringt, genau so soll es sein. Ich habe genau das was ich immer wollte, aber wieso fühlt es sich nicht so an.

„Es ist kompliziert!“ „Hahaha und das aus deinem Mund, vor über einem Jahr hattest du das schon einmal, aber lass mich raten, das war natürlich etwas anderes!“ Von sich selbst bestätigt, schenkt er sich ein Glas Wasser ein und spielt wieder mit seinem Iphone, seine Mimik wirkt auf einmal gar nicht mehr entspannt, er starrt auf sein Display und mit einer lapidaren Handbewegung landet es auf dem Tisch. Ich habe Schwierigkeiten seine Reaktion einzuordnen. „Till, was ist los?“ keine Antwort… er schweigt weiterhin und presst seine Lippen zusammen. „Till?“ er steht auf und räumt den Tisch ab. Währenddessen erwähnt er nebenbei: „Alex hat gerade mit mir Schluss gemacht!“ „Oh!“ mit einem Stoppzeichen wiegelt er ab „Ich will nicht darüber reden!“, dann hat sich mein Problem als Petze von selbst erledigt, denn ich möchte ungern noch Salz in die Wunde streuen. Till wirkt wirklich niedergeschlagen, wortlos räumt er die Küche auf, es hat ihn getroffen, manchmal merkt man Amor erst, wenn es weh tut. Wie heißt es so schön: „Kümmere dich um das Mädchen das du magst, bevor es ein anderer tut! Und sollte es irgendwann so sein, dann nenne sie nicht “Schlampe” weil sie jemanden neuen gefunden hat , sondern dich “Idiot” weil du es zugelassen hast!“ Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage aber Game: Till & Alex = Till Game over!!!

Bis zum nächsten Mal, Eure Anna-Lena 🙂

weiter geht es mit Spieglein, Spieglein …

Für alle neuen Leser: Ein halbes Jahr ging das jetzt, wie alles mit Till und Alex begann, könnt ihr hier lesen:

Obstsalat – Quantitat statt Quallität!

You wanna play a Game?

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

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