Girls just want to have fun!

So, es ist amtlich, ich bin von allen Männern verlassen, gut mit dem einen habe ich es beendet, den anderen habe ich ziehen lassen ohne mich bei ihm zu melden. Derzeitiger Stand, kein Mann am Start, hormonfrei und nichts in Sichtweite, ich würde mich glatt als Supersingle bezeichnen. Der dritte im Bunde, mein bester Freund Till, er ist sauer und ich habe zwar auf sämtlichen digitalen, wie auch postalen Wegen Abbitte geleistet, aber er ignoriert mich seit ein paar Wochen, mehr Initiative von mir führt womöglich zu einer “Einstweiligen Verfügung” gegen mich, also wirklich gar kein Mann.

Ehrlich gesagt bekommt mir die testosteronfreie Phase ganz gut, ich habe Zeit für mich, keine Dates wo ich mir irgendwelche Gedanken mache, oder Geschichten die mir den Kopf zerbrechen, Anrufe und Nachrichten die ich nicht machen muss oder auf die man wartet, ich habe nicht einmal etwas zu verarbeiten, perfekt, denn bald ist Weihnachten und damit habe ich schon genug zu tun. Auch wenn mich die besinnliche Zeit ganz schön stresst, liebe ich diesen Weihnachtszauber, überall die bunten Lichter, kleine glitzernde Engel in den Fenstern, Kerzenschein, Christmassongs, Adventsgestecke und der Duft von gebackenen Plätzchen, der einem in die Nase steigt, herjeh, die Kekse und eile in die Küche. In meinen Gedanken hätte ich die fast vergessen und gleich kommen die Mädels. Mein Zeitmanagement lässt mal wieder zu wünschen übrig, denn mit Jogger und Lieblingsstrickpulli entspreche ich nicht meinem sonst üblichen Styling für einen Samstagabend , wenn ich auf Freunde treffe. Ja, natürlich macht man das ja nur für sich selbst, nee, is klar. Aber ich habe noch 6 Minuten und wenn deren Timing genau so mies ist wie meines, dann wären es mindestens 36 Minuten. Also schnell zum Schrank… und nein, gleich zur Tür, pünktlicher als die Maurer, verdammt.

Die ersten sind meine Mädchen von nebenan, Natascha und Sabrina, mit ihren 22 und 23 Jahren, sind es die Küken in unserem Kreise und noch ziemlich grün, wobei Sabrina es eher faustdick hinter den Ohren hat. Wirken tut sie zwar wie eine kleine Elfe und ihre zierliche Figur erweckt den Anschein, dass sich dahinter eine ebenso zarte Person verbirgt, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen, zudem ist sie sehr experimentierfreudig, besonders was ihre Haare angeht, heute im Angebot blond mit seichten grünen Strähnen. Natascha hingegen ist unser Schneewittchen, inklusive Prinz, schwarzes langes Haar, blaue Augen und bevorzugt den Rockabilly-Style. Heute allerdings wie ich im Wohlfühl-Outfit und Puschen. Sabrina ist die erste die mir in die Arme springt „Ist Mia da?“ ich deute ans Ende des Flurs, wo sich das Zimmer meiner Mitbewohnerin befindet. „Ja, könnt kurz „Hallo“ sagen, ihre Freundin ist da und die beiden möchten lieber für sich sein.“

Zehn Minuten später treffen Tabi und Marisol ein, als ich die Tür öffne, kommt mir sofort ein missmutiger Stylecheck entgegen „Wie siehst du denn aus?“ Tabi hat sich im Gegensatz zu den anderen nämlich fein heraus geputzt und entspricht mit ihrem schwarzen Paillettenkleid und den roten Highheels nicht unserem heutigen Dress-Code. „Wieso, Marisol trägt auch nur eine Baumwoll Leggins und einen Schlabberpulli!“ entgegne ich ihr lapidar. Natürlich ist sie nicht um eine Ausrede verlegen „Sie ist ja auch verheiratet, da ist das egal, aber wir sind Singles, man weiß ja nie, wer noch kommt!“ Ah, bereit zu jeder Zeit, denn ich möchte mal kurz anmerken, dass meine hochgewachsene, derzeit blondierte Zaubermaus, in der letzten Beziehung eher casual unterwegs war und davor auch, seitdem ich sie kenne, waren Jeans und T-Shirt ihr täglicher Begleiter. Erst seit der letzten Trennung hat sie eine Typänderung vorgenommen und macht jetzt auf perfekt zurechtgemacht, was eigentlich mehr meinem Metier zuzuordnen war. „Tabi, noch nie etwas vom Casual-Saturday gehört?“ damit sie mir nicht den ganzen Boden zerkratzt, stelle ich ihr ein paar Puschen hin, in die sie missmutig hinein schlüpft.

Ich liebe den Mädelsabend, auch wenn einige der Meinung sind, dass sich lediglich ein Haufen Hühner zusammenfindet und nichts anderes macht als den ganzen Abend zu gackern, über verschiedene Hähne abzulästern und dabei sich mit Sekt zuzukippen! Ja, ungefähr so wird der Abend bei uns heute aussehen. Sicherlich gibt es auch Runden, wo Frauen sich über politische, ethische und allgemeinwissende Themen austauschen, bei uns hat jedoch der Nonsens seinen Vortritt. Genervt von der Arbeit, seinem Chef oder Kollegen, Mann, Freund, Ex-Partner, vielleicht auch den Typ, den man gerade kennenlernt, Kind, Rentner, die am Samstag einkaufen oder kurz vor acht ihren mit ihrem Wocheneinkauf die Kasse blockieren, Nachbarn die zu laut oder sich über die Lautstärke beschweren, der beste Freund der einen mit Ignorieren bestraft, Lehrer, die einen mal wieder in die Schule zitieren und den Weihnachtsstress, der einen seit drei Wochen verfolgt, es gibt so viele Sachen die einem tagtäglich widerfahren und einem das Leben nicht leichter machen. Unsere Mädelsabende ähneln der „Wochenshow“, ein humoristischer, hin und wieder auch sarkastischer Rückblick der vergangenen Wochen, Lösungsvorschläge von jemand der genauso planlos ist, solange es einen persönlich betrifft, aber zu einem wahren Psychologen mutiert, wenn man unbefangen ist. Unsere Treffen dienen nur einen Zweck: „Girls just want to have fun“! Laute Musik und die Wii sorgen dafür, dass wir nicht an einem Gruppentisch enden und in Bewegung bleiben, dieses Mal habe ich Präventionen getroffen und alles was zerbrechen kann entfernt, es fliegen zwar keine wirklichen Bowlingkugeln im Zimmer umher, aber dafür Fernbedienungen und viel schlimmer meine Mädels, die haben einen viel größeren Zerstörungsfaktor, besonders unter Einfluss von Glühwein und selbst gemachtem Apfel-Punsch, als so eine kleine nüchterne Kugel!

Die Stimmung ist vorzüglich, ausgelassen werden die imaginären Bälle in den Fernseher geschmettert, Marisol ist besonders aggressiv dabei, Stress an der Ehefront, Tabi dekoriert meine Wohnung mit ihren Pailletten und wirkt im Zusammenspiel mit meiner LED-Beleuchtung, wie eine überdemensionale Discokugel, Sabrina sammelt gerade die Blätter von meinem Weihnachtststern zusammen, der hat nach ihrem Schlag nämlich einen Total-Striptease hingelegt und ist nun weniger bekleidet als Adam und Eva, Natascha ist mehr mit WhatsApp und ihrem Prinzen beschäftigt und ich habe gerade für Punschnachschub gesorgt und setze mich zu Tabi auf die Couch. „Na, was los, alles gut?“ Wortlos zeigt sie mir eine Nachricht auf ihrem Display. „Oh, ich wusste gar nicht, dass du wieder aktiv bist!“ Etwas mürrisch: „Bin ich auch nicht.“

Achtung dieser Bereich ist nicht FSK Männer, falls Sie ein Mann sind, sollten sie nicht weiterlesen, Frauen sind eigentlich Engel, aber bricht man ihnen die Flügel, fliegen sie trotzdem weiter – auf einem Besen!!! Denn wir sind ja flexibel 🙂 Das ist wieder so typisch Mann, denken immer nur an Sex…!“ und Tabi wirft ihr Handy auf den Tisch. Marisol mischt sich dazu „Es ist Unsinn, dass Männer immer nur an Sex denken. Nur  wenn  sie denken, denken sie an Sex. Und manchmal habe ich das Gefühl sie denken nie, besonders meiner!“ Oh, oh der Glühwein und Punsch lassen nun jeden Gedanken ans Licht rücken, allen voran Tabi. „Ehrlich, die gehen mir so auf den Sack, immer das gleiche, am Anfang tragen sie einen auf Händen und zack, lassen sie dich fallen und begatten schon eine andere.“ und nimmt noch einen großen Schluck nach. „Männer sind Schweine, primitiv, aber glücklich.“ Natascha schüttelt ernergisch den Kopf, „Nein, nicht alle sind so, mein Freund ist ganz anders, er würde mir nie mit Absicht weh tun, dass hat er auch so zu mir gesagt!“ und der Glanz in ihren Augen erhellt den Raum, sie ist total verliebt und nur der bloße Gedanke an ihn, lässt sie leuchten, schön.

„Schätzchen, du hast keine Ahnung von der Liebe mit deinen 22 Jahren, jetzt ist er noch so, aber irgendwann, betrügt er dich mit einer anderen!“ „Tabi!“ und ich gucke mit ernster Miene zu ihr. „Zerstöre doch nicht ihre Träume!“ und lächle zu Natascha. „Du sagst es Anni, es sind Träume und irgendwann ist man in der Realität und da gibt es nicht nur eine Prinzessin.“ Toll da habe ich ihr ja eine super Vorlage geliefert, die sie nur noch einlochen musste. „Und was ist mit Marisol, die hat ihre Jugendliebe nach zehn Jahren geheiratet und ist glücklich, also Natascha es geht auch anders!“ Ha, Treffer für mich. Marisol stöhnt „Glücklich… wenn man so lange mit ein und derselben Person zusammen ist, dann gibt es auch Phasen, wo man den anderen einfach nur hasst und er einem nur noch auf die Nerven geht!“ und schnürt meinem Kissen die Luft ab. Danke Marisol für deinen positiven Beitrag. Natascha holt sofort zur Verteidigung aus, aber Schneewittchen hat keine Chance mit ihrem Prinzen und ihrer derzeitigen Märchenwelt gegen die Hexen und ihren Blitzen, die sie immer wieder abfeuern. Also nüchtern betrachtet, kann ich beide Seiten verstehe, die Liebe leichter Flügel trugen mich, dieser Zustand ist der Wahnsinn, besonders wenn es die erste große Liebe ist, alles ist so frisch, neu, toll und man denkt dieser Zustand würde ewig anhalten. Ich gebe zu, ich belächle auch sehr gern 20-jährige, die der Meinung sind ihre Beziehung würde ewig halten, damals habe ich auch noch so gedacht. Sofort ist man der Meinung, die haben von der Liebe ja überhaupt keine Ahnung, ehrlich gesagt erfahren sie gerade mehr davon als ich, sie haben nämlich das große Glück, noch keine große Enttäuschung erlebt zu haben, jeder Schmerz heftet sich wie ein Stein an einen und davon beladen, fällt es schwer die Leichtigkeit beizubehalten.

Mittlerweile verwandelt sich unser feucht fröhlicher Mädelsabend in eine Selbsthilfegruppe, Natascha versucht den „Blitzen“ von Tabi und Marisol auszuweichen und kontert mit „Sonnenschein“, Sabrina beobachtet das Ganze und macht sich über meine Zimtsterne her. „Die sind super!“ und wertet sie mit einem Schuss Glühwein auf. Marisol kann sich kaum noch auf den Beinen halten, der Punsch fordert seinen Tribut.

Es klingelt an der Tür und Marc, Marisols derzeit verhasster Ehemann steht vor der Tür. „Hey Anni, wo ist Mari, ich soll sie abholen, wenn ich die Nachricht richtig gedeutet habe.“ Marisol kommt torkelnd in den Flur „Ahhh, da ist er ja, du Schuft, Ungeheuer, Bösewicht, der überall seine Sachen herumliegen lässt, nie das Geschirr in die Spülmaschine tut, sondern immer in die Spüle, aber es gehört in die SPÜHLMASCHINE, mein Schuh, wo… ah… da!“ Er lächelt „Kann ich dir helfen?“ seine tiefe Stimme dröhnt durch den Flur. „Nein, ich helfe mir selber!“ etwas bestimmend. In diesem Zustand die Balance auf nur einem Bein zu halten, unmöglich und Marisol kippt hüpfend, auf einem Bein zur Seite weg, Marc versucht sie noch zu halten, wird aber von der Erdanziehungskraft zu Boden gerissen. Beide liegen lachend auf dem Boden, Marc ist schwer damit beschäftigt seiner betrunkenen Ehefrau hoch zu helfen, es benötigt mehrere Anläufe und dabei verliert sie immer wieder lachend das Gleichgewicht, jetzt steht sie „Danke” umarmt ihn und versucht ihren bösen Blick aufzusetzen,

Im Wohnzimmer treffe ich auf Tabi, die vorm Fernseher sitzt und heult. „Was ist passiert?“ Ein wenig Mascara verschmiert ihr Gesicht. „Das ist so traurig!“ und deutet auf meinen TV wo gerade ein Werbespot läuft. Sie schluchzt „Es ist Weihnachten, seine Familie ist zu Hause und er auf dem Schiff und sie sehen sich nur übers Handyyyyyyy… Er hat eine Familie und kann sie nicht sehen, buhhhhhhhh, es ist Weihnachten, schluchz!“ „Tabi, es ist nur ein TV-Spot!“ „Ja, aber der ist traurig und ich habe es so satt, immer wieder von vorne anzufangen, mich zu verlieben und dann tut es einfach nur noch weh und es hört nicht auf, ich habe wirklich keine Lust mehr, ich bin es leid, echt es kotzt mich nur noch an!“ Arme Tabi, sie ist noch nicht darüber hinweg. „Die Trennung ist doch erst ein paar Monate her, du brauchst noch Zeit um das zu verarbeiten, aber es kommen auch wieder bessere Tage.“ Ganz blöder Spruch, aber es ist die Wahrheit. „Anni, ich glaube ich bin schwanger, in letzter Zeit heule ich ohne Grund, esse die ganze Zeit Süßes, das sind doch Sympthome dafür oder?“ Ich hoffe mal nicht, denn sie ist voll wie zehn Russen! „Kann das denn überhaupt sein?“ Sie überlegt kurz. „Nee, eigentlich nicht!“ Ich drehe mich zu ihr hin, „Tabi du bist nicht schwanger, du bist traurig!“ und nehme sie in den Arm.

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena 😉

Weiter geht es mit: O du fröhliche, mit einer schrecklich netten Familie!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

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