Anna-Lena’s Single-Geschichten: Inception!

Single-Geschichten: Inception!

Single-Geschichten: Inception! Als erstes eine erfreuliche Nachricht, Tabi hat beschlossen ihren Liebeskummer am besten wie einen Diamanten zu tragen, nämlich mit Fassung. Nicht nur, dass sie selbst der Meinung ist, zur Zeit eher eine Zumutung als eine Bereicherung für das andere Geschlecht zu sein, ist sie zu dem Entschluss gekommen, erst einmal nur für sich da zu sein. Nein, ich habe sie keiner Gehirnwäsche unterzogen, da ist sie von ganz alleine darauf gekommen, wirklich!

Und jetzt stehe ich hier mit einer mir noch unbekannten Person, die meine Tabi sein soll. Sie trägt mittlerweile einen kurzen blonden Bob, wo die Haare vorne etwas länger sind und der Pony fast in die Augen fällt. Wer sich daran erinnert, ihre Haare waren lang, ein etwas dunklerer Blondton, weit über die Schultern und aalglatt. Ehrlich gesagt muss ich mich an den Anblick erst einmal gewöhnen. Spitzen schneiden war ihr wohl nicht genug Veränderung, welches sie zu diesem Radikalschlag führte. Das schwarze enge Lederkleid vom letzten Mal, war nur der Anfang einer völlig neuen Garderobe, denn heute glänzt sie in einem roten Kleid a la Femme Fatale. Aber bei Salsa muss man auch nicht hochgeschlossen sein, wobei ich mein Outfit: graue Röhrenjeans und schwarzes Print-Shirt jetzt etwas zu casual, schon fast bieder empfinde. Während wir viel zu früh und noch an der Bar sitzen, kommen immer mehr Teilnehmer herein. „Sage mir jetzt nicht, wir sind hier auf Männerfang?“ und nippe an meiner Cola. „Nö, wieso, wir sind hier, um zu tanzen oder bist du auf der Suche?“ Wenn die wüsste… „Tabi, ich suche doch nicht!“ völlig entrüstet. Ich weiß nicht, aber irgendwie guckt sie mich so komisch an. Sie lehnt sich an die Bar zurück, schlägt die Beine übereinander und sagt etwas schnippisch: „Hätte mich jetzt auch gewundert, denn so ein 20-Jähriger sollte einen ja ganz schön ausfüllen!“ und schaut mir über das Glas hinweg direkt in die Augen. Sofort fährt ein Ruck durch meinen Körper und ich versuche ihrem Blick auszuweichen, sie weiß es!

„Du dachtest doch nicht wirklich im Ernst, dass du es vor uns geheim halten könntest, tse, tse!“ mit einer leichten Überheblichkeit schüttelt sie ihren Kopf. „Uns?“ Und ich gehe sofort meine kleine Liste durch. „Till und mir, mittlerweile auch Marisol!“ Na, toll, mein Techtelmechtel mit Adonis ist aufgeflogen, ein Geheimagent wird sicherlich nicht mehr aus mir. „Woher weißt du das?“ „Ach, komm Anni die Quelle sollte dir doch bekannt sein!“ Der einzige, der es wissen kann, ist… „Adonis!!! Till!!!“ „Ja, die beiden verstehen sich!“ So, wie ich Till kenne, wird Dennis denen das nicht ganz freiwillig gesagt haben, seine Verhörtaktiken sind bekannt, am Ende kann man nicht mehr stehen und am nächsten Tag fehlen einem auch noch die Erinnerungen. „Ihr seid unglaublich!“ Tabi triumpfierend: „Alkohol hat bisher jedes Vögelchen zum Zwitschern gebracht… unglaublich ist es ja eher, dass Du seit zwei Monaten diesen jungen, großen Typ aus der Bar datest und mir nichts davon sagst!“ Ich weiß ganz genau, warum ich es für mich behalten wollte, denn jetzt muss ich mich erklären und bekomme die Frage gestellt, wohin das führen soll, mit der Prognose, ich sei viel zu alt, er viel zu jung und ewig wird das auch nicht halten, danke, das weiß ich selber. „Ja und!“ doch leider zum Missfallen von Tabi können wir diese Unterhaltung nicht fortführen, denn der Tanzlehrer eine zehn Jahre ältere Version von Christiano Ronaldo, allerdings etwas schmieriger, kommt zu uns. „Na die Damen, seid ihr zum Quatschen hier oder zum Tanzen? Ein Mann ist noch frei…“ „Den nehme ich!“ funkt Tabi ihm dazwischen und macht sich auf zu einem schlaksigen größeren Brünetten, direkt neben mir. „Nun, dann tanzt du mit mir!“ und die Ölsardine reicht mir seine Hand, aber was für ein Hüftschwung, nur leider nicht Patrick Swayze, tja, man kann eben nicht alles haben.

Immer wenn die Ölsardine damit beschäftigt ist, in anderen Teilnehmern das Feuer von Lateinamerika zu entfachen, tippelt Tabi in meine Richtung. „Wie, ja und? Was willst du von ihm, doch nicht mehr, oder?“ Und ihr Tanzpartner versucht die Führung zu übernehmen, er hat keine Chance. „Gerade versuche ich mich auf meine Schritte zu konzentrieren, die mir Jorge (Ölsardine) aufgetragen hat.“ und gehe ihrer Frage aus dem Weg. „Wie lange soll das gut gehen, irgendwann willst du Kinder und er ist gerade dabei sich von seinem Spielzeug zu trennen!“ Dann muss er das gar nicht erst in Keller stellen, das wäre ein nahtloser Übergang… oh, Gott, ich habe mir das gerade bildlich vorgestellt, weg, weg mit dem Gedanken… Adonis als Vater, hahahaha, lächerlich! Mit ernstem Ton entgegne ich ihr: „Ich habe nicht vor schwanger zu werden, wir sind ja noch nicht einmal zusammen!“ Der Brünette hatte es nicht geschafft eine angemessene Distanz weg zu tanzen, denn Tabi dreht sich direkt zu mir. „Das denkst du… ihr trefft euch regelmäßig seit über 2 Monaten, auf was soll das wohl hinauslaufen und eine Affäre ist es scheinbar nicht, so viel ich weiß!“ und wird von ihrem Tanzpartner weggezogen. Oho, da weiß sie ja mehr als ich, denn ich habe es bisher vermieden, meine Gedanken zu verschwenden, was das Ganze ist und ob man dem überhaupt einen Namen geben soll, bisher hatte ich das nicht vor.

Es macht mich echt wütend, dass sie sich hier einmischt. „Ach Tabi, ich will mir darüber keine Gedanken machen und lasse es laufen, solange es mir nicht schadet!“ woraufhin sie mir messerscharf entgegnet: “Du verschwendest deine Zeit oder kannst du dir eine Beziehung, mit einem wesentlich Jüngeren vorstellen, wie wäre es mit Jorge?” Ja, nee, ist klar. “Was, die Ölsardine, ich bitte dich der steht nicht auf Frauen, so wie er tanzt… und nein, er ist 20, natürlich nicht!” Ich glaube genau das war die Antwort die sie hören wollte, denn ab sofort übernimmt der Brünette die Führung und ich kann mich auf meine Schritte konzentrieren. Aber anstatt auch nur kurz allein zu sein, tänzelt Jorge auf mich zu, packt mich und will wohl prüfen ob ich genug geübt habe. Ich muss dazu sagen, ich tanze nicht erst seit heute und bringe eine geballte Ladung von langjähriger Tanzerfahrung, als Jugendliche, im Lateinamerikanischen Bereich mit. Auch Jorge ist das nicht entgangen und während unsere Körper sich hin und wieder berühren und eine Drehung zur nächsten führt, zieht er mich zu sich, in seinem Gesicht zeichnen sich kleine Schweißperlen ab und mein Becken kreist nach der Musik und ich spüre seine Oberschenkel, ein Bein, zwei Bein, drei Bein?! Das war zuviel des Guten und ich drehe mich weg, während Jorge ganz souverän uns einen schönen Abend wünscht und sich auf das nächste Mal freut. Anscheinend steht die Ölsardine doch auf Frauen oder war es der Tanz, der das Feuer auslöste! Nach meiner Nahsex Erfahrung auf dem Parkett suche ich schnell das Weite, denn ich habe noch etwas vor und ja, ich will mir keine weiteren Belehrungen von Tabi anhören müssen.

Fünf Minuten zu spät treffe ich in der Bar ein und durchforste den Raum mit meinem Blick und da sitzt er, lässig an die Theke gelehnt und trinkt sein Bier. Mein Körper durchfließt ein leichter warmer Strom und mein Puls wird schneller. Mit seiner Norweger Strickjacke und den leicht verwuscheltem blonden Haar, ähnelt Adonis heute mehr einem Wikinger. Als er mich sieht, vermag ich einen gewissen Glanz in seinen Augen zu erkennen und auch ich freue mich. Zur Begrüßung schauen wir uns in die Augen, worauf er mich anschließend sanft auf den Mund küsst. Ich nehme auf dem Stuhl Platz, den er für mich freigehalten hat und er erzählt mir von seinem Tag. Mittlerweile kenne ich sämtliche Namen seiner Freunde, an welchen Tagen er zum Sport geht, welche Musik er hört und Geschichten aus seiner Kindheit, die ja nun noch nicht so lange her ist, ein kleiner gedanklicher Seitenhieb von mir an mich. Es ist wie immer schön und bisher fällt mir der Altersunterschied nicht wirklich auf. “Na, wie wie war deine erste Salsastunde?” Natürlich weiß er auch vieles von mir, wobei ich ihm das wichtigste bisher verschwiegen habe.

“Ganz ok!” denn den harten Zwischenfall, behalte ich lieber für mich. “Schön.” und irgendwie wird er etwas ernster und schaut mir erneut in die Augen, wobei meine Seele sich schon fast berührt fühlt. “Anni… ich… werde… AUSZIEHEN!” und strahlt mich bei diesem Wort so an, das ich mich etwas geblendet fühle. “Bei meinem Kumpel ist ein Zimmer frei…” Aus irgendeinem Grund taucht eine klitzekleine Version von Tabi auf meiner rechten Schulter auf und führt die Unterhaltung von vorhin weiter. “Ahaaaa, er zieht aus, du hast ihn also zum Ausziehen verführt!” Blödsinn, habe ich nicht, es ist völlig normal mit Zwanzig von alleine darauf zu kommen auszuziehen und streife über meine Schulter. Adonis folgt meiner Handbewegung und führt seinen Satz zu Ende “… ich weiß ja wie ungern du zu mir kommst, wahrscheinlich wegen meiner Eltern!” Die klitzekleine Tabi fängt an zu tanzen und singt enthusiastisch “Beziehung, das läuft hinaus auf eine Beziehung, Beziehung, lalala…!” Hör auf damit, lass das und ich fange an meine Schultern zu kreisen, in der Hoffnung das Mini-Tabi verschwindet. “Anni, alles ok mit dir?” Hahaha, nee, überhaupt nicht, die klitzekleine Tabi macht mir Angst! “Dennis das ist doch toll!” und versuche über mein Gedankenduell hinweg zu täuschen. Er lächelt zu mir: “Ja, ich freue mich schon auf die Einweihungsparty, alle kommen, Till auch, die Bude wird richtig voll, du bist natürlich auch eingeladen!”

Einweihungsparty, oh, Gott, da sind dann all seine Freunde und ich!” Und wieder tänzelt die klitzekleine Tabi herum, anscheinend soll das den “Beziehungstanz” darstellen, denn immer wieder murmelt sie dieses Wort vor sich hin. “Wann ist denn die Party?”, in der Hoffnung noch ein wenig Zeit zu bekommen. “In zwei Wochen!” Was, in zwei Wochen, welches sich eher wie eine Nanosekunde für mich anfühlt. “So schnell, wow, du verlierst ja keine Zeit, das Nest zu verlassen!” “Ja, hat sich glücklicher Weise so ergeben!” Glücklicher Weise, andere brauchen Monate um ein Zimmer zu finden, ja, der Wohnungsgott scheint es wohl gut mit Adonis zu meinen, danke. “Anni wir müssen los, unser Film fängt gleich an!”

Ihr wisst ja wie gerne Adonis und ich Filme zusammen gucken, also war es klar das wir irgendwann zusammen im Kino landen werden. Unser erster Kinofilm “The White House Down” und auch wenn dieser Film vor Action nur so explodiert, sind meine Gedanken auf romantischen Abwegen. Nicht einmal Channing Tatum, der am Ende versucht die Welt in seinem weißen Tanktop zu retten, bringt mich davon ab. Ich versuche zwar mich auf den Film zu konzentrieren, aber die klitzekleine Tabi macht es mir echt schwer, während sie wie eine kleine Fee die ganze Zeit in meinem Kopf herum schwirrt und ihren Zauber versprüht. Verdammt, sie hat es geschafft mir diesen Gedanken einzupflanzen, den ich jetzt nicht mehr los werde. BEZIEHUNG!!! Und all die Fragen die dazu gehören, was das ist, wohin es führen wird und vor allem was ich für ihn empfinde, ja ich mag ihn, vielleicht ist da auch mehr, aber das kommt nicht in Frage, oder? Ok, wahrscheinlich keimte dieser Gedanke schon länger in mir, ich habe ihn bisher nur erfolgreich verdrängt damit alles einfach bleibt und ich mir nicht die Frage stellen muss, ob das ganze Sinn macht und unweigerlich zu einem frühen Ende finden wird. Irgendwann holt es einen ein, ob man will oder nicht und jetzt hat es mich!

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena 😉

Und wie denkt ihr darüber, könnte so eine Beziehung funktionieren und auch länger halten? Oder ist sie viel mehr als Zeitvertreib zu sehen oder gar als Zeitverschwendung? Ich bin gespannt, wie Eure Meinungen dazu sind 🙂

Weiter geht es mit Bitch!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

2 Comments

  • Wirri, mir gefällt Deine Einstellung 😉 Du lebst und genießt, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. Bei mir verhält es sich ja schon etwas anders, denn mit mir kann man noch Kinder, Haus, Hund bekommen und das auch nicht erst mit Ende dreißig. Während bei mir die Sanduhr angefangen hat zu laufen, ist ein 20- Jähriger davon noch weit entfernt. Wahrscheinlich, wenn bei mir schon die letzen Körnchen durch das Zeitglas rinnen, kommt seine erst in Schwung. Ich gehe davon aus, dass wir nur einmal leben und deswegen möchte ich das Beste daraus machen und Kinder, Familie gehören dazu, allerdings hat er ein Recht auf seine Jugend. Und für die Liebe gibt es keine Garantie, aber für meine Wünsche bin ich selbst verantwortlich und deswegen muss ich tief in mich hinein horchen, was ich will 😉 Ich wünsche Dir wundervolle Jahre, genieße es und völlig egal was andere denken 🙂 Ich finds super!

  • Eine Beziehung mit einem wesentlich jüngeren Mann? DIe hält sicher genau so lange oder gut wie die mit einem älteren Mann. Oder irgendeinem Mann.
    Gelebt habe ich in der Vergangenheit in zwei Langzeitbeziehungen zu Männern, die gleich alt aber nicht gleich reif waren wie ich.
    Mein jetziger Freund ist 23 Jahre jünger als ich und braucht wesentlich weniger Bemutterung als die beiden. Sorgt sich um mich wie ich mich um ihn und – hört sich doof an aber hält mich jung. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass es doch erwachsene Männer gibt, so jung sie auch sein mögen.
    Mit ihm hole ich so einige Erfahrungen, die mit meinen Exmännern nicht möglich waren, nach.
    Klar bin ich mir allerdings darüber, dass das eine endliche Geschichte sein wird. Vieles, was ich bereits erlebt habe, liegt noch vor ihm und will auch erlebt werden.
    Haus, Hund, Kinder und Garten sind Dinge, die mit mir nicht zu haben sind. Denn das hatte ich alles schon und freue mich trotz toller Erlebnisse in der Zeit, diesen entwachsen zu sein.

    Aber deshalb mit angezogener Handbremse fahren? Niemals! Wenns denn irgendwann mal ein Tal der Tränen gibt und ich eine Bruchlandung erlebe, war es das garantiert wert.
    Endlich ist sowieso alles!

    (… und was es für einen Spaß macht, wenn die Leute arg verunsichert sind, ob ich nun die Mutter, ältere Schwester oder oh Gott oh Gott doch die Freundin bin. Herrlich!!!)

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