Kennenlernen – früher & heute

Kennenlernen – früher

So ist das Leben … wandelbar, auf der Jagd nach dem Fortschritt oder eher Rückschritt? Früher war alles einfach und heute so kompliziert! Gerade das Kennenlernen fühlt sich immer schwieriger an. Ist das wirklich so? Oder liegt es auch vielleicht daran, dass damals noch ein ganz anderes Partnermodell die Liebe bestimmt hat. Während man früher von der behüteten Hand des Elternhauses direkt an die Hand des zukünftigen Ehemannes überreicht wurde, ist man heute erst einmal Mitbewohner in einer WG oder Alleinherrscher seiner vier Wände und das über Jahre, Jahrzehnte.

1969:

Meine Eltern haben sich beim Tanzen kennengelernt. Meine Mama hatte ein Date, aber der Herr kam nicht. Wie gut das das Schicksal noch Plan B hatte und meinen Vater auf der Bildfläche erscheinen lies. Ja, schließt sich eine Tür, öffnet sich eine neue. Meine Mama etwas erbost und so kam es ihr gerade recht, dass mein Vater sie fragte, ob sie tanzen möchte? Sie sah ihn an, war sofort entzückt, reichte ihm ihre Hand, welche sie bis heute nicht mehr losgelassen hat, denn dieser Tanz hält jetzt schon 45 Jahre. Nach zwei Jahren, hielt er um ihre Hand an und sie sagte “JA”. Dann kam das Haus, die Kinder, welche mittlerweile schon das Nest verlassen haben und so tanzen sie jetzt als Rentner weiter durchs Leben, bis einer das irdische Tanzparkett verlässt.

Ich als Kind dieser liebenden und großartigen Eltern, bin sehr dankbar für meine Eltern, denn sie haben meinem Bruder und mir ermöglicht in einer intakten Familie, einem Elternhaus ohne Trennungen und Scheidungen, aufzuwachsen. Und noch heute treffen wir uns fast jeden Sonntag zum Spiele spielen und erleben einen lustigen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen mit unserem beliebten Familienspiel “Black Box”. Wobei ich es mir gestern mit meinem Bruder ganz schön versaut habe, als ich seine “Black Box hoch 2” gesetzt habe, damit er verliert 😉

1999:

Da lernte meine Freundin, ihren jetzigen Ehemann kennen, in einer Disco, ja richtig, damals nannte man es noch Disco, kein Club, keine Bar, eine Großraumdisko. Wir waren zur Flirt-Single-Party, erhielten eine Nummer und dann konnte man sich gegenseitig Briefe schreiben. Jede Stunde wurden die Nummern aufgerufen, die Post hatten. Ihre Nummer wurde genannt und sie kam freudestrahlend vom Postamt der Liebe zurück, ihr Favorit hatte ihr eine Nachricht zukommen lassen. Er hatte sich etwas leicht “Kreatives”, wie Plumpes ausgedacht: “Willst du mit mir gehen?” Dann kreuze an: “zur Bar” oder “zum Altar” Damals konnte man sich noch in einer Massenzeromonie von einem DJ trauen lassen, mit Urkunde, romantisch oder … ja, ich weiß. Sie wollte es ganz langsam angehen und kreuzte die Bar an. Den Abend sah ich sie nicht mehr wieder und weitere Wochen und Monate auch nicht.

Mittlerweile war ich auf deren Hochzeit, zu Gast auf den Geburtstagpartys ihrer zwei Kinder und dieses Jahr feiern wir mit allen Gästen von der Hochzeit und ein paar neuen Freunden, deren zehnten Hochzeitstag im Sommer. Sie wird erneut ihr traumhaftes Hochzeitkleid tragen und ich mein schönstes Kleid anziehen und dann diese vergangenen Jahre, mit Höhen und Tiefen, feiern. Ja, wer hätte das damals gedacht, dass dieser eine Abend, diese Veranstaltung, dieser Zettel über die Zukunft der Beiden entscheidet. Deren Kennenlernphase war nie kompliziert, sie trafen sich, unternahmen viel zusammen, sie hatten immer Zeit füreinander und dann fragte er sie, ob sie seine Freundin ist und sie antwortete mit “Ja”. Seit sechzehn Jahren gehen die beiden zusammen durchs Leben und lieben, respektieren und achten sich noch mehr als vorher. Übrigens mein Vorbildpaar 😉

Kennenlernen – heute

2015:

Ich sitze vorm Rechner und durchforste mein Postfach in einer Singlebörse. Dort tummeln sich viele Nachrichten, sehr viele Nachrichten. Eine davon “Hey, ich bin gerade über dein Profil gestolpert, es gefällt mir und ich würde Dich gerne kennenlernen.” Aha, ziemlich ernüchternde Romantik, ich würde viel lieber zum Tanzen aufgefordert werden oder einen Zettel mit “Willst du mit mir gehen?” erhalten. Einen ZETTEL (Brief) keine elektronische Nachricht. Aber der Fortschritt der Zeit hat seinen Tribut gefordert, jetzt sitze ich hier als Alleinherrscherin von meinen vier Wänden, die Augen gebannt auf den Bildschirm, fernab von dem Leben draußen, eine Gefangene der digitalen Welt, ein Mitläufer des modernen Zeitalters und lese mir die teilweise langweiligen und immer wiederkehrenden Versuche eines Kommunikationsaufbau durch.

Oh, ich habe eine Antwort auf meine versendete Nachricht “Ich mache es wie Cinderella, kurz vor zwölf hinterlasse ich einen SCHUH und verschwinde.” Um Mitternacht wurde die Nachricht von mir versendet und dann sofort ausgeloggt. Seine Antwort könnte lauten “Hallo, ich habe einen Schuh in meinem Postfach gefunden, ist das deiner?” Das wäre der Anfang einer großen Lovestory. Aber die Realität sieht anders aus und jetzt zwei Tage später erhalte ich die Antwort. “Hab keinen Schuh gefunden.” Ernüchternd, was soll Online-Cinderella da antworten? Naja, mittlerweile gibt es ja nicht nur einen Prinzen sondern viele, wobei ich lieber einen Ritter oder starken Krieger bevorzuge und die würden niemals schreiben “Ich bin gerade über dein Profil gestolpert.” NIEMALS …

Mein Amor ist gerade online und was ich da alles erlebe, welche Nachrichten ich erhalte und wie ich darauf reagiere habe ich in einem Video zusammen gefasst und da erfahrt ihr mehr über den Single in der Großstadt 😉

 

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