Kennenlernphase – Online!

Man trifft sich unverbindlich, checkt sich gegenseitig ab, darauf folgen vielleicht sogar noch weitere Treffen mit ein und derselben Person. Sympathie ist vorhanden, die Chemie stimmt, zumindest ist man dieser Meinung. Wie in einer realen Kennenlernphase werden die Karten jeden Tag neu gemischt, es wird viel gesagt und nicht immer alles gehalten. In der Euphorie, nach einem tollen Date, fallen Sätze wie: “Ich will Dich wiedersehen!”, “Beim nächsten Mal, machen wir das …!“, sind ja, eigentlich alles Anzeichen für eine Fortsetzung, aber, dann trennen sich die Wege und jeder geht allein nach Hause. Zurück im Alltag, die Euphorie verblassen, Hormone befinden sich auf dem Rückzug, fängt man an, das Ganze etwas nüchterner zu betrachten und oft stellt man fest, dass der Wunsch nach einem Wiedersehen, gar nicht mehr so groß ist. Deswegen verlasse ich mich nicht mehr auf Worte, nur noch Taten werden gewertet 😉

Juhu, endlich hat man jemanden getroffen, wo es passt und möchte sich abmelden. Wie ein Schlag ins Gesicht leuchtet das grüne Lämpchen. Sie/er ist online und man verspürt ein Unwohlsein in der Magengegend. Herzlich willkommen im Gedankenkino, setzen sie sich hin und genießen sie den Film. Man ist unsicher, enttäuscht und irgendwie tut es auch weh, ist es das Ego oder schon ein wenig das Herz oder ist das das Gleiche? Man fängt an zu zweifeln, man wird traurig und die Wut steigt in einem hoch. Klar, es ist bekannt und nicht das erste Mal. Mehrere Gedankengänge öffnen sich, der eine dunkel, der andere hell und in der Mitte das Grau. Was soll man jetzt tun, zeigen das man es sieht, so tun, als wenn nichts gewesen wäre oder zur Rede stellen? Ich bevorzuge mittlerweile den Rückzug, wieso noch länger quälen und irgendwelche Spielchen treiben. Sicherlich bleibt die Frage, was wäre wenn, aber wenn die/der sich nicht mehr meldet, hat man seine Antwort. Es gibt immer zwei Seiten, aber Fakt ist, die andere Seite kennen wir nicht, auch wenn man sich ein paar Mal getroffen hat, ist man sich fremd. Grundsätzlich glaubt man immer an das Gute, weil man den anderen ja nicht wirklich kennt und darauf vertraut, eher hofft, dass er ehrlich mit einem umgeht. Ja und der andere denkt womöglich, ich kenne den/die ja kaum, also warum sollte ich dann ehrlich sein! Und wenn es am Anfang schon kompliziert ist, wird es auf Dauer nicht leichter …

Mein Fazit: Online jemanden kennenzulernen ist wirklich einfach. Von der Couch, in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre, lässt es sich super neue Leute kennenlernen. Ja, so denken aber auch andere! Es vereinfacht nicht nur einem selber den Weg, sondern jedem …, was das Ganze wieder kompliziert macht. Auf eine Person folgen oft mehrere Bewerber, wo das Kennenlernen schon einem Casting a la Bachelor ähnelt. Und wenn man dann mal jemanden hat, den man wirklich gut findet, weiß man nicht, wie viele weitere sie/er interessant findet als eine/einer unter vielen.

Prinzipiell ist die Online-Partnersuche eine hervorragende Idee. Ich kenne einige Paare, die sich darüber gefunden haben, auch ich hatte dadurch eine 1 1/2 jährige Beziehung. Früher war es mehr die Generation ab 50, die das Internet als Kuppler in Anspruch nahmen, Personen mit Kontaktschwierigkeiten oder Behinderungen. Es war sogar richtig verpönt und wenn tat man es nur heimlich. Dank akribischer Werbung wurde das Internet-Dating salonfähig und zum absoluten Mainstream. Altersgruppen von 18 – 70 Jahren, teilweise sogar noch höher, sind vertreten, jede Berufsgruppe, der Workaholic, die Hausfrau, ob Single, Egopolierer-Sucher, Vergebene oder auch Verheiratete, Großstädter, auf dem Land lebende, Glückliche, Verzweifelte, selbst Personen die im realen Leben schon viele daten, tummeln sich in der großen weiten Welt des Internet-Datings. Freundschaften, Liebe, Beziehung, Affären, das Angebot ist vielfältig, zudem gibt es über 5000 Dating-Portale, allein im deutschsprachigen Raum, wo man danach suchen kann und selten ist man nur bei einer angemeldet.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, wir haben Flatrates, bestellen Essen, gehen ins Fast-Food-Restaurants und bestellen online, klar, dass sich dieses Verhalten auch auf die Partnersuche abfärbt. Etwas haben zu wollen, mit geringem Aufwand und das bitte ganz schnell, ist der neue Trend und viele machen mit! Jeder Trend wird irgendwann durch einen neuen ersetzt oder man bezieht sich wieder auf das, was einmal war. Liebe zum mitnehmen, bitte, aber sie soll echt sein und großartig und am Besten sofort.

Mir wurde das irgendwann alles zu viel, immer wieder Dates, mit Aussicht auf ein nächstes, mit jemand anderem. Hatte ich einen Favoriten, wurde nur noch eingleisig gefahren, meinerseits … Dann meldete ich mich ab. Es war zu meiner Verwunderung sehr entspannend, keine Nachrichten, auf die man gewartet hatte, kein Schreibgebalze und am Wochenende hatte ich wieder die Augen offen, ich flirtete, denn nun hatte ich keine Option mehr im Internet. Nur zwei Wochen später, nachdem ich meinen Account gelöscht hatte, traf ich im realen Leben auf meinen damaligen Freund. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe, denn so habe ich nur ihn kennengelernt, ohne dass rechts und links irgendwelche Typen aufgeploppt sind, letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden.

Die Themenwoche ist zu Ende und die nächste gibt es vom 05.05 – 11.05.2014 das Thema könnt ihr zwei Wochen vorher wählen. Wie immer freue ich mich über Eure Sichtweisen, Erfahrungen und Kommentare. Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag. Autor-Julia

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Quellenangabe: Grafik: © Rudie – Fotolia.com

 

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