Schwedischer Beziehungstrip! Teil 2

ACHTUNG: Fortsetzung von: Schwedischer-Beziehungstrip1

Augen geschlossen, Puls erhöht, Atmung flach, Knie weich und die Birne leer, denn er steht direkt neben mir. “Ist der Platz neben Dir noch frei?” und seine tiefe männliche Stimme bebt durch meinen ganzen Körper. Abrupt öffne ich die Augen und nicke. Er und sein grob gestrickter Norweger-Pulli, beugen sich über mich, er lächelt und nimmt auf der Matratze neben mir Platz. Mein Körper brennt, die Hände verschwitzt, na super, meine Hormone laufen Amok. “Ist deine Matratze weicher, die ist ganz schön hart!” und wippt mit seinen Beckenmuskeln auf und ab, so dass auch meine Seite etwas abbekommt. “Äh, meine, die ist nicht hart!” Habe ich das gerade gesagt, klingt fast so blöd wie: “Ich habe eine Wassermelone getragen!”. “Nee, ist nicht!” und mit einem Schwung hopst er sich in meine Sphäre. Das ist jetzt aber schon ganz schön nah und ich merke wie der Sauerstoff knapper wird. Anscheinend hat er noch nie etwas von deinem Matratzenbereich und meinem Matratzenbereich gehört!

“Joaa, die ist besser!” und wippt noch einmal ordentlich mit seinem Hintern auf und ab. Ich bekomme gleich Schnappatmung und Rücken. Mit der Steifigkeit eines Stockfischs, liege ich einfach nur da. In meinem Kopf krame ich nach dem Ordner: Lustige, lockere Sprüche…. nichts, ich glaube der Typ hat meine Festplatte gelöscht. Er dreht sich auf die Seite “Die sollten wir nehmen!”. Verlegen bügelt er sich seine einseitige Sturmfrisur noch mehr nach links. “Ja!” zögerlich, leise, wofür ich mich echt in den Hintern beißen könnte. “Na, eine Frau der großen Worte, scheinst du ja nun nicht zu sein”. Jaha, wo ist mein Charme, Wortschatz und alles andere, was mich sonst so liebenswert macht, geblieben, alles weg. Während ich an meiner geistigen Leere verzweifle, sind seine Augen erwartungsvoll auf mich gerichtet, was natürlich nicht gerade hilfreich ist, wieder zur Normalität zu finden. Meine Erstarrung verläßt langsam den Körper und das ist der richtige Moment sich aufrecht hinzusetzen, vielleicht hilft eine neue Ausgangslage. Was ist bloß mit mir los, normaler Weise rede ich jemanden in Grund und Boden, bin nie um eine Aussage verlegen, schlagfertig und das ganze Gegenteil von wortkarg. Klasse, ausgerechnet jetzt bin ich von akuter Schüchternheit befallen, Timing ist wirklich ein Miststück. “Pfff” und puste mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er scheint sich über meine Unfähigkeit zu amüsieren und lacht. Ja, ich bin echt ein Witz.

So, Butter bei die Fische und komme endlich aus dem Quark, Anna-Lena. “Hi” und setze ein mühsames Lächeln auf, ok ich sollte mich erschießen. “Hallo!” und er strahlt mich mit seinen vergiss-mein-nicht-farbenen Augen an. Mir wird wieder heiß, puhhh. “Ich Anna-Lena!” und er Tarzan, oje… “Bin, also ich bin Anna-Lena!” Er grinst, “Ich Fabian!” und streicht sich erneut durch seine Haare. “Wo sind denn deine Freunde abgeblieben?” Ich sehe mich  kurz um, aber von Mari und Marc ist nichts zu sehen. “Die habe ich im Small-Land abgegeben.” Sein schelmenhaftes Grinsen macht mich ganz wuschig. “Kommst du auch aus Hamburg?” So langsam kommt das Gespräch doch ins Rollen, sehr schön und nun beginnt das Frage-Antwort-Ping-Pong-Spiel. “Ja, aus Barmbek und du?” er wechselt von der Seitenlage in die stabile Sitzposition und lehnt sich an das Bettkopfende.

“Schanze, jetzt fehlt nur noch der Fernseher!” und sieht verschmitzt zur Seite. “Ja, Popcorn, wäre auch nicht schlecht!”. “Und hast du schon gefunden, wonach du suchst?” Kurze Stille. “Ja, meine Regale sind notiert und was suchst du?” “Ich brauche eine neue Matratze, die alte taugt nichts mehr.” und schaut mich herausfordernd an. Ich hoffe er meint nicht mich, lach, zweideutig ist manchmal eindeutig und schmunzle. “Und schon eine Neue gefunden!”  was er kann, kann ich nämlich auch, so langsam taue ich auf. “Joa, die da.”, sein Finger zeigt auf mich und bewegt sich dann nach unten hin. “Bevor du dich entscheidest, solltest du sie alle getestet haben!” und riskiere einen kurzen Blick zu ihm, nicht dass es mir wieder die Sprache verschlägt. Stille. Er räuspert sich, ein wenig zögerlich. “Wir können sie ja gemeinsam testen… die Matratzen!” Na, wer hätte das gedacht, dass ich mich heute in Begleitung noch durch fremde Betten wühle, also ich nicht und erhebe mich. “Wo willst du hin?” “Na zur nächsten, kommst du mit?” und halte ihm meine rechte Hand hin.

Seine Hand ist warm und ein Kribbeln duchfährt erneut meinen Körper, ich merke wie meine Beine zu Wackelpudding mutieren und lasse mich auf das nächste Bett fallen, reine Vorsichtsmaßnahme. Mit jeder Matratze erfahre ich mehr über ihn und fange an die Welt um mich herum zu vergessen.

“Hast du Whatsapp?” und zack bin ich wieder in der Realität, einige halten mich für altmodisch, aber ich gehöre wohl zu den wenigen, die sich bisher erfolgreich vor diesem Digitalen-Kommunikations-Virus geschützt haben. “Nein, habe ich nicht.” Stille. “Bist du bei Facebook?” Bin ich, aber dann hat er ja die Lizens zum Stalken und soweit sind wir noch lange nicht. “Nein, habe ich auch nicht.” Stille. Längere Stille. “Oh, ok, verstehe.” Gerade als ich antworten will, tippt mir jemand von hinten auf die Schulter, Marisol. “Hier bist du, hast du Marc gesehen?” “Nein, ich dachte der ist bei dir?” “Falsch gedacht!” schnaubt es aus ihr heraus. “Habt ihr Euch gestritten?” “Meinungverschiedenheit.” Klar, denn sie streiten ja nicht. Hast du ihn angerufen?” “Er geht nicht ran!” “Und jetzt?” “Hilfst du mir ihn zu suchen?” Ich gucke kurz zu Fabian, der sich mittlerweile seinem Smartphone widmet. “Ich hätte sie wirklich im Small-Land abgeben sollen, wartest du hier, ich komme gleich wieder.” Er blickt kurz hoch. “Joa!” und Mari zieht mich hoch und von ihm weg. Na toll, jetzt darf ich den Marc im Ikea suchen.

Gefühlte Stunden später, kommt Marc uns entgegen, sein Gesicht knallrot. “Was hast du denn gemacht?” und Marisol spielt die besorgte Ehefrau. “Ich habe versucht das Gold abzubekommen, aber anscheinend hat es sich schon tief in meine Poren eingebrannt!” und seine Zornesfalte erreicht heute den Höhepunkt. “Dann kann ich ja zurück, wir treffen uns bei den Matratzen.” und eile los. Wie Lola rennt, laufe ich an den Sofas, Schreibtischen und Stühlen erneut vorbei. Etwas langsamer steuere ich schnurstracks den Bettenbereich an, aber er ist nicht mehr da. Sofort merke ich ein unwohles Gefühl, suchend scanne ich den Raum, aber von Fabian fehlt jede Spur, wollte er nicht warten! Meine euphorsierende Stimmung wandert gen Nullpunkt und tiefer.

Geknickt schleiche ich neben Marisol und Marc her, die Dekoabteilung kann mich heute auch nicht aufheitern. Sicherlich auch ein Grund, weswegen ich Single bin, dass meine lieben Freunde immer dann kommen, wenn es absolut unpassend ist, danke. “Wie er ist weg?” sie möchte jetzt nicht, dass ich ihr es noch genauer erläutere… sie will und erzähle die ganze Geschichte. “Oh, Anni…! stöhnt es aus Marc und schüttelt den Kopf. “Bitte?!” “Ich wäre auch gegangen.” “Wieso?” “Na, der Arme fragt dich nach deiner Nummer und Account und von dir kommt nix.” Vehement schüttle ich den Kopf. “Nein, nach meiner Nummer hat er nicht gefragt, nur nach dem ganzen anderen Mist!” “Anni, wir leben im Jahr 2014!” “Das ist mir auch bekannt, aber warum fragt er nicht einfach, wie in guten alten Zeiten, nach meiner Nummer?” Marc überlegt kurz. “Weil das andere unverbindlicher ist.” “Unverbindlicher, aha, vielleicht wollte er ja fragen, aber dann kam ja Marisol und weg war er!” Missmutig blicke ich zu meiner Freundin, die nicht mehr da ist, wehe wenn ich die auch gleich noch suchen muss. Ein Sack Flöhe hüten ist einfacher. “Er dachte du hast kein Interesse und bevor er sich noch einen richtigen Korb einfängt und wartet, geht er, wie lange warst du eigentlich weg?” Ich überlege kurz. “So zwanzig Minuten.” Pause. “Ich wäre definitiv gegangen… Anni!” Schön, von der männlichen Sichtweise gesehen, bin ich der Depp, tja, wer zu spät kommt, den bestraft eben das Leben, Pech und Chance vertan.

Während ich dabei bin mich allmählich mit meinem Schicksal abzufinden und auch nicht mehr nachfrage, wo Marisol abgeblieben ist, trifft mich fast der Schlag, ein Zucken, Rucken und am besten tut sich gleich noch der Erdboden auf, in dem ich versinken kann, ertönt erneut die Ansage durch den Lautsprecher: “Anna-Lena hat ihren Fabian bei den Matratzen verloren und möchte ihn gerne wieder haben, er ist groß, hat kurze braune Haare, wer sich angesprochen fühlt, soll vorne am Ausgang warten!” Marc lacht, “Ich glaube damit bist du gemeint!”. Ich bringe sie um. Hoffentlich hat er das nicht gehört. “Du solltest jetzt zum Ausgang gehen und ihn nicht noch länger warten lassen.” Wozu Feinde, wenn man Freunde hat. Ok, also wenn mein Leben ein Hollywoodfilm wäre, dann würde er jetzt sehnsüchtig am Ausgang auf mich warten. Mein Herz schlägt schneller, ich merke wie die Hitze in mir hochsteigt, ich befinde mich kurz vor der Kernschmelze, schnellen Schrittes bewege ich mich zum Ausgang. Oh, Mann, was sage ich denn und fange gedanklich an ein paar Sätze zu performen. “Da bist du ja.” Marisol, die anscheinend von debilen romantischen Gefühlen zu dieser Tat gedrängt wurde, nimmt mich herzlich in Empfang, aber von Fabian ist nichts zu sehen. “Du hast sie ja nicht mehr alle!” “Wieso, im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.”

Herzlich willkommen in der Realität, meiner Realität, darf ich Euch einmal herumführen… seit fast einer halben Stunde stehe ich am Ausgang und warte auf meinen Prinzen, ohne Regale und Deko. Ein absoluter Reinfall. “Wir haben genug gewartet, wir gehen.” und ziehe Marisol, wie ein Kleinkind, welches noch nicht los möchte, hinter mir her. “Vielleicht kommt er noch!” ich gucke in die großen braunen Kulleraugen einer hoffnungslosen Romantikerin. “Das Leben ist kein Film, es existiert kein Drehbuch, wo alles bestimmt ist, sondern schreibt sich sekündlich neu, je nachdem wie wir uns entscheiden und ich möchte jetzt gehen.” “Schade, naja vielleicht soll es nicht sein.” und trottet wehmütig mit mir Richtung Parkplatz. “Aber er hat mir gesagt in welchen Bars er unterwegs ist…, schon am Wochenende etwas vor?” Sie grinst “Tja, vielleicht ja doch!”.

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Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

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