Schwedischer Beziehungstrip!

Na toll, jetzt haben wir doch noch Schnee, eine große Umstellung, wenn man die letzten Wochen mit zehn Grad plus verwöhnt wurde und jetzt mit der Eiseskälte klar kommen muss. Aber es hilft ja nichts, also Daunenmantel an, Schal um, Mütze auf und raus, brrrr… und wieder rein, Autoschlüssel vergessen! Das kann ja heiter werden, schon jetzt grenzt das Vorankommen mit einer Geschwindigkeit von 30 kmh an ein Wunder. Sobald auch nur eine einzige Schneeflocke sich vom Himmel auf die Straßen von Hamburg niederläßt, herrscht Chaos! Eine absolute Überraschung, da es auch gar nicht seit Tagen im Wetterbericht propagiert wurde, fristet man nun sein Dasein auf dem Fahrersitz, guckt aus einem kleinen freigekratzten Loch in der Windschutzscheibe und friert sich erst einmal den A…. ab!

Eine Stunde später habe ich mein Ziel erreicht und parke meinen kleinen roten Flitzer. Schnurstracks wird der Eingang anvisiert, ab durch die Tür und eine warme trockene Luft strömt mir entgegen, nanu noch keiner da! Normalerweise bin ich diejenige die sich um ein paar Minuten verspätet, es eröffnet sich mir ein völlig neuer Blickwinkel und ich beobachte die Leute, wie sie an mir vorbeiziehen. Ein kleiner eingemummelter Eskimo kommt auf mich zu, die Begleitung sieht aus wie Marc, dann muss der Zwerg-Yeti Marisol sein, ihre Mütze berührt schon fast die Nase, während der Schal ihren Mund bedeckt. “Bist du heute Undercover unterwegs?” und begrüße die beiden freundschaftlich. “Sehr witzig!” lächelt sie und entblättert sich erst einmal von den winterlichen Accessoires und auf geht es ins Möbelparadies.

Wortlos geht es mit der Rolltreppe nach oben. Marisol eine Stufe höher, wie Marc, mustert ihn “Sag mal, hast du meine Bodylotion benutzt?” Marc völlig verwundert: “Ich…, ähm, nee, habe ich nicht!” und man spürt einen Hauch von Entrüstung seinerseits. Marisol blickt ihn erneut an: “Bist du dir da ganz sicher?”, worauf er mit einem kurzen knappen “Klar!” antwortet. Oben angekommen verzieht sie ihre Zornesfalte, worauf sofort eine emotionslose Mimik folgt, weil sie weiß, dass die sich sonst immer tiefer in die Stirn gräbt und mustert ihn erneut. “Doch hast Du, Du glitzerst!”, “Ich tue was?”, “Du GLITZERST, im Gesicht!” skeptisch schüttelt sie ihre langen braunen Locken und erst jetzt bemerke ich was sie meint. Marc steht direkt im Lichtkegel eines Scheinwerfers und sein Anlitz funkelt wie eine Discokugel, in seinem Gesicht zeichnen sich Unmengen von goldenen Glitzerpartikeln ab, die durch den Lichtstrahl nicht zu übersehen sind.

Voller Entsetzen starrt Marc auf seine Hände, so schnell habe ich ihn noch nie rennen sehen! Schmunzelnd sehe ich ihm nach, wie er völlig irre durch die Gänge huscht. “Typisch Marc, wann versteht er endlich das eine Bodylotion nur für den Körper ist, super jetzt bin ich mit Prinzessin Lillifee bei Ikea!” Wir gucken uns an und fangen an zu lachen. “Letztens hat er meinen Rasierer, den für den Intimbereich benutzt und meinte die Damenrasierer werden auch immer schmaler!” Ich gucke sie mit großen Augen an, “Oh,  er hatte keine Ahnung, oder?”, “Natürlich nicht!”. Aus unmittelbarer Nähe vernehmen wir erschrocken einen lauten, entsetzten Schrei.

Marc steht fassungslos vor dem Spiegel und jeder Versuch, sich das Glitter aus dem Gesicht zu wischen, scheitert kläglich. Marisol geht auf ihn zu, “Das kannst du vergessen Tinkerbelle, so schnell wirst du den Feenstaub nicht los!” Missmutig blickt er zu ihr: “Ich sehe aus wie, wie…!” ich vollende den Satz mit einer honigsüßen Stimme, “Wie Edward, der Vampir, wenn die Sonne auf sein Antlitz fällt und er wie tausend Diamanten erstrahlt!”. Böser Blick, ok, Poesie kommt gerade nicht so gut an! Irgendwie tut er mir ja leid, wie er ahnungslos vor dem Spiegel steht und den Goldstaub immer tiefer in die Poren reibt. Hilfesuchend, schon fast kläglich: “Wie bekomme ich das weg?”, Marisol steht neben ihm, “Hier zumindest nicht, komm Barbie, es gibt Schlimmeres!” nimmt ihn an die Hand und erntet nur den Blick des Todes, worüber sie sich im Gegenteil zu Marc köstlich amüsiert. Ja, wer nicht hören will muss fühlen, sicherlich das letzte Mal das er ohne darauf zu achten, irgendwelche Kosmetika von ihr verwendet.

“Damit die Ehe auch ein Erfolg wird, sollte jeder von beiden ein eigenes Bad haben. Ende.”

Cathrine Zeta-Jones

Prinzessin Lillifee hat sich mittlerweile zu einem Eskimo verwandelt, mit Marisols Schal und Mütze fühlt er sich nicht mehr ganz so beobachtet und späht durch den Seeschlitz auf die gesuchten Möbel, welches natürlich nicht ohne Diskussion vonstatten geht, da beide Geschmäcker verschieden sind. Ich mache es mir auf einem Sessel bequem und stelle fest, nur Pärchen hier, die einen händchenhaltend ohne auch nur vor zu haben, die Hand des anderen los zu lassen, wahrscheinlich gerade frisch verliebt, Eltern die sich mal eine Auszeit gönnen, dank Smâland und die etwas Älteren, teilweise mit einem Sicherheitsabstand von zwei Metern und mehr oder nebeneinander her trotten. Ich als Single fühle mich hier mal in der Unterzahl. Oh, wen haben wir denn da, eventuell ein interessantes Objekt, nachdem ich die Umgebung auf weibliche Begleitung abgescannt habe. Groß, dunkelbraune Haare, Dreitagebart, normale Figur und eine selbstbewusste Körperhaltung, genau mein Typ und allein. Gerade hat er mehr Interesse an einem grauen Struktursofa, oh, nein der Sessel geht gar nicht! Zack, ein kurzer elektrischer Ruck geht durch meinen Körper, erwischt, meine Observierung wurde so eben bemerkt.

Blitzartig wechsle ich die Blickrichtung und ein Katz und Maus-Spiel von “Bitte lächeln!” entwickelt sich. Er befindet sich jetzt nur noch 5 Sitzgelegenheiten von mir entfernt und oh, nein, er kommt auf mich zu, ich bleibe relaxed im Sessel, wobei mein Herz aus irgendwelchen Gründen erhöht Blut durch meine Adern pumpen lässt. Hallo, könntest du bitte damit aufhören, mir wird ganz heiß und das zerstört meinen Coolness-Faktor! Er ist nur noch wenige Meter von mir entfernt und lächelt, oh, Mann was sage ich denn, ich bin total nüchtern und dann, ob ihr es glauben wollt oder nicht, schüchtern. Noch zwei Schritte und Vollbremsung, “Anni, wir wollen weiter!” Marisol und Marc stehen vor mir und ich vernehme, wie eine Wolke Boss Bottle an mir vorbeizieht.

Och man, das kann doch nicht wahr sein, die ganze Zeit herdenlos und kaum ist man im Visier des Jägers, kommen sie wie trampelnde Elefanten zurück, woraufhin der Angriff natürlich abgeblasen wird, ärgerlich. Timing ist ein Miststück! Ohne etwas zu sagen, erhebe ich mich vom Sessel, folge dem Möbelpfad und widme mich meiner eigentlichen Mission, den Regalen. Die sind schnell notiert im Gegensatz zu der Entscheidungsfreudigkeit meiner verheirateten Freunde. Das kann noch dauern, gerade liegen sie Probe auf den Matratzen und um nicht das fünfte Rad am Wagen zu sein, suche ich mir ein eigenes Bett, herrlich, nicht zu hart und nicht zu weich, hier kann ich entspannen und schließe die Augen. Während ich der Geräuschkulisse von durcheinander plappernden Leuten lausche, steigt eine Duftnote von einem mir bekannten Herrenparfüm in die Nase, ich bin sofort verstört, ähhh, betört und mein Herz pumpt wieder auf Hochtouren, aufsteigende Hitze, Nervenflattern, er ist direkt neben mir, am besten ich stelle mich tot!

Liebe Grüße Eure Anna-Lena 😉

Wie es weiter geht erfahrt ihr hier: Schwedischer Beziehungstrip! Teil2

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