Single – Ich & verliebt

Single – Ich & verliebt

Letzten Montag gab es ja das eher unromantische, dafür aber wissenschaftliche Spektrum des Verliebtseins, eine gewisse Fachlektüre, um den heutigen Artikel besser zu verstehen, beziehungsweise nachzuvollziehen. Ok, es wird heute auch nicht wirklich romantisch, sorry, wir starten mit naiv und enden bei gelassen.

Erst einmal bin ich mit der typischen Vorstellung von Liebe groß geworden, ich treffe auf einen Mann, der liebt mich über alles, wir heiraten, bekommen Kinder und sind glücklich bis ans Lebensende. Wie märchenhaft und definitiv zu viel Disney! Meine Eltern prägten mich ebenfalls –  Hochzeit, Reihenhaus, Kinder und keine Scheidung.

Wohlbehütet lebte ich mein Prinzessin-Dasein, bis der erste richtige “Prinz” auf der Bildfläche erschien. Natürlich dachte ich, dass er meine große Liebe ist, ahnungslos mit null Erfahrungswerten, machte ich meine ersten Gehversuche mit der Liebe und fiel auf die Fresse. Aua … meine Mama tröstete mich mit den Worten: “Jetzt tut das weh, aber bald nicht mehr, und wenn du dreißig, verheiratet und eine eigene Familie hast, dann lachst du darüber!”

Moment! Hahahahahahahahahahahahahahaha … hahahahahahahahaha … einmal weil sie Recht hat und naja, … ihr wisst schon warum.

Früher – als die Welt noch rosa war!

Ein Kribbeln im Bauch, sobald ich seine Stimme hörte, ihn sah – oh, er riecht so gut, wurde mir heiß, mein Herz schlug schneller und ein warmer wohltuender Schauer durchströmte meinen Körper. Ich konnte nicht mehr klar denken, es war unmöglich meine Gedanken in Worte zu fassen, stattdessen fing ich an zu grinsen, ein breites Lächeln mit erröteten Wangen zierte mein Gesicht. Ich machte komische Dinge, wirkte zerstreut und irgendwie nicht von dieser Welt. Was war mit mir los, ich war hilflos, etwas übernahm die Kontrolle über meinen Körper und Geist, ich konnte nichts dagegen tun und er war meine Rettung. Jede Berührung ein Sonnenschein, jeder Kuss ein Feuerwerk und in seiner Nähe fühlte ich mich sicher, geborgen und unendlich glücklich – ich wollte immer bei ihm sein – so verliebt war ich.

Erwartungen

Ich dachte, es wäre für immer, er wäre ehrlich zu mir und ich zu ihm, wir würden alle Tiefen überwinden und in den Höhen schweben. Ich wäre die Einzige, er würde alles für mich tun und ich für ihn, er würde diese Liebe, genauso schützen, wie ich, er würde mich vor allem Unheil bewahren und mir nie wehtun, wie er es gesagt hatte. Die Welt würde sich nur um ihn und mich drehen, ich bin sein und er mein. Wir heiraten, bekommen Kinder und sitzen immer noch verliebt, als Oma und Opa auf der Gartenbank.

Es ist vorbei

Ein Kribbeln im Bauch, der Magen zog sich zusammen, mir war schlecht, mein Herz schlug schneller und ein kalter Schauer aus klitzekleinen Nadelstichen durchströmte meinen Körper. Erinnerungen und tausend Gedanken kreisten in meinem Kopf, sie fraßen sich immer tiefer in mein Hirn, ich dachte, ich werde verrückt. Es tat so weh, Schmerz, ein unendlicher Stich, der wohl nie aufhören würde. Ich wusste ich werde nie wieder so glücklich sein. Totale Verzweiflung, ein Gefühl, dass mir die Luft zum Atmen nahm. Ich versuchte jede einzelne Situation zu rekonstruieren, ich sezierte meine Erinnerungen bis ins kleinste Detail, in der Hoffnung eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen. Ich grübelte und grübelte, dachte nach und verstand die Welt nicht mehr, für einen Moment hörte sie auf sich zu drehen – so traurig war ich.

Heute – als die Realität einzog

Ein Kribbeln im Bauch, sobald ich seine Stimme höre, ihn sehe – oh, er riecht so gut, wird mir heiß, mein Herz schlägt schneller und ein warmer wohltuender Schauer durchströmt meinen Körper. Ich kann nicht mehr klar denken, es ist unmöglich meine Gedanken in Worte zu fassen, stattdessen fange ich an zu grinsen, ein breites Lächeln mit erröteten Wangen ziert mein Gesicht. Ich mache komische Dinge, wirke zerstreut und irgendwie nicht von dieser Welt. Na toll, PHEROMONE legen mein System lahm, nur weil unsere Immunsysteme harmonieren und wir uns ganz schnell fortpflanzen sollen – danke an Mutter Natur. Ich komme mit den Gefühlen klar, ich verstehe sie, ich kenne sie, sie fühlen sich gut an. Jede Berührung ein Sonnenschein, jeder Kuss ein Feuerwerk, in seiner Nähe fühle ich mich sicher, geborgen und unendlich glücklich –  eine Überdosis Oxytocin, es versucht die Realität zu verschleiern, es macht mich weicher und leichtgläubiger, ja, ich bin verliebt.

Erwartungen

Es ist, wie es ist und ich genieße den Moment, mache mir keine Gedanken, was morgen oder irgendwann ist. Vielleicht bin ich die Einzige und wenn nicht, dann nicht, was bleiben will wird bleiben, was gehen will, wird gehen, früher oder später. Ich halte weder mit der Hoffnung noch dem Glauben jemanden fest, es ist eine freiwillige Entscheidung, ob jemand mit mir einen gemeinsamen Weg gehen möchte und es ist unbestimmt, wo er endet. Er gibt mir ein gutes Gefühl und ich ihm, auch wenn man es nicht will, er wird Fehler machen und ich auch, er wird mir wehtun und ich ihm auch, es ist die eigene Entscheidung, ob man sich verzeiht und damit leben kann. Er bleibt sich selbst treu und ich mir, keiner verbiegt sich für den anderen. Er erhält sich seine Welt und ich meine, wir sind eins – er gehört sich und ich gehöre mir. Alles was kommt, wird kommen, alles was endet, wird enden.

Es ist vorbei

Ein Kribbeln im Bauch, der Magen zieht sich leicht zusammen, mir ist etwas übel, mein Herz schlägt schneller und eine kurze innere Unruhe durchströmt meinen Körper. Es ist, wie es ist, kurz ploppen Erinnerungen und Gedanken auf, warum soll ich darüber grübeln, bringt mir ja nichts und wische sie einfach weg. Ein kurzes Ziehen und ich weiß, das ist bald wieder vorbei, und da ich für mein Glück verantwortlich bin, weiß ich das es nur an mir liegt, um wieder glücklich zu sein. Denn wenn ich eins gelernt habe, egal was auch passiert, die Welt dreht sich und es geht weiter.

Von der Raupe zum Schmetterling

Es hat Jahre gedauert, bis ich so weit war, wie heute. In der Vergangenheit habe ich einfach gemacht, ohne darüber nachzudenken, also sie lief lachend in die Kreissäge. Ich bin durch sehr tiefe Tiefen gewandert, aber erst ganz unten entdeckte ich jemanden, der das wichtigste in meinem Leben ist, nämlich ICH. Selbstliebe ist so wichtig! Prinzipiell ändert man immer erst etwas, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Alles fing vor vier Jahren an, es musste sich etwas ändern und damit sich etwas ändert, muss man selbst etwas verändern und dann ändert sich oft alles. Schritt für Schritt ließ ich los und befreite mich von den gesellschaftlichen Zwängen, den Prägungen aus der Kindheit und Disney. Mann fürs Leben, Heirat, weitere Kinder, zusammen Alt werden und die Liebe fürs Leben finden -GESTRICHEN.

Ich muss gar nichts, wichtig ist nur, dass ich glücklich bin und das hängt von niemandem ab, außer mir. Meine Wünsche und Träume erfülle ich mir selber, denn ich bin dafür verantwortlich. Wenn jemand mich belügt oder betrügt, dann ist das so und letztlich entscheide ich, inwieweit dieser Mensch weiterhin zu meinem Leben gehört. Wenn mich jemand liebt, ich es spüre und erwidere, dann wird die Zeit es zeigen, wo die Reise hingeht, alles kann, nichts muss. Zum allerersten Mal fühle ich mich frei, wie ein Schmetterling, fliege selber in die Höhe und bin glücklich.

Sehr schönes Zitat, ich finde es passt hervorragend:

“Ich darf mir den Druck nicht selbst machen, ich darf nicht auf den Platz gehen und mir sagen “Ich muss gewinnen.”. Ich muss frei sein und gelöst spielen. Das lerne ich langsam, aber das geht nicht von heute auf morgen.”

Angelique Kerber 28.08.2013 und jetzt hat sie gewonnen 😉

Quellenangabe: fotolia.com 78682438 | Urheber: nuiiko

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