Anna-Lena’s Single-Geschichten: Liebeskummer – Taschentücher, Tequila und Konfetti!

Single-Geschichten: Liebeskummer –
Taschentücher, Tequila und Konfetti!

Single-Geschichten: Liebeskummer: “Oh, Mann, manchmal sind auf den Straßen nur Idioten unterwegs!” Mit einem Affenzahn brettere ich durch die Stadt, ein Blaulicht wäre jetzt nicht schlecht, denn ich bin gerade im Einsatz! Es geht nicht um Leben und Tod, obwohl ein Herz aufhört zu schlagen, eine Welt zerbricht und dennoch geht das Leben weiter! Der Notruf ereilte mich per Sms, als ich gerade vorm Spiegel stand und meiner 70er Jahre Frisur, für mein eigentliches Tagesprogramm mit einem Stirntuch den letzten Feinschliff verlieh. “Tequila!”, dass bedeutet Alarmstufe Rot! Schnell packte ich die Flasche, die für so einen Notfall immer parat steht, in die Tasche, ich hatte keine Zitronen, schnell, Marisol damit beauftragt und fuhr los.

Noch drei Straßen, dann bin ich da, wieso müssen die hier so eng stehen und schalte vom 5. in den 3. Gang. Nächstes Problem, in Eimsbüttel einen Parkplatz finden, die Nadel im Heuhaufen suchen geht schneller! Mein derzeitiger Rekord liegt bei 43 Minuten und heute ist nicht der Tag, wo ich ihn brechen möchte. 10 Minuten später habe ich Glück und kann mein Auto endlich abstellen. A la “Lola rennt” mit weißen Stiefeln fege ich, wie ein Hippie auf Speed, die Straße entlang. Wohnung in Sicht und schnelle in den Eingang, die Haustür steht offen, noch die Treppen hoch und dann bin ich da! Mein Lauf wird abrupt gestoppt, vor mir steht Stefan, in der Hand eine große Kiste und was er sicherlich bestreiten würde, ist er gerade dabei, sich eine Träne aus dem Auge zu wischen. Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, er schaut mich wortlos an, hält die Tür auf und nickt mit dem Kopf Richtung Wohnung und weg ist er.

Mit einem mulmigen Gefühl trete ich ein, ich vernehme ein leises Wimmern und folge dem Geräusch ins Wohnzimmer. Auf dem Boden liegen kaputte Bilderrahmen. Entstellt vom zersprungenen Glas, erkennt man nicht mehr viel vom Foto, ein “Schluchzen” und dieser Anblick zerreißt mir das Herz. Tabi kauert auf dem Sofa, die Knie ganz eng an den Körper gezogen, von den Armen umschlungen und den Kopf darin eingebettet, hört man sie weinen. Ihr Körper bebt immer wieder unter den Schluchzattacken auf. Auch wenn es keine große Überraschung ist, tut es weh und ich spare mir die Kommentare, wie “Ich habe es Dir doch gesagt!”, “Ich wusste, dass es so kommt!”, “Hättest Du mal auf mich gehört!”, “Irgendwann lachen wir darüber!” und “Zeit heilt alle Wunden!”.

“Hey!” und setze mich neben sie, sanft streiche ich ihr mit meiner Hand durch das blonde, lange Haar, mein Modezwilling hebt ihren Kopf und schaut mich fassungslos mit rot verweinten, schwarz verschmierten Augen an, mit leiser, schwacher Stimme “Es ist aus!” und ich sehe die Tränen über ihr Antlitz flitzen “Ich weiß!” und umarme sie, “Es ist aus! Es ist aus! Es ist aus!” ihre Stimme bricht ab. Meine Arme halten sie ganz fest und ich spüre wie ihre Tränen mein Paisly gemustertes Kleid durchnässen.

Oh, ja, ich weiß wie sie jetzt fühlt, dieser Schmerz, diese Leere, ohnmächtig klar zu denken und nur von den Gefühlen geleitet zu werden. Die Angst, dass wieder jemand aus ihrem Leben verschwindet, obwohl man sich so nah war. Eine Liebe, wo man zeitweise dachte, sie würde nie aufhören, für gescheitert erklären. Aber am schlimmsten die große Ernüchterung, dass alles, was man für diese Beziehung getan hat, sie nicht retten konnte.

“Anni, es tut mir Leid, dass ich den Tag versaut habe, du kannst ja noch gehen!” und wird wieder von Heulkrämpfen übermannt. “Nee, Annafried kann schlecht ohne ihre Agneta zum Schlagermove!” und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. “Außerdem du kennst unser Ritual, wir schließen ab mit “Tequila!”. Für alle die es nicht wissen, schon seit längerem zelebrieren wir einen Schlußmachtag mit Tequila, die ultimative Aufnahmeprüfung, für einen frischgebackenen Single, jedes Mal wenn einer “Tequila” sagt, muss man einen trinken! Also einen hätten wir da schon… Es klingelt, das sind die Zitronen, Marisol ist im Gegensatz zu uns normal gekleidet, obwohl sie ein Blümchenkleid trägt. “Und ist schlimm?” Ich nicke: “Sie hört gar nicht mehr auf zu weinen!”

Mari gibt mir die Zitronen, “Aber Tequila hast du, ich habe sonst noch einen zur Reserve?” Das wäre dann der zweite… Bewaffnet mit zwei Flaschen, Salz und einer Schüssel geschnittener Zitronenscheiben begeben wir uns zum Trauerkloß. “Ich hasse Tequila!” schluchzt sie, das wäre dann jetzt der dritte und los geht’s. Nicht nur der Alkohol prasselt auf sie ein, sondern auch unsere Fragen, was war der Auslöser, wie kam es dazu, warum gerade jetzt und zwischendurch “Tequila”! Gute Freunde antworten nur mit “Ja oder Nein”, denn Ratschläge sind auch Schläge.

“Ich hasse ihn!” “Ja”

“Ich bring ihn um!” “Nein!”

“Das tut so weh!” “Ja!” “Tequila!”

“Ich liebe ihn!” “Ja!”

“Ich verbrenne seine restlichen Sachen!” Ich: “Nein!” Marisol: “Ja!” ähh… “Tequila!”

“Ich wünschte er wäre tot!” “Ja, äh, nein!” “Tequila!”

Schon leicht beschwippst mache ich mich auf zur Musikanlage, wenn man schon mal weiße Stiefel anhat, sollte man auch mit ihnen tanzen und gerade bei Liebeskummer hilft das ungemein. “Anni was machst du da?” “Ich finde nach so vielen Taschentüchern und Tequila wird es Zeit für ein bisschen Konfetti, wir gehen nicht zum Schlagermove, also kommt er zu uns!” Wie ein kleines störrisches Kind: “Ich will nicht tanzen!” “Tequila!” und die ersten Zeilen von Abba’s “Chiquitita” laufen an. Tabi, mittlerweile schon etwas böse: “Anni, das Leben ist kein Musical!” und verschränkt ihre Arme. “Ach, ein bisschen “Glee” schadet nie!” und ich drehe die Anlage etwas lauter. “Tequila!”

Nach dem letzten Kurzen, erhalte ich Unterstützung von Marisol, wir singen und tanzen gemeinsam durch die Wohnung, immer den Blick zu Tabi gerichtet. “Ihr seid scheiße!”, beide im Chor: “Nein!” “Tequila!” “Ich hasse euch und Tequila!” Mari und ich gucken uns an: “Nein!” und heben zwei Weitere, upps, da ging was daneben, hui, das Zeug hat es in sich “Chiquititaaaaaa, try once more like you did before sing a new song, Chiquititaaaaaa!” und da war ein Lächeln, Yes! “Ihr seid so bekloppt!” “Ja!” und reichen Tabi die Hand, sie guckt etwas skeptisch und murmelt irgendetwas vor sich hin und schwupps sind wir zu dritt. “Tequila!” Wir singen zu Mickie Krauses “Ich bin solo, scheiß egal…” Wolles “Verliebt, verloren, vergessen, verzeihen” wir liegen uns lachend oder heulend in den Armen, springen über Couch, Tisch und Stuhl, wo ich ziemlich stark mit der Erdanziehungskraft zu kämpfen habe. Gerade wird Howards “Ti amo!” angespielt und Tabi kommt völlig aus sich heraus, lauthals, heulend brüllt sie den Text…

Ti amo, du sagtest ti amo
Das heisst ich lieb’ dich so
Was ist geblieben von deinem mich lieben
Von hundertmal ti amo
Sagtest du das nur so
Weil es dazu gehoert
Worte sind willig
Sind manchmal so billig

 Man redet sich selber ein
Alles das muss so sein
Hast das auch du getan
Sinnliche Spiele und falsche Gefühle
Und nun willst du wieder ein neues Ziel finden
Willst dich nicht mehr an mich binden
Stehst da, gepackt ist dein Koffer
Was gewesen, ist gewesen….

Die Tränen laufen über ihr Gesicht und gleichzeitig fängt sie an zu lachen, das ist der Tequila,  Mari und ich haken uns rechts und links an ihre Seite und stimmen mit ein…

Ein ti amo, ein schoenes ti amo
War nur Begleitmusik fuer Sommertage
Mehr kam nicht in Frage
Und ich hab geglaubt das mit uns geht so weiter
Jetzt bin ich leider gescheitert
Aber ich kann nicht bestreiten
Dass es schön war, ja so schön war

So geh’ den Weg (Stimmengewaltig betont)
Du hast ihn selbst gewählt
Wenn dich hier nichts mehr hält
Ich werde leben, auch ohne dich leben
Und werden die Tage für mich noch so schwer sein
Werden die Nächte auch leer sein
Irgendwann wird’ ich vergessen
Es wird Schluss sein, denn es muss sein

Du willst es so, ich weißdu willst es so
Bald sagst du anderswo
Ti amo, ti amo, ti amo, ti amo, ti amo…

Ja, Männer kommen und gehen, aber wahre Freunde bleiben an deiner Seite stehen, in Guten wie an schlechten Tagen. Darauf trinken wir “Tequila!”. Völlig erschöpft falle ich auf das Sofa, alles dreht sich und wir haben noch nicht einmal Mitternacht. Kurzer Handycheck, eine neue Nachricht, Nummer kenne ich nicht, “Hey, wie gehts Dir so, was machst Du heute oder morgen? Liebe Grüße Dennis.” Adonis, woher hat der meine Nummer… Tiiiiiill!!!!

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena 😉

Weiter geht es mit: Aber der Kaffee war echt gut!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

 

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