Urlaubskolumne – Drei Singles auf Malle, Ballermann, Bierkönig & GmBh

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es endlich meinen Urlaubsreport. Wie ihr ja bereits wisst, war ich eine Woche zu Gast in der größten Klapse der Welt, denn unser Urlaubsziel hieß ElArenal, auch bekannt unter dem Namen BALLERMANN 6. Ok, hierzu sollte ich noch erwähnen, dass ich mich weder zum Sauf- noch zum Sextouristen (“Singles haben hier keinen Sex”) zähle. Nachdem ich von einer Freundin gefragt wurde, ob ich mitkomme, war mein erster Gedanke – ich bin zu alt für diesen Scheiß! Der nächste – könnte lustig werden. Der darauf folgende – Hey, darüber könnte ich schreiben.

Buenos Dias Ballermann 6

Herzlich Willkommen im absoluten Wahnsinn oder wie meine Freundin es gerne formuliert “Endlich normale Leute” und der beginnt hier schon am Morgen. Während wir vom Frühstück gestärkt zum Strandapell antreten, wird hier schon gefeiert. Wie früher im Mittelalter wurden einzelne Strandareale von größeren Gruppen erobert, die zur Platzverteidigung ein riesiges Zelt errichteten. Es war auch nicht zu übersehen unter welcher Fahne die Ritter der Bierbauchrunde angereist waren, denn zusätzlich schmückte ein riesiges Banner vom 1.FC Köln und viele weitere Fußballvereine, die Wattenscheider oder JGA 2015, die Lager. Bewaffnet mit zwei Luftmatratzen und einem Schirm, konnten wir ein wenig Sand zu unserem eigenen erklären. Unsere Handtücher ausgebreitet, konnte man entspannt dem Meer lauschen, äh nein, Pustekuchen, denn die Geräuschkulisse bestand aus “Klopf, Klopf … Klack, Zisch!”, “Klack, Zisch!”, “Rülps!” “Yeahhhhhhh!”, “Huuuuuuuuuuuuu!”, begleitet von den Mallehits, denn jedes Lager hat sich zur Unterhaltung mit eigener Musik versorgt und gleich mal ein ganzes DJ Equipment mit angeschleppt, um den ganzen Strand damit zu beschallen.

Wer jetzt hier denkt, die Jugend heutzutage …, den muss ich enttäuschen, das waren noch eher die Vernünftigen, nein, ganz nach dem Motto “Je oller, desto doller!” (über)trieben es hier die Ü40er und Ü50er. Die Ritter im edlen Gewand einer Badehose gekleidet, stolz vor sich hertragend der Bauch, der hier noch weiteren Trainings bedarf, mit stets Bier to go in der Hand, ging es am Strand entlang oder auch ins Meer. Mit Eimern voll Dosen und Eis wurde aufgerüstet, die Herren wollten ja nicht auf dem Trockenen liegen.

Zugegeben in einem nüchteren, klaren Zustand ist dieses Treiben mehr als amüsant und ich kam mir teilweise schon echt spießig vor, wenn ich um elf Uhr mein erstes Bier angeboten bekam und darauf antwortete, dass ich frühstens zum Feierabend um sechzehn Uhr eins trinken würde, um mich gleich wieder meiner Urlaubslektüre (Fortbildung) “Scheißkerle” zu widmen. Ich glaube wir waren die einzigen mit Buch und WASSER.

Malle2015-1

Zur Abkühlung, denn wir hatten jeden Tag Temperaturen von 28 – 33 Grad bei wolkenfreier Himmelsdecke, ging es ins Meer, das Wasser war angenehm frisch, aber mit Ruhe war auch hier nichts, würde mich nicht wundern, wenn es irgendwann Fische gibt ,die “Aber scheiß drauf! Malle ist nur einmal im Jahr” singen. Hier ist wohl der einzige Ort, wo man auf seiner Luftmatratze liegt und musikalisch mit Vicky “Was kann denn schon geschehen, du weißt ich liebe das Leben” singen und vor sich hintreiben kann, ein wenig weiter gepaddelt empfing uns die Kelly Family und wir sangen ganz andächtig im großen Mittelmeer “An Angel” mit, dank der Boxen am Strand.

Zum Nachmittag wurde das Verhalten kurioser. Was ist schlimmer als betrunkene Männer? … BETRUNKENE FRAUEN, die Bieramazonen stehen den Herren in nichts nach, es wird gehuuut, ein freiwilliger Nippelblitzer hier und da, am Strand liegende Boote werden gekapert und drinnen mit Megaphonen zum Mehrtrinken animiert. Leicht befremdlich für mich, denn die Dame könnte meine Mutter sein, schlimmer noch, meine Zukunft! Es wird gebaggert was da ist und Männlein und Weiblein steigen freudig darauf ein, an dieser Stelle sollte ich noch erwähnen, dass die Damen und Herren in der Mehrheit verheiratet sind, allerdings nicht miteinander. (Ich habe mich da mit einigen Herren unterhalten und was auf Malle passiert bleibt auch auf Malle, scheiß drauf ist ja auch nur einmal im Jahr).

Am dritten Tag war es dann so weit, ich hatte einen Malle-Koller und mutierte zum Malle-Grinch, entwickelte eine Aversion gegen Bierbäuche, betrunkene ältere Frauen und wünschte mir nichts sehnlicher als ein Six-Pack und Ruhe, wenigstens am Tage. Nachdem unsere Freundin, die einzige Vergebene in unserer Runde abgereist war, ging es wieder in ruhigere Strandgefilde, kein “Klopf, Klopf, Klack, Zisch” – irgendwie ungewohnt.

Home sweet Home – Der Bierkönig

Abends, nachdem ausgiebig in einem Restaurant diniert wurde, ging es in den Bierkönig, wohl das Wahrzeichen von El Arenal, zumindest pilgern dort die meisten Touristen hin. Hier finden sich alle zusammen in einem riesengroßen traditionell rustikalen Wirtshaus, wo der Kunde natürlich der (Bier)könig ist. Bekannte Gesichter vom Nachmittag und die Frage, wie machen die das, den ganzen Tag ordentlich gepichelt, jetzt das Badekostüm gegen das Abendoutfit eingetauscht, können immer noch stehen und singen nicht nur, sondern zelebrieren “Wir müssen aufhörn, aufhörn, aufhörn … weniger zu trinken, wir brauchen viel mehr Alkohol!” Wie heißt es so schön, nüchtern ist man schüchtern und nüchtern ist es im Bierkönig nicht schön, also “Geh mal Bier hol’n, du wirst schon wieder hässlich, ein, zwei Bier und du bist wieder schön” passen wir uns der Masse an, Verweigerung hat hier keinen Zweck “Oans, zwoa, g’suffa”.

Malle2015-2

Ein kurzer Tripp mit der “Hardcore Gummibärenbande” zurück in die Kindheit, damals meine absolute Lieblingsserie, anstatt als Drei-Käse-Hoch im Pyjama, singe ich jetzt in zerissener Jeans-Shorts auf dem Tisch tanzend den Text, Zeile für Zeile mit, das Ganze kam dann zu seinem absoluten Höhepunkt oder Tiefpunkt, schlimmer kann es nicht werden, mit “Ich wurde tausend Mal betrogen, ich wurde tausend Mal verletzt, bin mit Dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt.” Wie bin ich da oben bloß gelandet mit “Hub-, Hub-, Hubschraubereinsatz”, nein, ich löste damit mein Versprechen ein, welches ich Monate vorher meiner Freundin gab, WIR WERDEN ZUSAMMEN AUF DEN TISCHEN TANZEN. Niveauvoll ging es dann mit “Dicke Titten und Kartoffelsalat” weiter, wo es mich dann doch lieber wieder nach unten zu den anderen Mädels auf die Tanzfläche zog.

Sportlich wurde es dann mit “Hey, wir woll’n die Eisbären sehen” und dem Borussia-Dortmund-Lied, bei dem ein riesiger grölender Männerchor das Lied so verhunzte, dass ich es erst beim zweiten Mal verstanden habe “You’ll never walk alone”. Die ersten zwei Abende hatten wir so unsere Schwierigkeiten, aber irgendwie gewöhnt man sich ja an alles, so dass ich bei unserem Abschied vom Bierkönig leicht wehmütig wurde. “Der Kopf tut weh die Beine auch, ich hab heute so ein komisches Grummeln im Bauch, wen wundert ‘s, dass mir schlecht ist, Mallorca ist hart. Ich sollte vielleicht heute nicht an den Start. Jeden Tag Pommes, Bratwurst und Bier, man ist kein Mensch mehr, lebt wie ein Tier. An diesen Tagen ist gar nichts normal, die Dauerparty wird zu Höllenqual. Aber Scheiß drauf! Malle ist nur einmal im Jahr. Olé, olé und Schalala.” Am Ende geht jeder heim ist splitternackt und pleite und fragt sich “Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag.”

Damit ein wenig Bierkönigstimmung aufkommt, habe ich alle Lieder verlinkt. Ok, ohne Bier und König klingt das alles etwas seltsam 😉

Das waren meine ersten Urlaubsinspirationen, trotz Koller und zwischenzeitlicher leichter Befremdlichkeit, hatten wir so viel Spaß, Urlaub mal anders. Weiter geht es hier, da gewähre ich Euch Einblicke in das Flirtverhalten paarungswilliger Vergebener. “Denn Singles haben hier keinen Sex.” Ein Satz, über den ich mich immer noch amüsiere, welche lustigen Kerlchen dahinter stecken, erfahrt ihr hier 😉Autor-Julia

 

Alle Urlaubskolumnen “Drei Singles auf Malle” auf einen Blick:

Eine Couch am Strand

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