Urlaubskolumne – Drei Singles auf Malle, eine Couch am Strand

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es den zweiten Teil meines Urlaubsreports. Letzte Woche gab es ja schon Einblicke in das lustige, frivole Leben einiger Touristen, unter Einfluss von Alkohol, unsere Lieblings-Lokation, dem Bierkönig und die Dauerschlagerbeschallung am Strand sowie im Meer. Natürlich bleibt es im größten Flirtzirkus der Insel nicht aus, dass man als Single auf einige interessante, amüsante und auch irgendwie kuriose Typen trifft – Bierbauchfreie Zone und Julia rennt.

Don Juans Seelenstrip

Herzlich willkommen auf meiner Couch, meiner Praxis im Süden. Die Eckdaten, attraktiver Typ, groß, sportlich, dunkleres, wuscheliges Haar, Jeans mit Polohemd, ja, man kann eben nicht alles haben.

Dank des Freundschaftsdienstes “Mach-Keinen-Scheiß-Blick”, wusste ich sehr schnell auf welches Kaliber Mann ich mich da einlasse. Mein Interesse war geweckt, aus rein wissenschaftlichen Gründen versteht sich. Seine Antwort – ES IST KOMPLIZIERT, der Klassiker, bestätigte nur meine feinen Antennen, dass der Herr vergeben ist. Aber da geht noch mehr! Seelenstrip im Minutentakt. Sehr interessant, der Typ hat zwei Freundinnen und das seit mehreren Jahren, einen Sohn mit der zweiten Dame, die später in die Beziehung der anderen platzte. Äußerst spannend, denn beide Mädels wissen voneinander, natürlich wusste die vorige “Geliebte” zuerst von der “Frau” und Jahre später, die Freundin von der anderen, irgendwann stand sie bei den beiden auf der Terrasse vorm Schlafzimmer, sie war den Falschparktickets nachgegangen und eine betrogene Frau ist bekanntlich besser als das FBI. Sie dulden sich und jede hofft, dass er sich natürlich für SIE entscheidet. Er hat absolut recht DAS IST WIRKLICH KOMPLIZIERT, ausnahmsweise. Das Kerlchen ist gestresst, beschwert sich über die ersten grauen Haare, da beide Damen den Druck nach und nach erhöhen und, oh Wunder, sehr unzufrieden mit der Gesamtsituation sind. Zudem will er sich nicht entscheiden, ja, warum auch, solange beide Herzdamen das mitmachen, der Leidensdruck ist eben noch nicht hoch genug.

Sprachlos durch die Nacht, war dann sein Freund, nachdem ich voller Stolz verkündete “Ich werde nicht Nummer drei.” und ihm das komplette Gesicht entglitt. “Was, du hast ihr alles erzählt!” Ja, hat er und ich bin selbst überrascht, wie tief er mich in sein Beziehungschaos hat ein blicken lassen. Jeder lebt in seiner eigenen Hölle, die er sich selbst erschaffen hat und jetzt beschwert sich Don Juan, dass es ihm zu heiß wird und setzt dem Ganzen noch die Krone auf, indem er zu mir sagt: “Ich würde bleiben, wenn du mit mir die ganze Nacht verbringst.” Ok, das war ganz klar eine Drohung und aktivierte meinen Fluchtreflex – Lauf, Julia, lauf …

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Rein, raus Micky Maus

Voller Stolz verkündete ich “Single” und dachte eigentlich, dass ich mich zu dem Jackpott zählen dürfte, aber mein Gegenüber vermittelte mir eher eine Nietenbeteiligung. Joa, das kann ich so nicht stehen lassen. “Was ist denn an einem Single soooo schlimm?” Und der Typ fängt an mich aufzuklären:

“Also eine Singlefrau möchte erst einmal eingeladen werden, dann möchte sie sich unterhalten, einen kennenlernen, auf die Frage, ob man auf ‘s Zimmer geht, fängt Madame an rumzueiern und wenn man sie zum Hotel bringt, heißt es am Ende, so eine bin ich nicht, aber die Telefonnummer, die möchte sie trotzdem haben. Singles haben hier keinen Sex.”

Das ist ja unfassbar, schämt Euch liebe Singlemädels, wie könnt ihr nur so viel von einem Mann verlangen, absolute Frechheit. Respekt und Anstand sind hier völlig überbewertet. Jetzt bleibt natürlich die große Frage, worüber hätte er sich mehr gefreut, ich glaube, ihr ahnt es schon! Ja, angeblich sind hier die vergebenen Frauen viel unkomplizierter.

“Mit der trinkt man einen, dann knutscht man und geht auch schon auf ‘s Zimmer, rein, raus, Micky Maus, keine Telefonnummern und fertig.”

“Ok und du bist?” – “VERGEBEN.” Nichts anderes hatte ich erwartet, die Paare paaren sich halt eben lieber miteinander, auch wenn der Partner zu Hause auf die Kinder aufpasst. Seine Aussagen decken sich mit meinen Beobachtungen, aber was auf Malle passiert, bleibt auch auf Malle. Irgendwie aktivierte das auch wieder meinen Fluchtreflex. Lauf, Julia, lauf …

Lichtblicke mit Dämmerung

Ein Wegbegleiter für zehn Minuten, zu Fuß unterwegs auf dem Walk of Shame (der Weg zum Hotel, nach durchzechter Nacht). Ein lustiger Typ, schneller Gang und weiß ganz genau, was er nicht will – Frauen, denn er lernt gerade in seiner Heimatstadt seine Herzdame kennen. Ein Lichtblick! Frauen sind hier viel zu teuer, da wäre es günstiger, wenn man sich eine Nutte holt. Früher konnten sie kochen wie Mutti und heute saufen sie wie Vati. Dem musste ich widersprechen, bei mir ist es genau umgekehrt, hoffnungsvoll sah er mich an: “Was du kannst kochen?” – Nee, saufen wie Mutti…

Er sei hier nur wegen dem Alkohol. Es wird wieder dunkel! Sommer, Sonne, Wodka – Eine Woche dauerbreit. Das reicht ihm, das macht ihn glücklich, keine nervigen Weibergeschichten, kein Sex, denn er ist ja auch (noch) Single, denn Singles haben hier ja keinen Sex.

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Karma

Ich sitze am Strand, das Meer rauscht und lausche seinen Worten. Der Schmerz sitzt tief, seine Freundin hat ihn betrogen, seit einem halben Jahr versucht er zu verzeihen, zu vergessen, er kämpft für sie, mit sich und doch scheint alles vergebens, er ist nicht glücklich, unsicher und darüber zu reden macht ihn traurig. Ich höre weiter zu. Er war sogar mal verheiratet, sechs Jahre, aber sie hat sich getrennt, weil er ein Stelldichein mit einer ihrer Freundinnen hatte. Ich sage nur Karma, irgendwann bekommt man all das zurück, was man anderen Menschen gegeben hat. An dieser Stelle, ich habe da eher ein Vorkassen-Karma.

Es macht alles keinen Sinn mehr und wirft einen Ring in den Sand, wahrscheinlich mit einer Bedeutung, ich bin jetzt Single und so froh, dich getroffen zu haben, vielleicht ist das Schicksal, vielleicht bist du ja die Richtige und alles soll so sein. Ich, Schicksal, die Richtige! Jetzt, sieht er mich als sein Beziehungsrettungsboot und möchte am liebsten direkt vom sinkenden Schiff zu mir überwechseln. Die Traurigkeit verschwindet und seine Augen fangen an zu leuchten. Ich klopfe mir selber auf die Schulter, Jesus, da hast du ja wieder gute Arbeit geleistet, eine Berührung und er ist von seinem Kummer und Schmerz geheilt. Nicht wirklich, ich bevorzuge dafür das Wort – Problemverlagerung! Aktivierung des Fluchtreflex in drei, zwei, eins. Lauf, Julia, lauf …

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Eine Couch am Strand

Ich hätte doch Psychologie studieren sollen, alleine wie viele Patienten hier rumlaufen, ich würde meine Praxis direkt am Strand haben und mich bei den anderen “Strand-Verkäufern” – Schöne Uhr – Ray Bw achtzig Jahre Garantie – Hallo, Bier, Melone, Coco – Do you want a massage? – mit “Do you want a therapie? You have problems, you can tell me all! You have a bad relationship? I can help you, for ten Euros per hour. – Hundert Jahre Garantie!

Nächste Woche gibt es dann den letzten Teil meiner Urlaubskolumne, wo man lecker essen gehen kann, den schönsten Strand auf Mallorca und ganz viele Fotos.

Autor-Julia

 

Alle Urlaubskolumnen “Drei Singles auf Malle” auf einen Blick:

Ballermann, Bierkönig & GmBh

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