Urlaubskolumne – Drei Singles in Amsterdam

Hallo ihr Lieben,

ich habe es endlich geschafft unseren Wochenendtrip in Worte zu fassen. Ich packe meinen Koffer, schnappe meine Mädels, steige ins Auto und los geht’s, nach Malle und Rügen nächster Halt – Amsterdam.

Drei Singles in Amsterdam

Ein Flug wurde sofort kategorisch ausgeschlossen wegen Gepäck, eine Bahnfahrt die ist lustig, eine Bahnfahrt die ist schön. Moment mal, bei den jetzigen Benzinpreisen könnten wir auch mit dem Auto fahren …

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ROADTRIP LADIES

Der Weg ist relativ simpel von Hamburg auf die Autobahn und geradeaus – rechts – geradeaus – rechts – geradeaus -rechts – geradeaus – rechts – Amsterdam. Die Fahrzeit liegt bei vier bis viereinhalb Stunden, damit keine Langeweile aufkommt, hatten die Mädels glaube ich, einen Kiosk überfallen, das würde das große Sortiment an Zeitschriften in meinem Auto erklären. Musikalisch werden wir mit verschiedenen Radiosendern unterhalten, ganz laut wird die Anlage bei Beatrice Eglis Hit “Mein Herz das brennt” aufgedreht. Zur Überraschung sind wir sehr, sehr textsicher, wahrscheinlich noch Nachwirkungen vom Malle-Urlaub, diese Songs brennen sich aber auch ins Hirn ein …

Fahrtkosten: Benzin 100 € hin und zurück, also pro Person 33 €

HOME SWEET HOME

In unserer Straße angekommen, stehen wir gleich schon vor der ersten Herausforderung – die Treppe. Normalerweise freut man sich ja, wenn es so richtig steil nach oben geht, aber voll bepackt mit Koffer und Taschen, ist man mehr mit den Gedanken beschäftigt, wie komme ich da denn wieder runter und später noch mit hohen Schuhen!? Oben angekommen passt der Schlüssel nicht, falsche Wohnung, noch eine Treppe höher, da passt der Schlüssel auch nicht, komisch. Stimmen und Schritte kommen näher, die Tür geht auf und ja, wir sind in der falschen Wohnung, Rückzug und wieder runter. Ach guck an, da unten ist ja noch ein zweites Schloss, war das eben auch schon da!? Der Vorteil bei diesem Schloss, wenn man nachts nach Hause kommt, kann man, nachdem man die Treppe hoch gekrabbelt ist, im Liegen aufschließen, eine Art Katzenschloss.

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Wir hatten uns über Airbnb eine 2-Zimmer-Wohnung im Osten von Amsterdam gemietet. Ein Künstler-Appartment mit einem lichtdurchfluteten Wohnzimmer. Mein erster Gedanke – hier könnte auch mein Ex wohnen, identische Möbel und sehr minimalistisch mit Retro Deko. Koffer abgestellt und schon sind sie explodiert, der Boden war nach kurzer Zeit gepflastert von Klamotten, weil man sich der Frage gestellt hatte “Was ziehe ich an?” und das mal 3. Der Esstisch wird zum Schminktisch zweckentfremdet, man kann ja hervorragend vom Boden essen. Schlampen – schuldig im Sinne der Anklage.

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Die Wohnung hat so ihre Special-Effects, aber gerade die haben den Aufenthalt noch spektakulärer gemacht, ein Hotelzimmer ist hingegen eher langweilig und lediglich für Geschäftsreisen zu empfehlen. Erster Tag – da steht ein Nacktflitzer in unserem Flur. “Das Wasser ist kalt.” Bevor wir duschen, müssen erst einmal die Funken sprühen, damit dem Boiler so richtig eingeheizt wird. Es ist eine absolute Männerwohnung, kein Ganzkörperspiegel, ist das zu fassen, wie kann Mann so leben, deswegen wurde quasi gleich das nächste Schaufenster angesprungen.

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Unterkunftkosten: Pro Nacht 36 €, zwei Nächte pro Person 74 €

WE LOVE AMSTERDAM

“Warum waren wir hier nicht schon vorher?” Manchmal liegt das Gute so nah und Amsterdam ist einfach zauberhaft. Diese kleine Stadt hat ihren ganz eigenen Charme, nichts ist weit voneinander entfernt und der öffentliche Verkehr ist erste Sahne. Unsere Holländer hatten uns vom Touri-Programm abgeraten – lauft einfach planlos durch die Gassen, wenn ihr die Stadt kennenlernen wollt. Kein Problem bei drei Mädels mit einem eher spärlichen Orientierungssinn. Der Vorteil daran, man achtet nicht auf den Weg, sondern man lässt sich mit den Menschen irgendwohin treiben  und überall dieser süßliche Geruch. New York, die Stadt die niemals schläft und Amsterdam, die Stadt die immer kifft. Eine Tasse Kaffee, ein Joint und ein Schwätzchen, völlig normal.

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“Wetten, du führst uns ins Rotlichtmilieu.” scherzhaft zu unserer Freundin, die zielstrebig aber planlos uns durch die schmalen Straßen führt. Sie schüttelt den Kopf, da will ich gar nicht hin. Kurze Zeit später, die ersten nackten Frauen im Fenster. War ja so klar, dass es die Hamburger Deerns als erstes auf die sündige Meile zieht, wie ein Magnet, ich meine, wir sind quasi mit Puff groß geworden. So, wo sollen wir arbeiten? Im Gegensatz zu Hamburg, was mir jetzt echt ein wenig spießig vorkommt, mit der Herbertstraße NUR für Männer, räkeln sich die Mädels hier barbusig, lasziv mit kurzen Höschen hinter den Fensterscheiben für jeden, ach, Kinder laufen hier auch.

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Wieder zurück auf dem Keuschheitspfad, oh, Kääääääääse … ich liebe Kääääse und futtern uns durch das Sortiment, Großeinkauf für zu Hause und die liebe Familie. Das Geld ist ja nicht weg, sondern nur woanders, wenn man bedenkt gerade vierzig Euro für Käse gelatzt zu haben. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, Selbstliebe auch und deswegen haben wir gespeist, wie Gott in Frankreich, um den Touristenabzockerfallen zu entgehen, man meide große Plätze und gehe immer in die Seitenstraßen, checkt kurz im Internet die Bewertungen und erlebt keine Enttäuschung. The Navigator ist da der absolute Profi und es war immer soooo lecker.

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Eine Bootstour haben wir gleich am ersten Tag gemacht und mein Plan fürs nächste Jahr, ein Hausboot zu mieten, hat jetzt zwei weitere Anhänger. YES. “Aber nicht so eins, das säuft ja gleich ab.” Tja, wenn man morgens aufsteht und als erstes Fische statt Vögel sieht, dann hat man wohl irgend etwas falsch gemacht, ganz schlecht, ganz schlecht.

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Ich stehe auf einer Brücke, der Wind weht durch mein Haar von der Sonne geblendet, gucke ich zur Seite und betrachte die alten Häuser, die aneinander gereiht bis ins Unendliche gehen. Ich halte inne und nehme den Zauber in mir auf, die Sonne kitzelt auf der Nase. Stille. Ich bin verliebt und genieße den Moment.

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FRAUENKRAM

Während wir uns abends in unserer Butze fertig machen, wird erst einmal gelästert, also meine Mädels legen gerade richtig los ihren Körper zu dissen, das gefällt nicht und hier habe ich auch noch eine Problemzone – guckt Euch meine Augenringe an – ja, und meine Oberarme, viel zu dick … und so grimmig, wie sie gucken, gibt es jetzt noch ein paar Fältchen gratis dazu. Ein bekanntes Phänomen. Echt jetzt. “STOPP”, schreit es aus mir heraus. Zufälligerweise sitzen wir in einem Kreis, gut, es ist mehr ein Dreieck, welches weit verteilt ist – eine auf der Couch, die andere am Schminktisch und ich am Boden vorm Ofen. “Es muss doch auch etwas geben, was du an Dir nicht magst!” Ich überlege kurz. “Ja, mein linker rechter, kleiner Zeh ist ein Millimeter zu lang, ihr glaubt gar nicht, wie das in den Schuhen aussieht, furchtbar …” Also ehrlich, Dissen auf hohen Niveau!

Als Psychotante geht so etwas nun gar nicht. “Ihr verbreitet mir hier viel zu viel Negativität. Schluss jetzt. Sagt doch mal zur Abwechslung, was dir an dir gefällt.” und gebe den Ball an die erste Dame unserer Runde. Sie fängt an: ihre Stupsnase, absolut, andere blechen dafür tausende von Euros, ihre langen Haare und es werden immer mehr Details genannt, nun fängt die andere an, eher zögerlich. “Es ist in Ordnung, wenn du dich schön findest, das ist nicht eingebildet.” und der Stein fängt an zu rollen, Leuchten in den Augen, sie lächeln, das gibt zwar auch Falten, aber das sind positive Falten 😉 “Wir sollten öfters solche Selbsthilfegruppen machen.” wir fangen alle an zu lachen, Mann, sind wir verrückt. Ich bevorzuge ja das Wort STRANGE. Frisch gestärkt mit Positivität, verlassen wir unser HOME SWEET HOME. Let’s go Girls, denn wir sind die Nacht.

Am Montag geht es weiter mit GOOD NIGHT AMSTERDAM und dem Penis von Amsterdam, El Comandante, Hans-Albers-Platz und weitere lustige Geschichten aus Holland.

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