Anna-Lena’s Single-Kurzgeschichten – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Single-Kurzgeschichten – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Anna-Lena’s Single-Kurzgeschichten – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Oh, Mann, in was bin ich hier schon wieder hinein geraten. Ich sitze in einer Bar, ganz hinten, zwischen Zigarettenautomat und den Klos. Es hat ein leichtes Feeling einer U-Bahn, Tür auf, Tür zu! Ich habe den perfekten Blick, vorne zur Bar. Im Visier zwei Typen, der eine blond, normale Figur um die 30, der andere braune kurze Haare, groß und athletisch gebaut. Eigentlich ist da nichts ungewöhnliches dran, wenn zwei Frauen am Mittwochabend ein Glas Wein in einer Bar trinken. Nur der Grund weswegen wir heute hier sind, könnte man als verwerflich erachten. Allerdings sollte ich erwähnen, dass nicht ich selbst die menschliche Entgleisung bin, sondern meine Begleitung. Meine Freundin Tabi spielt heute Stasi, wir observieren ihren Freund, besser gesagt, ich beobachte ihren Freund, denn sie versteckt sich hinter der Getränke und Speisekarte. Sie ist ja der Meinung, dass wir nicht kontrollieren, sondern wir recherchieren. Heute ist „Männerabend“ mit Fußball und Bier, aber sie glaubt das nicht, sie vertraut ihm nicht! Aber muss sie deswegen gleich in die Rolle einer Miss Marple rutschen?

„Anni, guck mich nicht so an, darf ich Dich erinnern, dass es noch gar nicht so lange her ist und Du CSI bei einem Typen in der Wohnung gespielt hast!“ Erwischt, aber welche Frau würde nicht anfangen die Wohnung nach weiteren Indizien zu durchsuchen, nachdem sie ein BLONDES, langes Haar auf einem seiner Esszimmerstühle gefunden hat! Ich habe braune Haare! „Das ist etwas völlig anderes!“ entgegne ich ihr. „Ja, klar Anni, wie eine wild gewordene Tarantel in sein Schlafzimmer zu stürmen und das Bett auf weitere Spuren zu untersuchen und in seiner Spülmaschine nach gebrauchten Gläsern mit Lippenstift zu fan- den, ist etwas völlig anderes!“ In meinen Augen schon, denn sie ist in einer Beziehung und ich bin Single!

Gerade als Single gestaltet sich das mit dem Vertrauen schwierig. Da tritt jemand völlig Fremdes in unser Leben, er ist interessant und wir kennen nur seinen Namen und ein paar Eckdaten. Kann oder vielmehr, soll man jemandem vertrauen, der einem noch völlig fremd ist? Im Laufe eines Lebens sammeln sich so einige Dämonen von Enttäuschung und Verletzung an. Wie ein Schatten heften sie sich an uns und man wird sie irgendwie auch nicht mehr los. Meine Höllenhunde haben mich vorsichtiger gemacht und zum Glück nicht ver- rückt! Diese dunklen Begleiter kann man auch effektiv für sich nutzen, denn eigentlich wollen sie uns nur vor dem gleichen Fehler oder die nächste Enttäuschung schützen, man darf ihnen nur nie die Oberhand geben. Vertrauensvorschuss empfinde ich da als absoluten Blödsinn. Ich bin etwas altmodisch, Vertrauen muss Man(n) sich verdienen!

„Frauen verlieben sich in Worte, Männer ins Aussehen, das ist der Grund, warum Frauen sich schminken und Männer lügen!”

Nur bloße Worte sind ein viel zu geringer Aufwand, für ein so großes Ziel. Ich vergleiche mittlerweile seine Worte mit seinen Taten, denn nur was ein Mann für eine Frau tut zählt und nicht das was er sagt. Ist das identisch – super, wenn nicht, befindet sich der Vogel auf einem absteigenden Ast. Da kann mir der Spatz noch das schönste Lied zwitschern, wenn er nicht anfängt den Ast zu stabilisieren und stattdessen daran sägt. Sorry, kleines Vögelchen, dann wirst du abgeschossen. Nachdem ich in seinem Bett und in der Spülmaschine fündig geworden war, ok, es könnte auch ein Haar von mir sein, welches nicht von der Haarfärbung erwischt wurde, davor war ich ja mal blond… und der Lippenstift…, vielleicht eine Schwester, Mutter oder nur eine „Freundin“! Ich liebe sie, meine Strohhalmgedanken!

Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß, aber wenn ich es weiß, PENG! Ich erwarte nicht viel, nur ein kleines bisschen Sicherheit und wenn mir ein Mann genau dieses Gefühl vermittelt, entsteht Vertrauen und mit weniger darf man sich nicht zufrieden geben. Das einzige was man am Anfang kontrollieren sollte, ist seine eigene Gefühlswelt, damit man im schlimmsten Fall nicht zum Liebeszombie mutiert, gaaaaanz wichtig!

Tabea befindet sich allerdings in einer Beziehung und das nicht erst seit gestern. Meine andere Freundin, Marisol, ist ja der Meinung, dass das mit dem „Vertrauen“ von einem Mann ist, damit er besser betrügen kann. Frei nach dem Motto „Also wenn du mir nicht vertraust, dann hat diese Beziehung auch nicht viel Sinn!“ Eigentlich ist es doch ganz einfach! „Dann gebe du mir bitte auch keine Gründe dir zu misstrauen!“ Immerhin ist Marisol verheiratet und glücklich, aber was ist ihr Geheimnis? Sie ist eine selbstbewusste, ehrgeizige, liebevolle Frau und kann auch gut allein sein, das weiß er, sie vertraut ihm, aber nicht blind, das weiß er auch und hin und wieder kontrolliert sie ihn, aber das weiß er nicht!

„Und, Anni?“ „Es steht 2:1!“ „Ich meine nicht das Spiel, macht er irgend etwas?“ „Außer sein Bier zu trinken und Tobi umarmen, nachdem wir in Führung gegangen sind, macht er nichts!“ Aber was möchte Tabi heute heraus finden? Dass gleich zwei vollbusige Blondinen sich ihm an Hals schmeißen und er darauf eingeht?

Dass er sie wieder hintergeht, nachdem sie sich wieder einmal gestritten haben und er der Meinung ist, die Beziehung hätte keinen Sinn mehr! Dass er seinen Körper mit einer fremden Frau teilte, der anderen die Zuneigung gab, als Tabi am Boden zerstört, zu Hause auf ihn gewartet hat! Das Vertrauen, welches in 1 Jahr entstanden war, wurde in nur einer Nacht, in nicht einmal 2 Stunden zerstört. Sie hat ihm verziehen, sehr großzügig von ihr, aber vergessen kann sie es nicht. Und deshalb sitzen wir hier. Ja, sie ist verrückt, es ist wie mit Frankensteins Monster, er hat SIE erschaffen. Ich mein es spielt sich alles im Kopf ab, kein Wunder, dass irgendwann die Nerven blank liegen und eine Sicherung durchknallt. Es ist einfach nur menschlich, denn sie wurde so verletzt, dass ihre Dämonen, die Überhand gewonnen haben und sie nur noch von emotionalen Gedanken gesteuert wird und nicht vom rationalem Denken. Vor gar nicht all zu langer Zeit, haben wir uns über solche Frauen lustig gemacht und jetzt ist sie selbst eine von ihnen.

Es ist gar nicht völlig anders! Sie vertraut ihrem Freund nicht, genauso wenig, wie ich als Single, einem neuen Mann vertraue. Obwohl sie sich seit 1 Jahr kennen, hat sie jetzt das Gefühl ihn gar nicht zu kennen, sie hätte ihm das nämlich nie zugetraut. Wir befinden uns im gleichen Zustand, alles auf Anfang oder eher Ende, denn sie kann unmöglich da weiter machen, wo sie vorher war.

Allerdings könnten wir jetzt ein kleines Problem bekommen, denn der dunkelhaarige Typ, kommt direkt auf uns zu. Wichtig, wenn man jemanden beschattet, sich nicht erwischen lassen!!! MISSION gescheitert! Denn Tobi begrüßt mich und ich merke etwas an meinem Bein, unterm Tisch. „Anni, was machst Du denn hier?“ „Hey Tobi, ja so ein ZUFALL…“ „Und wie ich sehe bist Du nicht allein!“ Tja, zwei Weingläser auf einem Tisch, sind ein klares Indiz dafür, dass man nicht allein ist. „Äh, ja, ich habe ein Date und meine Begleitung ist gerade auf Klo.“ Das hat er geschluckt und nickt mit dem Kopf, um sich anschließend Zigaretten zu holen. Wir sind auch so blöd, positionieren uns vor einem Automaten, wenn man zwei Raucher bespitzelt. „Deine Begleitung braucht aber lange!“ „Ja, das geht so durch, kennst Du ja!” Bevor er sich wieder zur Bar begibt, beugt er sich zu mir und flüstert ins Ohr. „Du kannst Tabi sagen, sie kann wieder unterm Tisch hervor kommen und ich werde nichts verraten.“ Wir sind so etwas von AUFGEFLOGEN. Mit einem letzten mitleidigen Blick, dem Blick, “Ich weiß, was sie gerade durchmacht!”, zieht er an mir vorbei. Denn sie sind Leidensgenossen, Tobi wurde auch betrogen. Viele Frauen sind der Meinung, Männer haben keine Gefühle, nur weil sie nicht darüber reden, aber das sitzt tief, ganz tief.

            “Für Frauen stürzt eine Welt zusammen, für Männer ein ganzes Universum!”

Vertrauen und Kontrolle, das hat nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt und Anstand. Behandle jeden Menschen so, wie er auch behandelt werden möchte! Ich denke, wenn eine „normale“ Frau, den Drang verspürt ihren Partner zu kontrollieren, dann geschieht das nicht ohne Grund. Höchstwahrscheinlich ist es ein Bauchgefühl, eine innere Stimme, unser biologisches Warnsystem meldet sich. Ich rate jetzt nicht Sherlock Holmes und Dr. Watson zu spielen, denn dann ist eigentlich alles schon zu spät. Dieses Gefühl sollte man aber auch nicht ignorieren, denn irgendetwas stimmt nicht und unsere sensiblen Antennen haben schon ihre Fühler ausgestreckt. Langsam rutsche ich auf meinen Stuhl hinunter und beuge mich untern Tisch: “Tabi, du kannst wieder hoch kommen, er ist weg.”

Bis zum nächsten Mal…

Eure Anna-Lena 😉

Weiter geht es mit: Quantitat statt Quallität!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.