VOTING: Singles, Pärchen & Facebook!

1,2 Milliarden Menschen, Unternehmen und Institutionen nutzen Facebook mittlerweile, die Social-Media-Plattform hat in neun kurzen Jahren mal eben alles verändert. Facebook ist wie die Stasi, mit dem Unterschied, dass wir unsere Akten dort selber anlegen und alle machen mit, denn alles, was einmal im Netz ist, bleibt auch da, wir hinterlassen eine Datenspur, sogar über den Tod hinaus.

Heute unterwerfen sich mehr als eine Milliarde Menschen freiwillig einer sozialen Kontrolle, die härter richtet als eine sizilianische Dorfgemeinschaft. Sobald wir uns auf einer Seite anmelden, wo nichts privat ist und öffentlich wird, entwickeln wir ein Internet-Ich. Das gesunde Internet-Ich agiert medienkompetent, selbstkritisch und wachsam auf so einer Platform. Das gemeine Internet-Ich ist das Gegenteil. Es braucht die Aufmerksamkeit, es ist gefallsüchtig, es enthemmt die Privatsphäre und sammelt stets Beweise dafür, dass das eigene Leben interessanter und intakter ist als jenes der “Freunde”. Vielleicht kennt ihr das ja, dass es einige Personen aus der Freundesliste gibt, die einen gerne über alles informieren und wahre Profilneurosen entwickeln und jede noch so private Emotionsregung in die Welt hinaus posten müssen. Morgens gibt es den Guten-Morgen-Kaffee, dann das Mittagessen, zwischendurch den Gemütszustand inklusive Frust, gute Laune oder Herzschmerz, Fotos von sich, Hund, Katze, Maus oder Kind und abends das Abendbrot, irgendwann wird Gute-Nacht gesagt und am nächsten Tag geht die Informationsflut weiter. Das Profilfoto und Titelbild wird wöchentlich aktualisiert und die Selbstdarstellung perfektioniert oder der Situation angepasst, es ist eben eine der wenigen Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit so zu präsentieren, wie man sich selbst gerne sieht. Fotografieren, posten und sich selbst inszenieren, statt die Momente zu erleben und zu genießen!

Singles und Facebook:

Es gibt Singles die posten hin und wieder mal Fotos, von sich, seinen Freunden und Unternehmungen, die Informationen halten sich in Grenzen, die Privatsphäre wird primär nur mit “Engen Freunden” geteilt und das Profil / Titelbild alle paar Wochen oder Monate gewechselt. Der Status ist selten aktuell und ab und an ein “Gefällt mir” oder Kommentar. Sie beklagen sich nicht öffentlich und wenn, posten sie nur positive Sachen und lustige Sprüche, vielleicht öffnen sie mal eine Nuss und sind bedacht, welche elitäre Auswahl der Fotos  ins Netz gelangen darf. Und dann gibt es die anderen Singles, die sich öffentlich über die bösen Männer oder Frauen beklagen, ihren Beziehungstatus ständig ändern, von Single, in einer Beziehung, es ist kompliziert und wieder Single. Am Sonntag tauchen vermehrt Party-Bilder vom Wochenende auf, total betrunken, erweiterte Pupillen, Frau küsst Frau und danach nochmal knutschend mit einem Mann, mit dem Titel: “Was für eine geile Nacht!” und das jedes Wochenende von den üblichen Verdächtigen. In der Woche gibt es den Barbesuch, eine Verlinkung im Kino, Restaurant oder zu Hause, Bilder – es wird markiert, wer auf dem Foto zu sehen ist oder auch nicht… Der Status wird ständig aktualisiert, bis zu drei Mal am Tag und die Einträge Non-Stop kommentiert. Montags wird immer gejammert, ja, ja, der böse Montag, Freitag wird das Wochenende eingeläutet und Samstag, will man glückliche Pärchen im Park vergiften, weil die Sonne scheint!

Pärchen und Facebook:

Genauso gibt es diese militanten Pärchen, die, anstatt sich gegenseitig im Privaten ihre Liebe zu beteuern, ständig ihr FB-Umfeld als Mittelsmann für ihre Liebesschwüre und Aktivitäten missbrauchen. Es wird ständig gegenseitig verlinkt, der Status des anderen geliked und kommentiert, man postet sich Herzchen auf die Pinnwand und jeder darf dabei sein. Während des Urlaubs entsteht das gemeinsame Fotoalbum, welches auch täglich aktualisiert wird, ständig schauen zwei strahlende Gesichter einen an, mit Essen, am Strand, im Bett. Einige Posts gehen sogar so weit, dass die jeweiligen Personen nebeneinander sitzen und sich über die Pinnwand unterhalten. Wem dieses Verhalten auf die Nerven geht, ist nicht etwa der pärchenallergische Neidhammel, sondern hat im Gegenteil eine gesunde Einstellung.  Denn das übertriebene öffentliche Mitteilen von Details über das Privatleben über Facebook kann Liebesbeziehungen zerstören. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Erhebung der University of Kansas. Eines der negativen Aspekte dabei ist der Verlust des sich “Einzigartig-Fühlens”, der mit den Bekundungen einher geht. Intime Gefühle werden somit nicht nur mit dem Partner, sondern mit der gesamten Facebook-Community geteilt. Die Forscher richteten für die Untersuchung mehrere Test-Profile ein. Je höher die Offenheit der persönlichen Gefühle war, umso geringer wurde die Intimität wahrgenommen. Ja und dann gibt es noch Paare von denen hört man gar nichts oder wenig, auf einmal taucht im Profilbild ein Hochzeitspaar auf oder sie sind zu dritt, Kinder die schon so groß sind und man wieder merkt, wie schnell doch die Zeit vergeht.

Kennt ihr bei Facebook die sogenannten Pärchenseiten, dort werden alle gemeinsamen Daten ungefragt abgespeichert, vorausgesetzt man hat seinen Beziehungsstatus mit seinem Partner verlinkt,  Wenn man auf das Profil eines Freundes klickt, unter “Freunde” und dann auf “Freundschaft anzeigen” kommt man auf die verknüpfte Freundschaftsseite.

Fragen über Fragen:

Egal ob Single oder Paare, warum haben einige ein so überdimensionales Bedürfnis, ihren Alltag und das Leben, mit so vielen Menschen zu teilen. Brauchen sie die ständige Aufmerksamkeit, sind “Gefällt mir”-Angaben eine Bestätigung in ihrem Tun und Sein?  Gerade wenn man frisch verliebt ist möchte man es in die Welt hinaus schreien und sein Glück teilen. Was mich stutzig macht, ist die Übertreibung. Ich habe schon einige Paare erlebt, die stets bemüht waren, jedem auf die Nase zu binden, wie unfassbar glücklich sie sind, und das eindeutig über ein „normales“ Maß hinaus. In den meisten Fällen hielten diese Beziehungen nicht lange. Woran liegt das? Sind sie so damit beschäftigt nach außen etwas darzustellen und dabei ganz vergessen, dass es eigentlich viel wichtiger ist, wie eine Beziehung in ihrem Kern funktioniert?

Meine Meinung:

Die Liebe wird immer oberflächlicher. Man will alles und das am besten sofort. Es ist kein ungewöhnliches Bild mehr, wenn ein Paar bereits nach drei Monaten Beziehung, in eine gemeinsame Wohnung zieht, sich sofort verlobt oder die Frau schon schwanger ist. So schnell wir von null auf hundert springen, so schnell fallen wir auch wieder zurück. Ist das alles echt oder lieben wir nur das Gefühl, das wir für einen kurzen Moment haben?  Wo ist noch Raum für das „sich Zeit lassen“? Achtung Suchtgefahr, so oft suchen einige den Zuspruch oder das Mitleid Außenstehender, forciert durch geschickt platzierte Aussagen. Sollten wir nicht stattdessen mehr auf uns selbst bedacht sein? Nennt mich altmodisch, aber ich teile meinen Freund nicht gerne und erst recht nicht bei FB, Liebesbekundungen, was wir machen, wo und wann, das gehört nur uns und nennt sich Zweisamkeit, die ist etwas ganz Besonderes, man sollte sie achten und schützen und nicht inflationär digitalisieren. Liebe 2.0 ist eine abgespeckte Version ihres Vorgängers Liebe, sie stellt nach außen dar, was wir in diesem Moment verpassen, nämlich das Jetzt und Hier zu genießen.

ES DARF WIEDER GEVOTET WERDEN: Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema, freue mich über Eure Kommentare, Kritik, eigene Erfahrungen und die Beantwortung meiner Fragen. Wie immer ist das Voting anonym und es sind mehrere Antworten möglich!

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Männer:

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Wer mehr über das gesunde und gemeine Internet-Ich erfahren möchte, klickt hier zu dem Fachartikel von: Anitra-Eggler-Wer-steuert-das-gemeine-Internet-Ich

Quellenangabe: Fotografie © guteksk7 – Fotolia.com #72305715

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