Wenn Frau zum Jäger wird!

ACHTUNG: Fortsetzung von Digitale-Männlichkeit!

„Till“ und falle meinem besten Freund um den Hals. Der hat es echt gut, er wohnt direkt auf dem Kiez, für mich ist das immer eine halbe Weltreise. „Oh, ha, ich wusste gar nicht, dass ich heute der Hahn im Korb bin!“ und beobachtet das Eintrudeln meiner Mädels. „Eins, zwei, drei, vier …, das wars?“ „Jip, wir sind jetzt vollzählig.“

Wer noch niemals in lauschiger Nacht einen Reeperbahnbummel gemacht, ist ein armer Wicht, denn er kennt dich nicht, mein St. Pauli, St. Pauli bei Nacht und die Karawane zieht weiter, denn die Anna-Lena hat heute noch etwas vor. In der ersten Bar bekomme ich gleich schon etwas Zuspruch von ein paar Mexicanern. Ich spüre wie die tomatige Schärfe meine Kehle hinunter rinnt und ein wohlig warmes Gefühl in meinem Magen verursacht. „So, Anni haben wir einen Plan?“ möchte Tabi von mir wissen. Meine derzeit brünette Freundin, welche sich meiner Meinung nach gerade in einem Selbstfindungsprozess befindet, kann es wohl nicht abwarten weiter zuziehen.

Die Jagd im Großstadtdschungel bei Nacht ist eröffnet. Sowohl Weibchen wie Männchen trinken sich gerne etwas Mut an, demnach hat Tabi heute wohl auch noch etwas vor. Ach ja die Pflasterphase, denn wenn man verletzt wurde, hilft es die Wunde zu verdecken, allerdings heilt sie selten dadurch, dafür ist diese Wunde einfach zu tief. Till lenkt sich dann sehr gerne ab, während Tabi sich lieber trösten lässt. Wir erreichen unser heutiges Ziel, das Moondoo, hier war ich schon länger nicht mehr, es passt einfach nicht zu meiner Rockatitude. Till betritt diesen Laden mehr mit Erinnerungen, als mit Zuversicht. Ein kurzer Blick von den Türstehern und der Einlass wird uns gewährt. In dem Club herrscht ein buntes Treiben, die Leute tanzen ausgelassen zu den Elektro Beats des DJs, Till an forderster Front zieht es erst einmal zur Bar, Marisol, Natascha und Sabrina biegen ab zum Klo, Tabi setzt sich neben Till. Ich halte mich erst einmal im Hintergrund und spähe, wie eine Löwin auf Beutezug, den Club aus, er meinte ja, dass er heute hier ist.

Meine Augen scannen jeden Winkel, was macht den Tabi da, sie kniet, wie ein Jäger auf seinem Hochsitz, etwas erhöht auf dem Barhocker, anscheinend möchte sie den totalen Überblick haben. Na, wenn die Blonde noch höher hüpft, erschlägt sie sich mit ihren eigenen Brüsten, tja und ich, komme wohl nicht drum herum eine Runde zu gehen. Oh, man, wenn er wüsste, welchen Aufwand ich betreibe, um ihn wiederzusehen, das darf er nie erfahren, also falls ich ihn heute wirklich treffe, bin ich natürlich rein zufällig hier, weil meine FREUNDE unbedingt ins Moondoo wollten. „Und hast du ihn schon gesehen?“ möchte meine kleine halb-spanische Freundin Marisol von mir wissen. „Nee, noch nicht.“ und versuche meine Enttäuschung zu verbergen. Es könnte alles so einfach sein, ist es aber mal wieder nicht.

Ich dränge mich durch die Menschenmasse, die Discobeleuchtung macht es mir auch nicht gerade einfacher. Es ist wahnsinnig voll heute Abend und macht die Suche mir nicht leichter. Endlich Eingang in Sicht, hier ist es angenehm, viel weniger Leute, bessere Luft und wuaaa, ich spüre einen harten Stoß in meinem Rücken, mit einem Ruck werde ich nach vorne geschleudert, ich kann mich kaum halten, die hohen Schuhe, mein rechter Fuß kollidiert mit dem Linken, ich drehe mich und pralle mit voller Wucht gegen jemand Rotes, worauf ich zurücktaumel und gegen die goldene Säule falle, aua! Wenigstens haben die roten Samtkissen meine Bruchlandung etwas abgefedert. „Alles in Ordnung?“, fragt mich die männliche Stimme. Klar, es ist alles bestens, nachdem man, wie ein Pingpong Ball durch den Club geflogen ist und raffe mich auf. „Mir geht es gut, danke.“ streife meinen linken Pumps wieder ordentlich über die Zehen und blicke langsam nach oben. „Anni, alles ok, hast du dir wehgetan?“ und die Gesichter von Marisol, Sabrina und Natascha versperren mir die Sicht. „Äh, ja!“ und beruhige meine Mädels. „Gestern Tabi, heute du!“ ich lächel und habe sofort das Bild vor Augen, wie Tabi den Stehtisch umarmte. „Ja, als Single lebt man eben gefährlich.“

Gleich ist es vier Uhr und von Fabian keine Spur. Ich habe wirklich geglaubt, ich würde ihn heute Abend wiedersehen, meine ganze Hoffnung basierte auf diesen Tag. Wichtige Erinnerung an mich, das nächste Mal, die Chance direkt nutzen und nicht verpassen, in der Erwartung, eine Zweite zu bekommen, denn es könnte, wie hier zu spät sein. Schade und verabschiede mich von meinem Wunschgedanken. „Hey, wie geht es deinem Fuß?“ Ich kenne diese Stimme, ich habe sie vorhin schon einmal gehört. Sie klingt warm und etwas rauchig und er steht direkt vor mir und schaut mich fragend an, wow hat er schöne Augen blau, grün oder grau, vielleicht auch alle Farben zusammen, in der Dunkelheit kann ich das nicht genau erkennen. Sein Gesicht, mit leichten weichen Zügen, braun gebrannt, die blonden Strähnen fallen ihm ins Gesicht. Achtung Surferalarm. Er kommt ein Schritt näher, ich kann seinen Muskellösen Oberkörper unter seinem T-Shirt erahnen. „Ja, dem geht es wieder gut.“ und gucke zu meinen Freunden, die sich auf der Tanzfläche amüsieren.

„Ich wollte mich noch entschuldigen.“ Ich gucke zu ihm. „Wieso.“ Sein Blick versetzt mir Herz-Rhythmus Störungen, irgendwie. „Mein Freund hat dich angerempelt. Er brauchte Empfang und hat dich übersehen.“ Angerempelt, umgenietet trifft es eher, er lacht, oh, habe ich das gerade laut gesagt! „Ja, das hat er, kann ich Dich zur Entschädigung zu einem Drink einladen.“ „Ein anderes Mal vielleicht, meine Freunde wollen los.“ und gehe zur Tanzfläche. Tabi kommt mir entgegen. „Der ist aber heiß.“ ich seufze. „Ja, ist er, aber ich bin heute wegen Fabian da.“ Sie mustert mich argwöhnisch. „Na und ist er gekommen, nein und er wird auch nicht mehr kommen.“ Da hat sie wohl recht. „Kann sein, ich bin nur nicht der Typ, die von einer Blume auf die nächste übergeht.“ Sie schüttelt ihren Kopf. „Anni, du warst noch nicht einmal auf der Blume drauf.“ und ergänzt „Der sieht aus wie Chris Hemsworth.“ Das könnte der Alkohol sein, zugegeben eine gewisse Ähnlichkeit ist vorhanden und ich bin schon wieder fast nüchtern.  „Anni, nutze die Chance.“ und schiebt mich in die entgegengesetzte Richtung. Vielleicht hat sie ja recht, immerhin warte ich hier auf ein Hirngespinst, aber er ist da, er ist Realität, vielleicht ist es sogar Schicksal.

„Meine Freunde wollen noch bleiben, also ich hätte jetzt doch Zeit für einen Drink.“ und setze mich auf den freien Platz neben ihn an der Bar. Seine Augen glänzen, ich glaube der freut sich. „Ich bin Liam.“ „Anna-Lena.“ und die ersten Drinks werden bestellt.

Der Abend wird immer besser, Liam ist supersympathisch und zur Hälfte Schwede, mittlerweile entschädigt er mich zum dritten Mal. Während wir uns erneut zu prosten, sehe ich im Augenwinkel, einen großen Mann mit dunkelbraunen Haaren, Dreitagebart, normale Figur und eine selbstbewusste Körperhaltung den Club betreten. Fabian!!!

Bis zum nächsten Mal, Eure Anna-Lena 😉

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

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