Anna-Lena’s Single-Kurzgeschichten: You wanna play a game?

Single-Kurzgeschichten: You wanna play a game?

Anna-Lena’s Single-Kurzgeschichten: You wanna play a game? Ok, welches nehme ich jetzt, das Türkise, mit den Blumen oder das Schwarze mit dem weiß-rotem Atztekenprint? Mmm, das eine süß, frisch und mädchenhaft, das andere eher rockig und lässig! Wenigstens muss ich mich nur noch zwischen zwei Kleidern entscheiden, denn das mit dem Retroprint passte überhaupt nicht zu mir und flog sofort aus der Auswahl. Ach, Mensch, seit einer Stunde pendle ich zwischen zwei Kleidern und zerbreche mir den Kopf. „Anni, bist du mal bald fertig?“ Oje, Zeitdruck, Till kann ich auch nicht mehr länger warten lassen, ich probiere die nur mal kurz an, das glaubt der mir nie wieder! „Ich überlege noch!“ er steckt seinen Kopf in die Kabine und sieht mich etwas entgeistert an. „Das hattest du doch schon an, oh Anni entscheide dich, das kann ja nicht so schwer sein!“ Das sagt der Richtige, Till ist nämlich ein absoluter Entscheidungsmuffel, nur bei seiner Klamottenwahl geht es ratzfatz. „Ähm kurze Erinnerung, du hattest was mit 3 Frauen, weil du dich nicht entscheiden konntest!“ „Anni, wenn du dir bei deiner Männerwahl auch mal so viel Gedanken machen würdest wie hier, dann wärst du jetzt verheiratet. Wie gemein, Treffer, Schiff versenkt!

„Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand, als ihren Mann!“ Coco Chanel

Der Gute hat völlig recht, auch wenn der Typ eigentlich überhaupt nicht zu mir passt oder eine komplett andere Vorstellung vom Leben hat, lasse ich mich trotzdem darauf ein. Ich mache mir schon Gedanken, was ich an jemanden gut finde und was nicht. Aber anhand der letzten Erfahrungswerte kann der Mann hundertprozentig dem nicht entsprechen und ich finde ihn trotzdem interessant. Mit einem Kleidungsstück würde mir das nie passieren, es passt nicht zu mir und ich würde es nie kaufen, nicht einmal geschenkt will ich es haben, aber den Typ schon, verrückt.

So, ich bin süß und lässig, ich nehme beide. Während ich die ganze Zeit in der Kabine war, hat Till nicht nur mich beraten, sondern jede andere Frau passend zu seinem Beuteschema. Gerade flirtet er mit einer drallen Blondine, och bitte, der Spruch geht nun gar nicht, aber sie ist hin und weg. Ich glaube, da ich ihn schon so lange kenne, hat mein Körper in den Jahren eine gewisse Immunität gegen seinen Charme aufgebaut. „Bin fertig, Casanova!“ und gehe Richtung Kasse. Ich verstehe ihn nicht, der hat schon drei, ich zur Zeit nicht einmal einen und er will sich seinen Harem noch erweitern, wobei mit den anderen beiden ja nichts mehr läuft. Da hat er eine super Frau, wie Alex und baggert an diesem Püppchen herum.

„Warum soll sich der Mann auf eine besondere Frau konzentrieren, wenn er in der Zeit hundert andere haben kann?”

Püppi hat nun seine Nummer und Till kommt mit einem triumphierenden Lächeln auf mich zu. Meine Laune nähert sich dem Gefrierpunkt, denn ich habe ihm auch noch die Plattform dafür geboten. „Wie läuft es mit Alexandra?“ und schaue ihn herausfordernd an. Er weicht meinem Blick aus und schaut genervt auf sein Handy. „Allein in der Zeit, wo wir hier sind, hat sie mir 3 Sms geschrieben, die erste warum ich bei WhatsApp online war und ihr nicht zurück geschrieben habe, die zweite, was ich heute noch mache und die dritte, ob wir uns heute noch sehen!“ Oje, das stille Wasser mutiert zur aufbrausenden Selter und das war so klar, dass das passiert. „Ich glaube sie mag mich!“ Nein, wie kommt er denn auf so etwas, sie hat zwar gesagt, sie will auch keine Beziehung, nur ihr Verhalten ist konträr zur ihrer Aussage, also völlig absurd, dass sie ihn mag! „Schlau kombiniert, Mr. Watson!“ Ach ja, lass uns ein Spiel spielen …

Auch ich habe mich vor gar nicht all zu langer Zeit zu dieser schauspielerischen Darbietung hinreißen lassen. Teilweise war das eine oscarreife Leistung. Einen Haken hat die Sache, man kann diese Maske nicht ewig aufrecht halten und das alles nur um ihm zu gefallen! Man verstellt sich und sobald man merkt man verliert die Kontrolle, bröckelt die Fassade, um irgendwann komplett in sich zu fallen. Man kann seinen Gefühlen nicht mehr standhalten und Gollum hat freie Bahn. Ach, wie gut, dass mein Gollum gefesselt und geknebelt, tief in meinem Unterbewusstsein vergraben ist, da soll er auch bleiben! Ich habe mir eine ganz neue Technik zugelegt, bevor ich vom Pferd falle, springe ich lieber ab, so kann ich die Landung besser bestimmen! Oh, oh, liebe Alex dein Sattel sitzt sehr locker!

Till ist ja nun auch nicht blöd, auch wenn sie ihm nie, nieeeee wirklich gesagt hat, dass sie ihn mag, spricht ihr Verhalten Bände, denkt sie wirklich das er es nicht bemerkt! „Was ist denn so schlimm daran, dass sie dich mag, irgendetwas scheint dir ja auch an ihr zu liegen?“ „Ja, aber mir ist das alles zu viel!“ „Und deswegen meldest du dich jetzt nicht!“ „Ja, etwas Abstand tut uns beiden ganz gut!“ Till ist überfordert und zieht sich zurück, die gute Alex rüstet auf. „Ihr solltet reden!“ Schweigen! „Du musst ihr das sagen, sie wird mit der Zeit nicht entspannter, glaube mir das, ich bin ein ehemaliges Paradebeispiel dafür!“ In seinen Gedanken werden wohl gerade ein paar Bahnen zu seinem Erinnerungsmodus aktiviert. Er will ihr nicht weh tun, das ehrt ihn, allerdings sein Verhalten bewirkt genau das Gegenteil, denkt er wirklich das sie es nicht bemerkt! Immer diese Spielchen, irgendwie sind wir sadistisch veranlagt, da quält man sich mit Geschichten herum, wo der Instinkt rechtzeitig die Signale erkennt und einen davor warnt. Aber nein, man quält sich weiter und hofft, dass es irgendwann besser wird. Ich hätte mich genau wie Alex auf dieses Spiel einlassen können. Wie ich sehe, war meine Entscheidung, das Spiel frühzeitig zu verlassen, richtig.

Wir haben Glück, denn wir haben es selbst in der Hand, ob wir überhaupt daran teilnehmen, wie lange wir dabei bleiben oder es abbrechen, man muss nicht immer auf das Ende warten. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und manchmal schmieden wir einfach zu lange am falschen Eisen. „Du kannst sie nicht ewig ignorieren.“

„Wenn man jemanden sagt, dass man ihn mag, überreicht man ihm gleichzeitig ein Schwert, mit dem er einen entweder beschützen oder vernichten kann!“

Es ist selten, dass ein Mann und eine Frau zur selben Zeit das gleiche füreinander empfinden, der Mann braucht in der Regel etwas länger, also nicht sofort hinterher stürmen, wenn er sich zurückzieht, dadurch wird es nicht besser. Ich bin nicht von ihm abhängig und es geht mir auch ohne ihn gut, so war Alex am Anfang, davon ist leider nicht mehr viel übrig und wenn das mit der Liebe so einfach wäre, dann wäre sie auch nicht mehr besonders. Wir würden es gar nicht zu schätzen wissen, wenn wir auf jemanden treffen, mit dem einfach alles von Anfang an wunderbar ist. Ich kann Till ja verstehen, wer will schon gerne jemanden vernichten, aber manchmal ist das auch die Erlösung. „Und?“ Schweigen… „Ja, man … ich rede mit ihr!“ Game over?!

Bis zum nächsten Mal Eure Anna-Lena 😉

Weiter geht es mit: Der tut doch nichts, der will doch nur spielen!

Quellenangabe: Grafik: fotolia.com / © diavolessa

2 Comments

  • „Anni, wenn du dir bei deiner Männerwahl auch mal so viel Gedanken machen würdest wie hier, dann wärst du jetzt verheiratet” – Hihi, hier musste ich ja schon lachen, denn so ist es nun mal!! 😀 Würdenwie uns um Männer so viel Gedanken machen wie um unsere Outfits wären wir alle schon längst unter der Haube. Aber ich muss gestehen, Männer sind mit manchmal echt ein Rätsel. Das Buch “Männer sind anders, Frauen auch” hat mir schon sehr geholfen, doch ich würde lügen wenn ich sage, ich verstehe die Männerwelt;-)

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

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