Liebeskummer – zweite Phase: AUFBRECHENDE GEFÜHLE

Liebeskummer – zweite Phase: AUFBRECHENDE GEFÜHLE

Die zweite Phase beim Liebeskummer, ist die nervenaufreibendste Zeit. Jetzt wird es besonders schwer, man hat erkannt, dass es keinen Sinn mehr macht und den Partner aufgeben muss. Warum geht es mir so schlecht? Unsere Stimmung wird durch biochemische Steuerungsprozesse und das komplizierte Zusammenspiel von Hormonen beeinflusst. Hormone erfüllen vielfältige Aufgaben in unserem Körper. Sie lassen uns wachsen, machen uns glücklich oder traurig, aber sie können uns auch krank machen. Bei einer Trennung sinkt der Glückshormonspiegel und damit auch unsere Stimmung, weswegen man in ein tiefes schwarzes Loch fällt, zumindest fühlt es sich so an.

Ein emotionales Chaos

Zusätzlich prasseln Gedanken auf einen ein, Erinnerungen quälen einen und lösen verschiedene Gefühle aus, die sich ständig wechseln. Darauf reagiert man mit verschiedenen Verhaltensweisen und Körperempfinden, ja, das reinste Chaos, wie soll man da noch „normal“ bleiben.

Die Gefühle

Bei intensivem Liebeskummer gerät typischerweise unser Hormon- und Botenstoff-System deutlich aus dem Gleichgewicht. Bestimmte Stoffe werden zu viel und andere zu wenig produziert. Ohne Hormone können wir allerdings keine Gefühle empfinden – kein Glück, keine Liebe, keine Wut, keine Trauer.

Die Traurigkeit:

„Es tut so weh. Ein riesiger Schatten breitet sich über mich, bis die Welle über mir zusammenbricht und ich in den Fluten versinke. Ich kann nicht mehr atmen, es zieht mich immer weiter hinunter, ich kämpfe gegen die Wassermassen an und es kostet mich so viel Kraft, dass ich für einen Moment denke, ich werde ertrinken.“

Die Traurigkeit kommt in Wellen, anfangs hat sie die Stärke eines Tsunamis und man denkt – das schaffe ich nie! Doch die Wellen werden kleiner und irgendwann ist nur noch ein seichtes Plätschern zu vernehmen. Die Traurigkeit zu unterdrücken oder zu verdrängen ist keine gute Idee, denn die Gefühle stauen sich auf und holen einen, meist zu den ungünstigsten Augenblicken, wieder ein. Weinen hilft, es baut den Stress ab, es ist ein gutes Ventil, bei dem man den Druck, der auf einem lastet, ablassen kann. Nicht dagegen ankämpfen und sich mit den Wogen der Traurigkeit treiben lassen, dann hört es irgendwann von alleine auf.

Die Angst:

„Ich bin wieder alleine und muss von vorne anfangen. Er kommt nicht zurück und die linke Seite auf meinem Bett bleibt leer. Nie wieder werde ich in seinen Armen liegen, nie wieder wird er in meine Augen sehen und „Ich liebe dich“ sagen. Nie wieder werde ich seine Nähe spüren. Er ist nicht mehr da, er existiert bald nur noch in meiner Vergangenheit. Ich spüre die Angst tief in mir, sie lähmt mich, der Druck auf meine Lungen wird stärker, ich bekomme kaum Luft, mein Körper presst sich zusammen, ein Unwohlsein im Magen und mein Herz schlägt schneller.”

Die Angst verstehen. Gedanken, Erinnerungen und gewisse Dinge wie z.B. ein Lied, ein Ort oder ein Foto können in einem Ängste auslösen. Bei einer Trennung verknüpfen wir die Erinnerungen nicht mehr mit positiven Gefühlen, sondern negativen. Unser biologisches Warnsystem soll einen vor Gefahren schützen und um unsere Fluchtreaktion zu unterstützen, reagiert der Körper dementsprechend darauf, weswegen man die Angst eher als unangenehm empfindet. Wenn man jedoch gegen seine Angst ankämpft und sie mit aller Gewalt unterdrücken will, kämpft man gegen sich selbst – und den Kampf kann man nicht gewinnen. Also warum hast du Angst, was ist der Auslöser, wenn man die Angst versteht, fühlt man sich nicht mehr so hilflos. Konfrontiere dich mit deinen Ängsten, konserviere sie nicht, indem du ihnen aus dem Weg gehst. Zum Beispiel hört man sich das gemeinsame Lied so oft an, bis es keine unangenehmen Gefühle mehr auslöst und gebe sich Zeit.

Die Schuldgefühle:

„Habe ich etwas falsch gemacht, hätte ich etwas ändern können, er meinte ja noch, dass ihn das nerven würde. Am Ende hat er nur noch gemeckert und war unzufrieden, er wurde sogar richtig gemein, vielleicht bin ich nicht genug auf ihn eingegangen, ich hätte mehr Verständnis zeigen sollen. Habe ich etwas falsch gemacht, hätte ich etwas ändern können?“

Die Fehler jetzt bei sich zu suchen, erlaubt einem wenigstens die Illusion zu hegen, dass die Situation anders hätte ausgehen können. Zu glauben, wenn man sich anders verhalten hätte, wäre es auch anders gelaufen, ist ein Trugschluss. Damit belügt man sich selbst. Es gab Probleme und dazu gehören immer zwei, jeder ist der Architekt seiner eigenen Unzufriedenheit, ebenso Zufriedenheit.

Die Wut:

„Wie konnte er nur uns einfach aufgeben, am liebsten würde ich ihm sagen, was für ein Idiot er ist. Ich hasse ihn, er hat mich belogen, die ganze Zeit, die ganze Zeit, vielleicht hat er mich auch betrogen, alles was er noch zu mir meinte war gelogen. Er tut mir so weh, wie konnte er nur …“

Im Gegensatz zur Traurigkeit verleiht einem die Wut Energie, lass die Wut raus. Hau auf ein Kissen, renne in der Wohnung hin und her und beschimpfe die Wände, mache Sport, alles was du ihm noch sagen möchtest, schreibst du auf oder verarbeitest es durch künstlerisch-kreative Arbeiten. Hörst laut Musik und schreist mit Pink  zu “So what? I am a rock star. I got my rock moves. And I don’t want you tonight”.

Das körperliche Empfinden und Verhaltensweisen

Niedergeschlagenheit: „Ich bin so müde, so erschöpft, am liebsten möchte ich den ganzen Tag im Bett bleiben. Ich habe keine Kraft aufzustehen. Antriebslosigkeit: Ich muss ja noch die Wäsche machen, nee, heute nicht, vielleicht morgen. Ich sollte aufstehen, aber ich kann nicht. Mir fällt alles so schwer, alles ist so sinnlos, ich bleibe liegen und schlafe weiter. Schlafstörungen: Na toll, ich kann nicht schlafen, jetzt liege ich wieder die ganze Nacht wach, mache mir Gedanken, weine und kann morgens nicht aufstehen, weil ich so müde und erschöpft bin.

Ein Teufelskreis – damit man wieder zurück in den Alltag findet, ist es wichtig morgens aufzustehen, das Morgentief macht es einem leider noch schwerer.Das hilft: „Um dem Morgentief entgegenzuwirken, hilft ein kleiner Spaziergang. Es kostet einen schon Überwindung überhaupt rauszugehen. Deswegen bin ich anfangs mit meinem Schlafanzug, einem Wintermantel und einer Sonnenbrille, die war für den Notfall, rausgegangen, anfangs nur in den Garten. Gerade wenn man jetzt ganz für sich ist, kann es passieren, dass Gedanken, die einen traurig machen, verstärkt auftreten. Damit es nicht in kürzester Zeit zu einem Ausbruch der Gefühle kommt, hilft es sich seiner jetzigen Situation bewusst zu werden. Also, ich bin im Garten oder Park, unter meinen Schuhen knirscht der Sand. Der Wind weht durch die Bäume, es ist arschkalt, die Wiese ist grün, die Astgabelung gefällt mir. Mit dieser Übung lassen sich die Gedanken besser ertragen.

Appetitlosigkeit/Heißhunger:

Ich sollte etwas essen, aber ich habe überhaupt keinen Hunger. Boa, nee, nicht mal einen Toast bekomme ich runter. Ich habe schon fünf Kilo abgenommen, aber nichts schmeckt mir, ich habe weder Hunger noch Appetit und der Gedanke an Essen lässt meinen Magen zusammenziehen.”

Liebeskummer entzieht dem Körper nicht nur die körpereigenen Wohlfühlstoffe, in Phasen des Stresses braucht unser Körper auch viel Energie. Das hilft: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung (keine Süßigkeiten, das wirkt nach einem eventuellen kurzen Zwischenhoch kontraproduktiv bei Liebeskummer!) wirken begünstigend auf den Abbau von Stress und auf das Hormonsystem. Es muss nicht viel sein, aber regelmäßig, drei Mahlzeiten pro Tag. Frühstück, Mittag und Abendbrot, viel trinken, es gibt auch bestimmte Lebensmittel, die harmonisierend auf das Hormonsystem wirken: Vanilleschoten, reiner Kakao (ohne Zucker) und Bitterstoffe, die im Grünen Tee vorhanden sind. Kaffee und eine Zigarette sind kein Frühstück!

Freudlosigkeit:

„Ich hasse die Sonne, ich hasse das Wochenende, alles was ich vorher so geliebt habe, hasse ich jetzt. Selbstvorwürfe: Verdammt, wieso fühle ich so, wo ist die Frau, die ich vorher so geliebt und geschätzt habe, davon ist jetzt nichts mehr übrig. Wieso lasse ich mich davon so herunterziehen. Wieso habe ich nicht die Stärke, damit besser klarzukommen. Selbstablehnung: Ich bin so erbärmlich, ich bin so schwach, ich hasse mich, dass ich mir das antue.“

Es ist gerade echt alles besch … und es ist ok, dass es mir nicht gut geht. Ich habe ein Recht darauf traurig zu sein, ich wurde verletzt und enttäuscht, das tut weh. Damit besser klarzukommen braucht Zeit und die gebe ich mir. Es ist wie es ist und da muss ich durch. Es wird nicht leicht, es wird dauern und ich werde weiterhin traurig sein und das ist ok. SICH SEINEN GEFÜHLEN NICHT NUR STELLEN, SONDERN SIE AUCH ZU AKZEPTIEREN, IST EIN WICHTIGER SCHRITT NACH VORNE.

Sozialer Rückzug:

(Telefon klingelt, ich gehe nicht ran) „Ich will niemanden sehen, ich möchte nur alleine sein, ich will nicht raus, ich möchte einfach niemandem begegnen. So, wie es mir gerade geht, möchte ich keinen mit mir belasten.“

Gesellschaft tut einem gut bei Liebeskummer, es erleichtert auch, darüber zu reden und lenkt einen davon ab, sich immer mehr in sein Leid hineinzusteigern. Oft fühlt man sich hilflos und einsam, aber oft ist man gar nicht allein. Ein Kaffee mit der besten Freundin, ist Balsam für die Seele.

Innere Unruhe:

„Ich kann nicht still sitzen, in mir brennt es, ich fühle es, es macht mich nervös und ich komme nicht dagegen an, ich spüre den Drang, mich ständig zu bewegen, damit ich mich beruhige, aber es bringt nichts.“

Bewegung hilft in der Tat, die innere Unruhe ist eine typische Entzugserscheinung, Sport ist die effektivste und schnellste Möglichkeit, die Produktion von Glückshormonen zu aktivieren und sich besser zu fühlen, aber Vorsicht, nicht die eine „Sucht“ durch eine andere „Sucht“ ersetzen.

Grübelzustände und kreisende Gedanken:

„Es ist Sonntag, was macht er jetzt? Vielleicht hat er eine andere! Ist er jetzt mit ihr zusammen? Denkt er noch an mich, geht es ihm vielleicht auch so schlecht. Warum tut er mir so weh. Es ist Sonntag, was macht er jetzt?“ STOP

Das hilft: Als erstes, es ist wie es ist und das Leben des anderen geht einen nichts mehr an. Die Gedanken drehen sich im Kreis, man sucht nach Antworten, aber es wird keine geben, die einen befriedigen. Es wird nicht besser und man steigert sich immer mehr hinein, worauf der Körper mit Stresssymptomen reagiert. Es ist Zeit für einen Gedanken-Stopp, eine sehr gute Übung seine Gedanken zu durchbrechen ist die A-Z Übung. Beispiel: weibliche Filmstars: Angelina Jolie, Brigitte Bardot, Cameron Diaz usw. oder Stricken, es entspannt und ganz nebenbei entsteht ein neuer Schal, worüber man sich freuen kann. Naja, oder ganz viele Schals, wo sich Freunde und Familie darüber freuen.

Die innere Leere:

„Alles ist dunkel, kein Licht in Sicht. Ein Sog zieht mich nach unten, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich spüre nichts, gar nichts, mein Körper ist noch da, aber ich existiere nicht mehr.“

Es ist das schlimmste Gefühl, nämlich gar nichts mehr zu fühlen, innerlich tot zu sein. Liebeskummer kann einen auch krank machen und zu Depressionen führen, aufgrund des Ungleichgewichts des Hormonhaushaltes. Wenn man nicht mehr mit seinen Gefühlen klarkommt, sein Leben, den Alltag nicht mehr bewältigen kann, dann geht zu Eurem Hausarzt oder zur psychologischen Ambulanz in einem Krankenhaus, dort erhält man sofort Unterstützung. Es ist keine Schande nicht mehr weiterzuwissen, denn selbst der stärkste Esel bricht unter einen bestimmten Last zusammen.

Liebeskummer tut weh und jeder geht damit anders um, wie lange diese Phase dauert, bestimmt man selbst, oft befindet man sich in einer Negativ-Spirale, deswegen je eher man anfängt die Situation zu akzeptieren und sich Gutes tut, den normalen Rhythmus der Grundbedürfnisse Schlafen, Essen und Trinken wieder herstellt, desto schneller geht es einem auch besser. Denn jeder ist Architekt seiner eigenen Zufriedenheit.

Oh, schon hell … nee, das ist ja die dritte Phase – Langsame Neuorientierung und die gibt es nächstes Mal.Autor-Julia

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Liebeskummer – erste Phase: VERDRÄNGUNG

Liebeskummer – dritte Phase: LANGSAME NEUORIENTIERUNG

Liebeskummer – vierte Phase: NEUE ORDNUNG

Quellenangabe: Fotografie © Artem Furman – Fotolia.com #68309952
Tags from the story
, , , , ,

2 Comments

  • Immer wieder das gleiche als ob die Frauen immer die leid tragenden sind. Das es Männer genauso geht geht euch nicht in den Kopf und wie sensibel Männer sein können. Immer in solchen Artikeln er hat sie verlassen er hat dies und das. Furchtbar. Ihr Frauen seit kein Stück besser

  • liebe julia,
    ein toller artikel, den teil ich gerne weiter. witzigerweise hab ich vor einiger zeit mal einen artikel zum thema “stricken gegen liebeskummer” verfasst, ich hab ihn unter meinem namen oben verlinkt und hoff, das ist dir recht – ich fands grad so schön passend 😉
    liebe grüße
    sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.