Die Eiskönigin-Phase – wenn das Herz gefriert!

Die Eiskönigin-Phase – wenn das Herz gefriert!

Auf der Suche nach neuen Bildern für meine Artikel wanderte vor einiger Zeit dieses Bild in meinen Ordner. Ich wusste sofort, dass ich früher oder später diesen Artikel schreiben würde. Dieses Foto spiegelt nicht nur eine Situation wieder, sondern transportierte auch ein Gefühl, welches ich sofort in meiner linken Brustkorbhälfte spürte.

Im Leben wird man immer wieder mal enttäuscht, mal weniger und zu ertragen, aber auch so schlimm, dass gefühlt eine Welt zusammen bricht. Das “Glücklich-Sein” zieht aus und stattdessen nimmt die Traurigkeit deren Platz ein. Von Dunkelheit umgeben, kommt es einem so vor, als wenn die Zeit stehen bleibt, man erstarrt und sich verschließt – wenn das Herz gefriert.

Darf ich vorstellen, meine, ich nenne es die EISKÖNIG/IN-PHASE, nein, dieses Mal wurde ich nicht von Disney inspiriert, sondern von dem großartigen dänischen Dichter Hans-Christian Andersen, der nämlich das Original “Die Schneekönigin” schrieb. Die Story ist vielen sicherlich bekannt, aber viel wichtiger und auch meine Inspiration für diesen Artikel ist der Anfang.

“Vor langer, langer Zeit erschuf ein Teufel einen Spiegel, der alles Schöne und Gute verzerrte und hässlich aussehen ließ. „Die schönste Landschaft sah wie gekochter Spinat aus.“ Das Böse trat darin gut hervor. Eines Tages jedoch fiel der Spiegel dem Teufel aus den Händen und zersprang in viele tausend Stücke, große und kleine, die, je nach Verwendung durch die Menschen, viel Ärger und Verwirrung stifteten. Trafen sie einen im Herzen, so wurde es so kalt wie Eis und trafen sie einen in die Augen, so sah er alles um sich herum nur noch hässlich und böse. So verteilten sich die Splitter des Zauberspiegels über die ganze Welt.” Quelle: wikipedia

Jeden kann so ein Splitter treffen und manchmal trifft er einen direkt ins Herz. Täglich spürt man, wie der Schmerz sich immer tiefer in die Seele brennt, einem die positiven Lebensgefühle entzieht und die Welt in einen dunklen Schleier legt. Gedanken, Erinnerungen quälen einen und lösen verschiedene Gefühle aus, die sich ständig wechseln. Man fühlt sich den Empfindungen hoffnungslos ausgeliefert und versteht sich selbst nicht mehr.

Der Tag zieht an einem vorbei, man empfindet keine Freude mehr, alles ist so trist und trostlos. Der Glaube an das Gute, verliert sich im Kummer und man spürt die Kälte durch den Körper fließen.  Wenn das Herz gefriert, macht es einem erst einmal Angst, weil man denkt, nie wieder jemanden in sein Leben zu lassen, unfähig, je wieder Gefühle zuzulassen, um nicht erneut verletzt zu werden. Es ist völlig verständlich, dass man sich eine dicke Eisschicht zulegt, um die Wunde zu kühlen, damit sie wieder heilen kann.

Die Eiskönigin-Phase, wenn das Herz gefriert, ist ein Prozess. Es ist normal, dass man sich verschließt, in sich geht und den Schmerz verarbeitet. Wenn man gerade unfähig ist, jemanden Neues in sein Herz zu lassen, dann, weil unser Hirn sich denkt, warum sollte ich mich sofort in die nächste Katastrophe stürzen. Es ist eine gesunde Reaktion auf das Erlebte, denn unser Gehirn speichert Situationen oder auch Personen, die uns geschadet haben unter GEFAHR ab.

Ich hatte einmal einen Autounfall, ungebremst raste mir ein Lieferwagen in mein Heck, ich hatte Glück im Unglück und nur eine schwere Gehirnerschütterung und Schleudertrauma, das waren zumindest die körperlichen Auswirkungen, die psychischen gestalteten sich vielfältiger. Autos machten mir Angst, in eins einzusteigen kostete mich einige Überwindungen, der Gedanke selber zu fahren, schlug mir übel auf. Der Lärm des Verkehrs ließ mich immer wieder in die Sekunden vor dem Aufprall zurückkehren. Jedes Mal fuhr die Angst mit, ein Jahr lang, saß sie hinter mir, ein Jahr lang schaute ich mehr in den Rückspiegel, als nach vorne. Die ersten Monate waren am schlimmsten, weil ich dachte die Angst wird mich von nun an nicht mehr loslassen, aber sie war nur eine Begleiterin, um mich zu schützen und sie verschwand, als ich sie verstand.

Wenn unsere Gefühle verletzt, die Werte und Ideale mit Füßen getreten werden, dann kann das, wie ein Autounfall, unsere Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Die Seele ist wie unser Körper verwundbar, selbst der stärkste Esel, bricht unter einer bestimmten Last zusammen. Die Narben aus vergangenen Tagen prägen schwer, die neuen Wunden entstellen und schränken die Lebensqualität ein, nur leider kann niemand sie sehen, genau wie die Kälte, die einen umhüllt.

Ich akzeptiere meine Eisschicht, immerhin kann ich mich dann in Ruhe renovieren. Anstatt mein Glück beim nächsten Partner zu suchen, finde ich es erst einmal wieder in mir. Manche Verletzungen brauchen ihre Zeit zum Heilen und die sollte man sich auch geben und daran arbeiten, denn irgendwann ist die Eiszeit vorbei, die Kälte weicht der Wärme und bringt das gefrorene Herz zum Schmelzen. um dann erneut wie ein Phönix aus der Asche empor zu steigen.

Noch ein paar Worte zum Schluss. Kommentar von meiner Mama: “Schön geschrieben, aber schon ein bisschen traurig.” Meine Antwort: “Ja, Mama, denn das ist keine Party, wenn das Herz gefriert!” Antwort: “Ja stimmt.” und lacht. Das Leben ist nicht immer eine Party, manchmal muss man sich von Splittern der Traurigkeit und Angst befreien, damit das Leben wieder eine Party wird 😉

Autor-Julia

Quellenangabe: Fotografie © monropic – Fotolia.com #39216286

1 Comment

  • Am Sonntag bringt angeblich das Wetter die warme Sonne in unsere Großstadt. Vielleicht eine Motivation, diesem strahlenden Eisbrecher wohlwollend entgegen zu fiebern und dem Tag mit positven Gedanken, trotz aller vergangenen, schmerzhaften und unvergessenen Ereignisse, eine Chance zu geben? Also Kopf hoch, Leute. Denn mit dem Schädel im Sand gehen die schönen Dinge des Lebens unbemerkt an einem vorbei.

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